Titel: Raffard's Beschreibung eines Pochwerkes für goldhaltige Erze und einer sogenannten Sandpumpe.
Autor: Raffard,
Fundstelle: 1873, Band 207, Nr. XXVII. (S. 110–113)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj207/ar207027

XXVII. Beschreibung eines in Australien gebräuchlichen Pochwerkes zum Zerkleinern der goldhaltigen Erze, und einer sogenannten Sandpumpe; von Raffard.

Nach dem Bulletin de la Société d'Encouragement, December 1872, S. 681.

Mit Abbildungen auf Tab. II.

Pochwerk. – Das von Hrn. Raffard beschriebene Pochwerk hat zwar auch in Europa bereits Anwendung gefunden, da es jedoch nicht sehr verbreitet ist, so dürfte eine kurze Beschreibung desselben in Anbetracht seiner zweckmäßigen Einrichtung mittheilenswerth seyn.

Das gewöhnliche Pochwerk besteht bekanntlich im Wesentlichen aus einem System verticaler Stangen, deren jede an ihrem unteren Ende mit einem Fuß aus hartem Metall und weiter oben mit einer Rolle |111| versehen ist. Ein auf die letztere wirkender Hebedaumen hebt den Pochstempel in die Höhe und läßt ihn wieder fallen.

Da der Fuß des Stampfers unter diesen Bedingungen immer an die nämliche Berührungsstelle zurückfällt, so resultirt hieraus eine rasche Formveränderung, welche in gewöhnlichen Fällen keine besonderen Nachtheile darbietet, aber in diesem speciellen, die Behandlung des Goldes betreffenden Falle erhebliche Verluste nach sich zieht. Wenn man daher dem Pochstempel neben seiner Hebung zugleich eine Drehung ertheilt, so wird dadurch die aufschlagende Fläche geschont, und dieselbe bleibt ziemlich eben. Dieses Resultat wird dadurch erreicht, daß man den viereckigen Stampfer durch einen runden und die verticale Rolle durch eine horizontale, an den Stampfer festgekeilte Scheibe ersetzt. Jede Hebung durch den Daumen ist daher von einer kleinen Drehung des Pochstempels begleitet, ähnlich derjenigen des Bergbohrers, dessen sich der Bergmann beim Bohren seiner Löcher bedient.

Fig. 12 stellt eine Skizze des Pochwerkes in der Frontansicht, Fig. 13 in einem zur Daumenwelle senkrechten Durchschnitte, Fig. 14 im Horizontaldurchschnitte nach der Linie I, II der Fig. 12 dar.

Die Figuren 15, 16 und 17 sind Detailansichten.

A sind die Stößer, F die am Boden des Kastens E unter jedem Stößer angebrachten Unterlagen aus Gußeisen. B ist die Daumenwelle, auf welche die Hebedaumen C festgekeilt sind; G ist ein System von Zahnrädern, durch deren Eingriff sie in Rotation gesetzt wird. An die runden Stampfer sind die horizontalen Scheiben D, auf welche die Hebedaumen wirken, festgekeilt. Der Kasten E dient zur Aufnahme des Wassers und des Erzes; der untere Theil desselben ist aus einem Stück gegossen, der obere Theil besteht aus Eisenblech und ist mit einem hölzernen Deckel versehen. Wenn der Fuß des Pochstempels in Folge der Abnutzung zu leicht geworden ist, so belastet man ihn mit einem Ringe H, Fig. 17.

Sandpumpe. – Weit interessanter als der vorstehend beschriebene Apparat, ist die Sandpumpe. Sie hat die Bestimmung, die Hüttenwerke welche die goldhaltigen Erze behandeln, von dem aus den Pochwerken und der Erzwäsche kommenden überflüssigen Sande zu befreien, indem sie denselben, mit Wasser gemengt, fortschafft und an einer entfernten Stelle ablagert. Man hatte anfänglich verschiedene Vorrichtungen zu diesem Zwecke versucht; denn an die Anwendung von Pumpen war bei dieser groben Arbeit nicht zu denken; auch waren die ersten zu dieser Operation verwendeten Pumpen bald gebrauchsunfähig. Einige |112| Zeit lang nahm man zu Baggermaschinen und Paternosterwerken die Zuflucht, aber die Härte des Quarzsandes machte in sehr kurzer Zeit alle Gelenke unbrauchbar. Da kam man endlich auf den Gedanken, einer verticalen Pumpe mit Bramahkolben eine kleine Hülfspumpe beizugeben, deren Function darin bestand, den Kolben der Hauptpumpe beständig mit reinem Wasser abzuspülen. Wenn es die Umstände gestatteten, ein hinreichend hochgelegenes Reservoir anzulegen, so wurde diese Hülfspumpe durch eine von diesem Reservoir ausgehende Röhrenleitung ersetzt. Es ist nun klar, daß, wenn man durch Vermittelung der kleinen Nebenpumpe, oder unter Benutzung des hydrostatischen Druckes der Röhrenleitung, den Wasserstrahl auf den oberen Theil des großen Bramahkolbens wirken läßt, dadurch jede Berührung des letzteren mit dem unten aufgesaugten sandhaltigen Wasser verhindert wird. Es bleiben also nur die Ventile dem Verderben ausgesetzt, und diese Organe sind weniger empfindlich als der Kolben; sie sind von roher Construction und überdieß leicht zugänglich und leicht zu ersetzen. Sie bestehen nämlich aus ledernen Klappen und ihre Sitze aus Stahlblech.

Am Boden des Steigrohres, durch welches das sandführende Wasser auf beliebige Höhe bis zu seinem Ausguß gehoben wird, ist ein Entleerungsventil angebracht, welches man jedesmal nach Einstellung der Arbeit öffnet, damit der suspendirte Sand sich nicht niederschlagen und im Rohre festsetzen kann.

Figur 18 stellt den Apparat im Verticaldurchschnitt im Maaßstabe von 0,025 auf 1 Meter dar. I ist der 0,80 Met. tiefe Graben, in welchen das Wasser und der Sand gelangen, J der Behälter zur Aufnahme des klaren Wassers mit constantem Niveau; K die zur Hebung des sandhaltigen Wassers aus dem Graben I dienende Pumpe mit Bramahkolben N. Letzterer hat eine Geschwindigkeit von 0,80 Met. per Secunde. Sein Gewicht muß dem halben Gewichte der in das Steigrohr O gedrückten Sandwassersäule gleich seyn. Der Kolben, sowie überhaupt alle anderen Theile der Pumpe, muß aus so hartem Guß bestehen, als er noch die Bearbeitung auf der Drehbank gestattet. C ist die kleine Hülfspumpe, welche das reine Wasser aus dem Reservoir J in die Pumpe K drückt, um die Verstopfung der letzteren durch den Sand zu verhüten. Wenn sich der Behälter J in bedeutender Höhe über dem Graben I anbringen läßt, so kann man den Kolben der kleinen Pumpe weglassen; ein Hahn M genügt alsdann, die Quantität des der Pumpe K direct zugeführten reinen Wassers zu reguliren. Der Durchmesser des in den hölzernen Canal P einmündenden Steigrohres O |113| variirt zwischen 1/2 und 1/5 desjenigen des Kolbens N. Q ist ein Ventil, welches sich mit Hülfe eines belasteten Hebels schließt und dazu dient, nach Einstellung der Arbeit das Steigrohr O zu entleeren, und die Anhäufung und Verdichtung des Sandes in dem letzteren zu verhüten.

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