Titel: Ueber die in einigen Braunkohlen eingeschlossenen Gase; von Professor Dr. H. Kolbe in Leipzig.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1872, Band 206/Miszelle 5 (S. 498)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj206/mi206mi06_5

Ueber die in einigen Braunkohlen eingeschlossenen Gase; von Professor Dr. H. Kolbe in Leipzig.

Es liegen nur spärlich Untersuchungen über Gase vor, welche zu den Braunkohlen in ähnlicher Beziehung stehen, wie die Grubengase zu den Steinkohlen. Die zuweilen in Braunkohlengruben auftretenden bösen Wetter werden schon lange als Anhäufungen von Kohlensäure bezeichnet und gefürchtet, während Grubengas niemals in denselben nachgewiesen wurde. Der Zersetzungsproceß der Braunkohlen scheint demnach ganz anders zu verlaufen, als der der Steinkohlen. Aus Varrentrapp's Versuchen (polytechn. Journal, 1865, Bd. CLXXV S. 156) erhellt die große Oxydationsfähigkeit der Braunkohlen.

Hr. Zitowitsch hat im Laboratorium des Verf. einige Braunkohlen auf die in ihnen eingeschlossenen Gase geprüft; diese wurden nach der von v. Meyer bei Steinkohlen angewendeten Methode gesammelt. Zur Untersuchung dienten böhmische Patent-Braunkohlen und eine erdige Braunkohle geringerer Qualität. Die Gasentwickelung aus beiden Kohlensorten war unbedeutend (eine Bestimmung der Gasmenge wurde nicht ausgeführt). Die Gase ergaben sich als Gemenge von Kohlensäure, Sauerstoff, Stickstoff und Kohlenoxyd.

Zitowitsch fand folgende procentische Zusammensetzung:

Gas aus CO² CO N O
I.
II.
böhmischen Kohlen 89,66
82,40
1,80
3,00
8,03
14,15
0,51
0,45
III. erdiger Braunkohle 83,99 1,04 14,91 0,65

Bei der geringen Menge Kohlenoxyd war an eine scharfe Bestimmung desselben durch die Analyse kaum zu denken; nur die in der Analyse I erhaltenen Werthe stimmen genügend mit den berechneten überein. Die Zahlen der Analysen II und III werden durch Annahme von Kohlenoxyd am ungezwungensten erklärt.

Dr. v. Meyer hat auf Veranlassung des Verf. einen Controlversuch mit denselben böhmischen Kohlen angestellt. Nach Absorption der Kohlensäure wurde das Gas mit Sauerstoff (und Knallgas) verpufft, und die erfolgte Contraction und die gebildete Kohlensäure bestimmt. Die gefundenen Werthe stimmten genau auf Kohlenoxyd (3,60 Proc. bei Annahme eines sauerstofffreien Gases). Da Sauerstoff in dem Gase gar nicht bestimmt wurde, so war eine etwaige Bildung von Kohlenoxyd (bei Anwendung von pyrogallussaurem Kali) vermieden. (Journal für praktische Chemie, 1872, Bd. VI S. 79.)

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