Titel: Verfahren zur Reinigung und Entfärbung der Rübensäfte; von Tessié du Mothay.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1872, Band 206/Miszelle 7 (S. 499–500)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj206/mi206mi06_7

Verfahren zur Reinigung und Entfärbung der Rübensäfte; von Tessié du Mothay.

Gegenstand des Patentes vom 16. Januar 1872 ist:

1) Gleichzeitige Reinigung und Entfärbung von Zuckersäften mittelst eines von den bisher gebräuchlichen Methoden abweichenden Verfahrens, wobei von dem kostspieligen Spodium Umgang genommen wird.

2) Entfärbung von Zuckersäften, welche speciell bei der Verarbeitung der Melasse mittelst Baryt resultiren.

Der erstere Zweck kann auf zwei Wegen erreicht werden, welche sich bloß in der Manipulation bei Anwendung sonst gleicher Hülfssubstanzen (doppelt-schwefligsaurer Salze der alkalischen Erden und schwefligsaurer Thonerde) unterscheiden; in beiden Fällen erfolgt Reinigung und Entfärbung gleichzeitig.

Erste Methode. – In der Kälte oder unter Erwärmen werden zu dem Säfte (Diffusions., Preß- oder sonst beliebiger Rübensaft) 1–2 Proc. gelöschten Kalkes zugemischt, geschieden und dann eine solche Menge doppelt-schwesligsaurer Magnesia zugegeben, daß die Hälfte oder zwei Drittel des nach der Scheidung in Lösung verbliebenen Kalkes in unlöslicher Form abgeschieden werden.

Durch den Zusatz der doppelt-schwefligsauren Magnesia wird schwefligsaurer Kalk abgeschieden, während ein Theil des Kalkes und der Magnesia in der Flüssigkeit gelöst bleibt. Zur Ausfällung dieser noch in Lösung verbliebenen Erden schlägt der Patentträger doppelt-schwefligsauren Kalk oder schwefligsaure Thonerde vor. Im ersteren Falle bildet sich schwefligsaure Kalkmagnesia, im anderen scheidet sich außerdem |500| noch Thonerdehydrat aus. – Anstatt des schwefligsauren Kalkes und Thonerde kann bei der zweiten Operation auch Kohlensäure zur Bildung unlöslicher Carbonate benutzt werden.

Zweite Methode. – Man setzt vorerst dem Safte zur vorläufigen Scheidung bloß 1 Proc. gelöschten Kalkes zu, und nach Beendigung derselben auf früher angeführte Weise Kalk-, Magnesia- oder Thonerdesulfit. – Nach dieser ersten Operation werden dem nun warmen Safte neuerdings 1/2–2 Proc. Kalkes zugesetzt, nach der Scheidung die Hälfte bis zwei Drittel Kalkes mit dem Sulfit, der Rest mit Kohlensäure ausgefällt.

Bei der Verarbeitung der Melasse mit Baryt macht man die Erfahrung, daß es nöthig ist, früher die Glucose zu zerstören, was leicht mit Alkalien oder alkalischen Erden (z.B. Kalk) durchgeführt werden kann. – Bei dieser Zerlegung tritt aber in Folge der Bildung von Huminsubstanzen eine Bräunung der Flüssigkeit ein, welche Färbung sich nachher auch dem gebildeten Barytsaccharat mittheilt und bei Zersetzung desselben mit Kohlensäure wiederum in die Lösung übertritt.

Diese Färbung entfernt der Patentträger folgendermaßen: Wenn bei Zerlegung des Barytsaccharates mit Kohlensäure die Lösung nicht mehr als 2–3 Proc. Baryt enthält, wird die Gaszuleitung unterbrochen und die vollständige Ausfällung mit doppelt-schwefligsaurem Kalk oder Magnesia oder schwefligsaurer Thonerde beendigt. (Journal des fabricants de sucre, 1872; böhmische Zeitschrift für Zuckerindustrie, November 1872, S. 565.)

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