Dieses Projekt wird gefördert von der Deutschen Forschungsgemeinschaft und präsentiert von der Sächsischen Landesbibliothek — Staats- und Universitätsbibliothek Dresden und der Humboldt-Universität zu Berlin.
Die wirksamen Bestandtheile des Kaffees.Zu den verbreitetsten Genußmitteln gehören unstreitig die aus Kaffeebohnen und aus Theeblättern bereiteten Getränke; es ist dadurch gerechtfertigt, wenn wir unseren Lesern etwas ausführlicher über eine Untersuchung des Herrn Aubert berichten, welche die Ermittelung des Coffeingehaltes des Kaffees und der Wirkungen des Coffeins zum Gegenstande hat. In wie weit diese hier als offen hingestellten Fragen durch die Untersuchung |501| Zur Gewinnung des Coffeins benutzte Aubert eine neue Methode, nämlich die Behandlung mit Chloroform, welche, wie eine Zusammenstellung aller bisher ausgeführten Analysen zeigt, eine größere Ausbeute zu geben scheint. Es wurden in den rohen Bohnen 0,709 bis 0,849 Procent Coffein gefunden. Aubert röstete drei Portionen Java-Kaffee so stark, daß sie eine hellbraune Farbe bekamen. Während des Röstens wurde der entweichende Dampf aufgefangen, in demselben aber kein Coffein gefunden. Von der dritten Portion wurde dann die Hälfte noch weiter geröstet, und zwar so stark, daß die Bohnen fast schwarz wurden, stark aufquollen und fettig glänzten. Bei diesem zweiten Rösten entwich Coffein, das sich deutlich nachweisbar in feinen Krystallen absetzte. Die vier Portionen gerösteten Kaffees wurden gemahlen, und aus denselben nach der gewöhnlichen Methode Aufgüsse bereitet. Diese Aufgüsse und die zurückbleibenden Bodensätze wurden dann auf ihren Gehalt an Coffein untersucht und ergaben Folgendes: Fast alles in den gemahlenen Kaffeebohnen enthaltene Coffein geht in das Kaffeefiltrat über, es bleibt kaum 1/5 davon im Grunde zurück. Bei übermäßig starkem Brennen der Kaffeebohnen geht doch nur wenig Coffein verloren – nur 0,144 Procent. auf rohe Bohnen berechnet –, auf den gebrannten Kaffee bezogen, enthält der dunkel geröstete 0,927, der schwach gebrannte hingegen 0,987 Procent. Es findet sich aber, daß das Coffein aus den stark gebrannten Bohnen vollständiger ausgezogen wird, als aus den schwach gebrannten, so daß das Filtrat aus den stark gerösteten Bohnen bei gleichen Gewichten des verwandten Kaffeepulvers sogar ein wenig reicher an Coffein ist. Die anderen aus den Kaffeebohnen ausziehbaren Substanzen wurden gleichfalls bestimmt. Hierbei stellte sich heraus, daß auch diese zum größten Theile durch das einfache Filtriren extrahirt werden und nur wenig im Grunde zurückbleibt. In stark gerösteten Bohnen ist die Gesammtmenge der extrahirbaren Substanzen genau so groß wie in schwach gerösteten; doch wird aus den ersteren durch Filtriren mehr Extract gewonnen als aus letzteren. Nach derselben Methode hat Aubert Theeaufgüsse und Theeabkochungen auf Coffein untersucht. Er benutzte Pecco Thee und befolgte bei der Darstellung der Getränke die im Leben üblichen Methoden ihrer Bereitung. Ein sehr interessantes Resultat ergab sich, als man nach den gewonnenen Bestimmungen den Gehalt an Coffein berechnete, welcher in einer Tasse Aus den physiologischen Wirkungen des Coffeins auf Säugethiere und Frösche sey hier hervorgehoben, daß es in entsprechend großen Dosen eine erhöhte Reflexerregbarkeit und Starrkrämpfe erzeugt. Es schließt sich in dieser Beziehung dem Strychnin an. und wirkt wie dieses direct auf das Rückenmark, durch dessen Reizung die Erscheinungen veranlaßt werden. Eine weitere Aehnlichkeit des Coffeins mit dem Strychnin besteht darin, daß die mit diesen Substanzen vergifteten Thiere in gleicher Weise die Erscheinungen nicht zeigen, wenn man bei ihnen künstliche Athmung unterhält. Setzt man dieß einige Zeit fort, so kommt das Gift beim Aufhören der künstlichen Respiration gar nicht mehr zur Wirkung, es ist entweder ausgeschieden oder im Körper zersetzt. Beim Coffein genügen 5 Minuten künstlicher Respiration, um selbst große Dosen des Giftes unschädlich zu machen. Die wichtigste Wirkung des Coffeins erstreckt sich auf das Herz, das von entsprechend großen Dosen zum |502| Sind nun die Wirkungen des Kaffeefiltrates durch den Gehalt desselben an Coffein bedingt? Diese Frage läßt sich jetzt noch nicht positiv entscheiden. Nach vorläufigen Versuchen ist es sehr zu bezweifeln, daß das Coffein der wirksamste Bestandtheil sey. Auch coffeinfreie Aufgüsse von Kaffeebohnen bringen heftige Erscheinungen an Thieren hervor, die von den Wirkungen des Coffeins sehr verschieden sind. Eine vergleichende Untersuchung dieser Wirkungen wird Aubert anstellen. |
Suche im Journal
→ Hilfe
Stichwortwolke
Alternative Artikelansichten
Feedback
|
Die Textdigitalisate des Polytechnischen Journals stehen unter der Lizenz Creative Commons by-nc-sa 3.0, die Bilddigitalisate unter Creative Commons by-nc-nd 3.0. Weitere Informationen finden Sie in unseren Nutzungsbedingungen.