Titel: Ueber die in einigen englischen Steinkohlen eingeschlossenen Gase; von Dr. Ernst v. Meyer.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1872, Band 206/Miszelle 4 (S. 496–498)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj206/mi206mi06_4

Ueber die in einigen englischen Steinkohlen eingeschlossenen Gase; von Dr. Ernst v. Meyer.

Der Verf. hat verschiedene Proben von Steinkohle aus den Districten Newcastle und Durham, welche Hr. Prof. Kolbe in Leipzig durch Vermittelung des Hrn. Lyon Playfair in London aus England erhalten und ihm übergeben hatte, auf die darin eingeschlossenen Gase untersucht, wobei er in derselben Weise verfuhr, wie bei seiner früher beschriebenen Untersuchung von Zwickauer etc. Kohlen (polytechn. Journal Bd. CCIV S. 462, zweites Juniheft 1872).

In den genannten Bezirken gibt es Stellen, wo Grubengase Jahre lang mit Gewalt ausströmen. Einige dieser Emanationen wurden vor etwa 25 Jahren von Playfair und Graham untersucht, und beide wiesen nach, daß Grubengas den Hauptbestandtheil derselben bildet; sie überzeugten sich zugleich von der Abwesenheit des ölbildenden Gases. Ferner enthielten die analysirten Gase durchweg Stickstoff, und einige derselben geringe Mengen Sauerstoff. Playfair fand in allen von 0,3 bis 2,1 Proc. Kohlensäure.

Die Frage, ob die Gase aus den dem Verf. übergebenen Kohlen sich analog zusammengesetzt erweisen würden, oder ob sie noch andere kohlenstoffhaltige Gase enthalten, etwa solche, welche der Verf. neben Grubengas früher in einigen Zwickauer Kohlen nachgewiesen hat, schien besonderes Interesse zu beanspruchen.

Die Kohlen, deren Gase untersucht wurden, waren folgende:

Kohlen aus dem Newcastler Disstrict.

1) Low Main Seam from Bewicke Main Colliery. Stellenweise deutlich schieferige Kohle von verwittertem Aussehen.

2) Maudlin Seam from Bewicke Main Colliery. Sehr harte Kohle von glänzendem, muschligem Bruch; deutlich geschichtet.

Kohlen aus dem Districte Newcastle-Durham.

3) Main Coal Seam from Upreth Colliery. Kohle mit glänzendem Bruch und deutlicher Schieferung.

4) 3/4 Seam from Urpeth Colliery about 30 fathoms from the surface. Unregelmäßig schieferige Kohle von glänzendem Bruch.

Kohlen aus dem Districte Durham.

5) Wingate Grange Colliery 3/4 Seam 74 fathoms from surface. Kohle von deutlich schieferiger, hin und wieder faseriger Struktur.

6) Wingate Grange Colliery, Low Main Seam 108 fathoms from surface. Unregelmäßig, aber deutlich schieferige Kohle.

7) Wingate Grange Colliery, Harvey Seam, 148 fathoms below surface. Sehr harte, schwefelkieshaltige Kohle mit glänzendem, muschligem Bruch.

Kohle aus einem nicht angegebenen Districte.

8) Upper or Harvey Seam Emily Vil., Woodhouse close Colliery, 25 fathoms from surface. Ausgezeichnet schieferige Kohle.

Die Analysen der Gase dieser Kohlen ergaben die nachstehenden Resultate:

|497|
Nr.
der
Kohle

District

CO²

CH⁴

O

N
100 Grm.
lieferten Gas,
Kubikcentimeter
1 Newcastle 5,55 6,52 2,28 85,65 25,2
2 Newcastle 8,54 26,54 2,95 61,97 30,7
3 Newcastle-Durham 20,86 4,83 74,31 27,0
4 Newcastle-Durham 16,51 Spur 5,65 77,84 24,4
5 Durham 0,34 85,80 Spur 13,86 91,2
6 Durham 1,15 84,04 0,19 14,62 238,0
7 Durham 0,23 89,61 0,55 9,61 211,2
8 Unbekannt 5,31 50,01 0,63 44,05 84,0

Die untersuchten Gase aus englischen Kohlen zeigen also keine unerwarteten Eigenthümlichkeiten. Dieselben enthielten keinen durch Schwefelsäure absorbirbaren Bestandtheil. Von verbrennlichen Gasen fand sich nur Grubengas vor, welches in sehr wechselnden Mengen auftrat. Der Unterschied nach den drei Bezirken ist auffallend; während die Durham-Kohlen ein an Grubengas sehr reiches Gas enthalten (welches in seiner Zusammensetzung einigen von Playfair untersuchten Gasen sehr nahe kommt), sinkt bei den Newcastler Kohlen der Gehalt an Grubengas rapid, und bei denen des Newcastle-Durham-Districtes verschwindet er vollständig.

In naher Beziehung zu dem Gehalt an Grubengas scheint die eingeschlossene Gasmenge zu stehen. Die gasreichsten Kohlen sind die des Durham-Districtes, und deren Gase enthalten auch das meiste Grubengas. Die zuletzt aufgeführte Kohle (8), welche der Zusammensetzung ihres Gases nach zwischen den Durham- und den Newcastle-Kohlen steht, enthält auch eine entsprechende Gasmenge. Die Kohlen aus den Districten Newcastle und Newcastle-Durham sind in Bezug auf Gasgehalt wenig verschieden, wenn auch eine Steigerung desselben bei Kohle 2, deren Gas 26,54 Proc. Grubengas aufweist, zu bemerken ist.

Daß diese Regelmäßigkeit nicht allgemein zutrifft, ergibt sich aus des Verf. früheren Untersuchungen Zwickauer und westphälischer Kohlen. Die Beziehungen zwischen Menge und Natur der eingeschlossenen Gase werden jedenfalls durch so mannichfaltige Umstände bedingt, wie Druck und Temperatur, denen die Kohlen im Inneren der Erde ausgesetzt sind, Gehalt an Schwefelkies etc., daß nur ein gründliches Studium der localen Verhältnisse zur weiteren Ausklärung dieser Fragen beitragen kann.

Ueberraschend groß ist der Gasgehalt der Durham-Kohlen (6 u. 7); dieselben sind sehr dicht und hart. Nimmt man ihr specifisches Gewicht zu 1,3 an (nach Playfair und De la Beche schwankt das specifische Gewicht englischer Kohlen zwischen 1,25 und 1 . 35), so kommt den eingeschlossenen Gasen unter gewöhnlichem Druck ein etwa dreifaches Volumen zu. Jedenfalls sind dieselben in Hohlräumen von außerordentlicher Kleinheit unter sehr bedeutendem Druck eingeschlossen.

So viel geht mit Gewißheit aus den angestellten Versuchen hervor, daß die Menge des in den Durham-Kohlen eingeschlossenen Gases und sein Reichthum an Grubengas zur Entstehung schlagender Wetter beitragen werden. Die Kohlen aus den anderen Districten machen in dieser Hinsicht den Eindruck der Ungefährlichkeit. Der Verf. besitzt leider keine statistischen Nachrichten über die Verbreitung der Häufigkeit schlagender Wetter in den drei Bezirken.

Im Allgemeinen zeigt sich mit Zunahme der Kohlensäure eine Abnahme des |498| Grubengases und umgekehrt. Das Gas aus Kohle 1 macht eine Ausnahme von dieser sonst durchgängigen Regelmäßigkeit; dasselbe müßte eine größere Menge Kohlensäure enthalten. Die an Grubengas reichsten Kohlen (5, 6 und 7) sind die an Kohlensäure ärmsten und umgekehrt (Kohlen 3 und 4).

Was endlich das Verhältnis von Sauerstoff und Stickstoff betrifft, so ist in derselben Weise, wie der Verf. früher gezeigt hat, ein Zurücktreten des Sauerstoffes und Ueberwiegen des Stickstoffes zu bemerken, sey es nun, daß der Stickstoff theilweise bei der Bildung der Kohlen eingeschlossen wurde, oder daß er später hinzugetretener atmosphärischer Luft angehörte, deren Sauerstoff zum größten Theil von der Kohle zur Oxydation verbraucht ist. (Journal für praktische Chemie, 1872, Bd. V S. 407.)

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