Titel: Houzeau, über Bestimmung des im Leuchtgase enthaltenen Ammoniaks.
Autor: Houzeau, A.
Fundstelle: 1873, Band 207, Nr. LXXI. (S. 253–254)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj207/ar207071

LXXI. Ueber die Bestimmung des im Leuchtgase enthaltenen Ammoniaks; von A. Houzeau.

Aus den Comptes rendus, t. LXXVI p. 52; Januar 1873.

Ein sehr bequemes und nicht weniger genaues Mittel zur Bestimmung des im Leuchtgase enthaltenen Ammoniaks besteht darin, eine Probe des Gases vor seinem Eintritte in die Gasuhr aufzufangen und dasselbe in 5 Kubikcentimeter titrirter Schwefelsäure zu leiten, welche 0,30625 Grm. SO³, HO enthalten, nämlich eine Säuremenge die 0,10625 Grm. Ammoniak (NH³) zu neutralisiren vermag. Nachdem man die saure Flüssigkeit zunächst mittelst einiger Tropfen einer sehr empfindlichen Lackmuslösung roth gefärbt hat, läßt man Gas zutreten und sperrt den Gasstrom ab, sobald die Flüssigkeit sich blau färbt. Auf diese Weise erfährt man unmittelbar und ohne weitere Manipulationen, daß das Volum von Leuchtgas welches die Säure durchströmt hat, 0,10625 Grm. Ammoniak (NH³) enthält; das Volum des angewendeten Gases wird durch die Gasuhr angezeigt.

Zur Vermeidung eines zu starken Druckes, welchen die titrirte Säure ausüben könnte, wenn man dieselbe in einem Probecylinder von dem Gase durchströmen ließe, ist es vorzuziehen, sie in einen kleinen Kolben mit flachem Boden (von 40 K. C. Inhalt) zu bringen, durch dessen Stopfen zwei rechtwinkelig gebogene Glasröhren gehen. Da auf diese Weise die Höhe der Flüssigkeit geringer ist, so kann der von ihr ausgeübte Druck von dem Gasstrome leichter überwunden werden.

Mehrere Versuche haben mir übrigens gezeigt, daß bei den Druckverhältnissen unter denen sich das Gas gewöhnlich befindet, die Absorption des Ammoniaks durch die Säure stets augenblicklich erfolgt. In der Regel beansprucht die Bestimmung des flüchtigen Alkalis nach dieser Methode nicht mehr als eine halbe Stunde Zeit. Man kann die Probe sogar in fünf Minuten vollenden, wenn man eine schwächere titrirte Schwefelsäure anwendet, z.B. eine solche von welcher 5 K. C. = 0,00612 |254| Grm. SO³, HO, also 0,002125 Grm. NH³ äquivalent sind. Um genaue und übereinstimmende Resultate zu erhalten, muß man die Vorsichtsmaßregel beobachten, die Röhren oder Leitungen welche das Gas zuführen, von der in ihnen enthaltenen Luft zu reinigen, indem man vor der Bestimmung des Ammoniaks etwa 100 Liter des zu prüfenden Leuchtgases verloren gehen läßt.

Aus den nach dieser Methode ausgeführten Analysen ergibt sich, daß in Rouen in den Jahren 1868 und 1869 hundert Liter Leuchtgas bei 15° C. und 760 Millimet. Druck im Durchschnitt 0,1042 Grm. Ammoniak (NH³) enthielten.

Wie mir Hr. F. Leblanc, Chemiker der Stadt Paris, mitgetheilt hat, enthält das Gas der Hauptstadt viel weniger Ammoniak als das Gas von Rouen, nämlich in demselben Volum nur 0,0090 Grm., also eine zwölfmal geringere Menge.

Die Gegenwart von Ammoniak im Leuchtgase, zumal in dem Verhältniß wie in Rouen, ist für die Consumenten mit ziemlich bedeutenden Nachtheilen verbunden, wie dieß auch aus den häufigen Klagen hervorgeht, welche in den letzten Jahren bei den städtischen Behörden in Rouen eingelaufen sind. Der nachtheiligen Einwirkung des Ammoniaks muß es zugeschrieben werden, daß das zum Schmieren der Gashähne etc. verwendete Material so bald verdirbt, daß die bei dieser Beleuchtungsart gebräuchlichen metallenen, namentlich die aus Messing bestehenden Apparate so rasch sich abnutzen und nicht selten sogar durchgefressen werden. So habe ich bei der Analyse gefunden, daß ein fester Absatz, welcher sich an der Verbindungsstelle zweier Gasleitungen gebildet und dieselben fast gänzlich verstopft hatte, in 100 Gewichtstheilen enthielt:

7,6 Ammoniak (NH³),
9,8 Eisen und Zink,
25,0 Kupfer.

Diese Metalle waren gänzlich den verschiedenen metallenen Theilen der Leitungen und Apparate entzogen worden, deren gute Functionirung und Festigkeit hierdurch beeinträchtigt werden mußte. Es wäre daher zu wünschen, daß das Leuchtgas von seinem Ammoniakgehalte vollständig befreit würde.

Um sich übrigens zu überzeugen, ob das Leuchtgas von freiem oder kohlensaurem Ammoniak rein ist, braucht man nur über einen geöffneten Gasbrenner zehn bis zwanzig Minuten lang einen Streifen von deutlich weinroth gefärbtem, mit reinem Wasser schwach angefeuchtetem Lackmuspapier aufzuhängen. Wenn das Gas auch nur eine ganz geringe Menge Ammoniak enthält, so wird es das geröthete Lackmuspapier blau färben.

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