Titel: Ueber die Gewinnung von Rubidium aus den Rübenaschen; von E. Pfeiffer.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1872, Band 206/Miszelle 6 (S. 498–499)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj206/mi206mi06_6

Ueber die Gewinnung von Rubidium aus den Rübenaschen; von E. Pfeiffer.

Durch die Mutterlaugen der gouvernementalen Salpeter-Raffinerie zu Paris, an welche die Fabrik in Nordfrankreich, in welcher der Verf. seine Untersuchungen ausgeführt hat, bedeutende Mengen Salpeter lieferte, wurde Louis Grandeau, Prof. an der Ecole normale zu Paris, zuerst auf das Vorkommen des Rubidiums in den Rübenaschen aufmerksam, und er benutzte die explosive Mutterlauge zur Darstellung einer gewissen Menge des Metalles. Zu dem Zwecke wurde dieselbe in einem eisernen Kessel mit Sägespänen und Holzabfällen gemischt, erhitzt und verglimmen gelassen. |499| Der kohlige Rückstand wurde mit Wasser erschöpft, und die Auszüge bis zu ca. 35° Baumé (1,317 specifisches Gewicht) eingedampft. Hierbei schied sich ein Gemisch von schwefelsaurem Kali und Chlorüren, sonne etwas Soda aus, welches in 1000 Grm. schon 2,81 Grm. Rubidiumchlorid enthielt. Die Mutterlauge enthielt kohlensaure und schwefelsaure Salze, Chloride, Schwefelalkalien, unterschwefligsaures Alkali nebst kleinen Mengen von Jod- und Bromve bindungen. Sie wurde mit Salzsäure im Ueberschusse versetzt und erhitzt, wobei sich ein reichlicher Absatz von Schwefel bildete. In die hiervon abfiltrirte und wiederum erhitzte Flüssigkeit wurde nun tropfenweise Salpetersäure gegossen, bis zur vollständigen Austreibung des Jods und des Broms. Die so erhaltene Lauge enthielt in 1000 Grm. 7 . 5 Grm. Rubidiumchlorid. Zur Gewinnung desselben wurde die stark verdünnte Lauge zum Kochen gebracht und mit einer verdünnten Lösung von Platinchlorid oder noch besser mit einer kochend gesättigten Lösung von Chlorkalium-Platinchlorid versetzt. Der erhaltene Niederschlag wurde durch mehrfaches Waschen mit kochendem Wasser von einem Gehalte an Chlorkalium-Platinchlorid befreit, und das zurückbleibende Rubidiumchlorid im Wasserstoffstrome reducirt. Der Verf. ist eben so gut zum Ziele gekommen, indem er die ursprüngliche Mutterlauge mit einer Lösung von salpetersaurem Bleioxyd fällte, die salpetersauren Salze, mit Kohle gemischt, verpuffte, und nach dem Uebersättigen mit Salzsäure die Fällung mit Chlorkalium-Platinchlorid vornahm.

Nach direct ausgeführten Bestimmungen enthält 1 Kil. der Rübenaschen Nordsrankreichs im Mittel 1,75 Grm. Rubidiumchlorid. Nun werden auf 1 Hektare Landin in Nordfrankreich etwa 45000 Kil. Rüben gebaut. Diese liefern 2650 Kil. Zucker und 1325 Kil. Syrup; letzterer liefert in der Brennerei 318 Liter Alkohol von 36° und 145,75 Kil Rübenasche mit 255 Grm. Rubidiumchlorid. Der Kaligehalt in dieser Quantität Rübenasche würde aber 84,4 Kil. Chlorkalium, der Natrongehalt 32,153 Kil. Chlornatrium betragen. Die Rübe nimmt also diese drei Substanzen in dem Verhältniß von 255 Grm. Chlorrubidium zu 32,153 Kll. Chlornatrium und 84,4 Kil. Chlorkalium auf. Setzt man die 255 Grm. Chlorrubidium = 1, so ist die Menge des Chlornatriums = 126 und die des Chlorkaliums = 331. Außer dem Rubidium will Grandeau auch Spuren von Cäsium gefunden haben. Während die Rübe kein Lithium aufzunehmen scheint, hatte Tabak, in derselben Gegend gebaut, Kalium, Rubidium und Lithium, hingegen nur Spuren von Natrium aufgenommen Rübsen, ebenfalls in dieser Gegend gebaut, hatte nur Kalium und Natrium, hingegen weder Rubidium noch Lithium aufgenommen. (Archiv der Pharmacie, Bd. CC S. 100.)

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