Titel: Ueber Gramme's magnet-elektrische Maschine und deren Anwendungen.
Autor: Gramme,
Fundstelle: 1873, Band 207, Nr. X. (S. 31–35)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj207/ar207010

X. Ueber die Gramme'sche magnet-elektrische Maschine in Anwendung auf Galvanoplastik und Lichterzeugung; Bericht von Gramme.

Aus den Comptes rendus, t. LXXV p. 1497; December 1872.

Im Juli 1871 habe ich der (französischen) Akademie eine erste Probe meiner magnet-elektrischen Maschine vorgelegt.10) In nachstehendem Berichte werde ich die auf dem Gebiete der Galvanoplastik und der Lichterzeugung mit derselben gewonnenen praktischen Resultate mittheilen.

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Um continuirliche Ströme zu erzeugen, lasse ich einen Circular-Elektromagnet mit Folgepolen (à pôles conséquents) vor den Polen eines beliebigen Magnetes rotiren, und sammle die Ströme in einer zu den Polen senkrechten Ebene. Mein beweglicher Magnet mit Folgepolen besteht aus einem Kranz von weichem Eisen ohne irgend einen Vorsprung, auf welchen ein zusammenhängender Metalldraht gewickelt ist. Dieser Draht ist auf ein System kleiner Spulen vertheilt, welche mit einem cylindrischen Bündel von dünnen Metallstäben in Verbindung stehen. Jede Spule communicirt mit einem dieser Stäbe, die durch eine einfache Lage von Seide von einander isolirt sind. Es ist wesentlich, daß die vereinigten Leiter einen compacten Cylinder bilden, und daß die isolirende Schicht sehr dünn sey, weil sonst die Maschine starke Funken geben und nur unbedeutende Ströme liefern würde.

Die Möglichkeit, eine beliebige Anzahl Pole herzustellen, ist der hervorragendste Punkt meiner Erfindung. Sie gestattet, mit einer einzigen Maschine eine Reihe gesonderter Ströme zu erzeugen und z.B. das elektrische Licht in Partien zu gruppiren. Um die durch einen Elektromagnet, welcher vor einem Magnet von bekannter Kraft sich bewegt, erzielten Wirkungen genau zu beurtheilen, habe ich meine Probeapparate nur mit zwei Polen construirt.

Maschine für Galvanoplastik. – Dieser Apparat, welcher seit vier Monaten in den Ateliers des Hrn. Christofle zu Paris arbeitet, besteht aus einer Welle, welche zwei bewegliche Elektromagnete und zwei horizontale Elektromagnete mit Folgepolen trägt. Sie war auf die Erzeugung eines Niederschlages von 600 Grammen Silber, bei einer Geschwindigkeit von 300 Umdrehungen per Minute berechnet worden und wiegt 460 Kilogramme. Der auf die festen Elektromagnete gewickelte Draht wiegt 135 Kil. und derjenige der beweglichen Elektromagnete 40 Kil. Die für den normalen Gang nöthige Kraft beträgt ungefähr 1 Pferdestärke. Die Spannung des Stromes ist derjenigen von zwei gewöhnlichen Bunsen'schen Elementen gleich, die Quantität entspricht 32 Elementen.

Die Reiber der Stromsammler repräsentiren gleichfalls ein neues System; sie bestehen aus einer großen Anzahl von Kupferdrähten, welche durch ein Band zusammengehalten werden, wodurch sie die Gestalt von Pinseln oder flachen Besen erhalten. Dieses System ist eine Erfindung für sich, und auf alle magnet-elektrischen oder elektromagnetischen Maschinen anwendbar. Es gewährt einen sehr weichen und sanften Contact, verhütet die Aufhebung der Continuität in Folge der Schwingungen und |33| beseitigt dadurch die Ursache jener so rasch zerstörenden Funken des Extrastromes.

Bei einer Geschwindigkeit von 275 Umdrehungen bewirkte die Maschine in der Stunde einen Niederschlag von 525 Grammen Silber; bei 300 Umdrehungen einen solchen von 605 Grm., und bei 325 Umdrehungen einen solchen von 675 Grm. Diese letztere Geschwindigkeit war übertrieben; sie erzeugte in den Spiralen eine Erhitzung, welche der Maschine schädlich gewesen wäre, wenn sie längere Zeit angedauert hätte.

Ich lasse hier eine vergleichende Tabelle der Versuche folgen, welche Hr. Christofle mit meiner Maschine und der Maschine des Hrn. Wilde unter Annahme verschiedener Oberflächen der Anoden (positiven Pole) angestellt hat:

Gramme's Maschine.


Datum

Gesammt
Niederschlag

Zeit des
Niederschlages

Fläche der
Anode.
Niederschlag
per
Stunde
Niederschlag
per Stunde
u. per
Quadratmeter

Bemerkungen
Grm. Quadratmeter Grm. Grm.
27. Aug. 5973 7h 50m 5,3550 766 143 300 Umdr. per Min.
28. „ 5905 7 50 5,3550 757 141 Schlechter Niederschlag.
29. „ 5972 7 50 5,3550 766 143 Löcheriger Niederschlag.
30. „ 6117 7 50 5,3550 784 146
6. Sept. 1980 2 50 3,5700 707 198 300 Umdr. per Min.
6. „ 1985 2 45 3,5700 722 202 Guter Niederschlag.
6. „ 2014 2 45 3,5700 732 205
7. „ 1557 2 35 2,6775 603 225 300 Umdr. per Min.
7. „ 1593 2 45 2,6775 581 217 Schlechter Niederschlag.
7. „ 1540 2 40 2,6775 578 216 Körniger Niederschlag.

Wilde's Maschine.


Datum

Gesammt
Niederschlag

Zeit des
Niederschlages

Fläche der
Anode.
Niederschlag
per
Stunde
Niederschlag
per Stunde
u. per
Quadratmeter

Bemerkungen
Grm. Quadratmeter Grm. Grm.
9. Sept. 1481 3h 30m 2,6775 423 158 2400 Umdr. per Min.
9. „ 1144 2 30 2,6775 457 170
10. „ 1481 3 5 2,6775 480 179
10. „ 1689 3 35 2,6775 472 176
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Die Vortheile der achtmal geringeren Geschwindigkeit der ersteren Maschine sind einleuchtend; ich beschränke mich daher auf die Mittheilung, daß nach viermonatlichem Betrieb die Leiter und Reiber noch immer im besten Stande sind, und daß, von der Schmierung der Lager abgesehen, die Unterhaltung der Maschine nicht einen Centime gekostet hat.

Obgleich diese Maschine nicht für Kupferniederschläge angeordnet ist, hat Hr. Christofle doch einige Versuche angestellt, Hochreliefs mit Bleianode zu erzeugen, deren Resultat ich hier nebenbei mittheile:

Kupferniederschlag.


Datum

Niederschlag
per Stunde

Fläche der
unlöslichen Anode.
Niederschlag per
Stunde und per
Quadratmet.
Grm. Quadratmet. Grm.
25. October 142 0,90 158
26. „ 142 0,90 158
28. „ 133 0,90 148
29. „ 125 0,90 139
30. „ 128 0,90 142
5. November 161 1,30 123
6. „ 149 1,30 112

Maschine zur Lichterzeugung. – Ganz anders verhält es sich bekanntlich mit dem Problem der Erzeugung des elektrischen Lichtes; die Spannung der Elektricität muß hier viel bedeutender und die Quantität viel geringer seyn, als für chemische Zersetzungen. So erreicht bei meinem Versuchsapparat die Spannung diejenige von 105 gewöhnlichen Bunsen'schen Elementen, während die Quantität bis auf 5 Elemente reducirt ist. Diese Maschine ist vertical angeordnet; ihre Höhe beträgt 1,25 Met., ihre Basis 0,8 Quadratmeter, bei einem Gewichte von ungefähr 1 Tonne. Da die Spannung nur durch die Länge des auf die Elektromagnete gewickelten Drahtes zu erzielen ist, so habe ich der Raumersparniß wegen drei feste Elektromagnete und drei Spulen oder bewegliche Elektromagnete mit Folgepolen angeordnet. Die eine der Spulen entwickelt den Magnetismus in den festen Elektromagneten, die beiden andern liefern den Strom welcher das Licht erzeugt. Die erste Magnetisirung fand ohne Hülfe der Volta'schen Säule statt: die terrestrische Elektricität ist es, welche diese Aufgabe in dem Momente erfüllte, wo ich Daniell'sche Elemente zu jenem Zwecke vorbereitete.

Der auf die festen Elektromagnete gewickelte Draht wiegt 250 Kil., |35| derjenige der drei Spulen 75 Kil. Als die Achse der Maschine mit 300 Umdrehungen per Minute rotirte, unter einem Aufwande von ungefähr 4 Pferdekräften, erhielt ich ein Lichtgleich dem von 900 Carcel-Brennern, d.h. ein künstliches Licht, intensiver als irgend ein bis jetzt erzeugtes.

Die der nämlichen Geschwindigkeit von 300 Umdrehungen entsprechenden Wärmewirkungen sind höchst interessant. Ich war im Stande, einen 7/10 Millimeter starken Kupferdraht auf eine Länge von 12 Metern und einen 13/10 Millimeter starken Eisendraht auf eine Länge von 5 Metern rothglühend zu machen. Der letztere Draht schmolz bei einer Länge von 2,5 Metern.

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Beschrieben im polytechn. Journal, 1871, Bd. CCII S. 239.

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