Titel: Lawson's Kettenstrecken für Seilgarn-Spinnereien.
Autor: Lawson, Samuel
Zeman, Johann
Fundstelle: 1873, Band 207, Nr. LXXVI. (S. 285–288)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj207/ar207076

LXXVI. Neue Vorbereitungsstrecken (Kettenstrecken) für Seilgarn-Spinnmaschinen, von Sam. Lawson und Söhne in Leeds; mitgetheilt vom Docenten Johann Zeman.

Mit Abbildungen auf Tab. V.

Im vergangenen Jahre haben die renommirten Constructeure von Flachs-, Werg-, Hanf- und Jutespinnereimaschinen, Sam. Lawson und Söhne in Leeds ein neues System von Strecken für Verarbeitung von Flachs, Hanf, Jute u. dergl. zu Seilgarnen eingeführt,52) welches sich rasch in den bedeutendsten Seilfabriken Englands Eingang verschafft hat und nach Erachten des Referenten nicht nur für mechanische Seilereien, sondern auch für Spinnereien von starken Fadennummern von Bedeutung ist.

Bei den vorliegenden Vorbereitungsmaschinen, an welche sich unmittelbar die Spinnmaschine anschließt, finden sich zwei nach einander folgende Sätze von Hechelstäben, von welchen der zweite Satz mit bedeutend größerer Geschwindigkeit sich vorwärtsbewegt und dabei das von den ersten Hecheln zugebrachte Band auskämmt, verzieht und zu den Abzugswalzen weiterführt.53)

Die erste Maschine dieses Systemes ist eine Band- oder Anlegemaschine, auf welcher das in üblicher Weise zubereitete Spinnmaterial in einzelnen Partien aufgegeben und in ein endloses Band umgewandelt wird. Mehrere dieser Bänder gehen sodann zur zweiten, ganz ähnlich gebauten Maschine (Grobstrecke); das Streckband doublirt kann erforderlichen Falles noch eine dritte solche Maschine (Feinstrecke) passiren, um zum Schluß auf der Spinnmaschine in einen dicken Faden verwandelt zu werden.

Um die Einrichtung der neuen Maschinen annähernd kennen zu lernen, genügt es die Bandmaschine, die sogen. Patentmaschine Nr. 1, näher in's Auge zu fassen, da die Maschinen Nr. 2 und 3, abgesehen von Dimensionen und Stärke der Hechelnadeln und der abweichenden Anordnung der Abzugswalzen, die gleiche Einrichtung wie Nr. 1 haben.

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Fig. 25 zeigt einen Längenschnitt durch die Bandmaschine, und Figur 26 und 27 versinnlichen die nähere Einrichtung der Kette zur Bewegung der Hechelstäbe.

Das Material, welches auf das Zuführbret oder endlose Speisetuch A in einzelnen, gehörig über einander greifenden Risten vom Ballen weg aufgelegt wird, kommt durch die Einziehwalzen B zur langsam fortschreitenden Hechelkette C, in deren Nadeln die Fasern durch die Stäbe der rotirenden Trommel D gehörig eingelegt werden.

Von den Hecheln C wird das Band durch die zweite, mit bedeutend (12 bis 18mal) größerer Geschwindigkeit sich bewegende Hechelkette E abgenommen, wobei die Fasern ausgestreckt, parallel gelegt und nach Maaßgabe des Voreilens der zweiten Hechelstäbe ausgezogen werden. Die Ableitung des endlosen Bandes geschieht durch die Abzugswalzen F und H, zwischen welchen der Trichter G eingeschaltet ist.

Aus der Abbildung ist von vorn herein zu entnehmen, daß bei dem besprochenen Maschinensysteme statt der Schraubenführung für die Hechelstäbe, welche bei der Verarbeitung von gröberem Material einige Nachtheile besitzt, wieder die Kettenführung, allerdings in einer so verbesserten Anordnung und Ausführung eingeführt wurde, daß an deren dauernden Beibehaltung für diese Art von Maschinen nicht zu zweifeln ist.

Längs beider Seiten der Maschine sind die Gelenkketten C bezieh. E angebracht, durch welche die Hechelstäbe a (Figur 26 und 27) mitgenommen werden. Die Endzapfen dieser Stäbe stecken in den Augen der Glieder b und c, doch in solcher Weise, daß auf die Stäbe a kein nachtheiliger Zug sich äußern kann. Zu diesem Behufe greifen die einzelnen Kettenglieder mittelst angegossener Büchsen in einander ein, wie dieß in Figur 27 wohl deutlich genug dargestellt ist, und pflanzt sich dergestalt der Zug direct von einem Kettengliede zum nächsten weiter, ohne hierbei die lose in dem Auge der Kettenglieder b steckenden Hechelstäbe zu beanspruchen.

Da nun die Hechelnadeln nahezu senkrecht in die Fasern eintreten und aus denselben ebenso austreten sollen, so sind an beiden Enden der Stäbe a neben den Ketten kleine Arme d befestigt, an welchen die Zapfen e und i zu bemerken sind.

Dort wo die Hechelstäbe nach aufwärts in die obere Reihe steigen, findet sich eine entsprechend gekrümmte Führungsschiene I, gegen welche die Zapfen e sich anlegen und dadurch die Arme d bezieh. die Hechelnadeln in die erforderliche Stellung bringen. Analog ist durch Anbringung der Führungsleisten K am anderen Ende der Hechelkette Vorsorge |287| getroffen, daß die Hechelstäbe nicht sofort umschlagen und die Fasern verwirren. Gegen diese Führungsschienen K legen sich die Arme d mit den Zapfen i an. Zwischen I und K liegt zur Sicherung der senkrechten Stellung der Hechelnadeln die gerade Führungsschiene L, auf welcher die Zapfen d hingleiten, wenn nicht nebenbei auch das Mittel gewählt wurde, daß die Arme d mit einem Schlitz in die Führungsleiste der Schiene L eingreifen, wie dieß in Figur 27 im Schnitt angedeutet wurde.

Da die zweite Hechelkette E sich mit großer Geschwindigkeit bewegt, so wird zur Entlastung derselben und um ein Umschlagen der Hechelstäbe zu verhüten, ein Theil der unteren Hälfte durch die links und rechts am Maschinengestell angebrachte Bahn M getragen.

Was den Antrieb der Maschine anlangt, so sitzt an der Achse der unteren Abzugswalze F die Treibscheibe und werden von dieser Achse aus durch kleine Riemenscheiben die vorderen Abzugswalzen H, durch Zahnräder aber die Kettenscheiben N₁ in Bewegung gesetzt. Die Bewegung wird durch die Ketten E auf die Scheiben N₂ und von der Achse derselben durch Zahnräder und Wechsel auf die Kettenscheiben N₃ bezieh. auf die Ketten C übertragen. Von der Achse der hintersten Kettenräder N₄ werden die Einzugswalzen B durch Zahnräder angetrieben. Die Einlegetrommeln D werden durch die Hechelzähne einfach mitgenommen.

Es ist einleuchtend, daß die Ausführung der Hechelketten mit Sorgfalt erfolgen muß. Die genannte Firma hat auch hierzu eigene Maschinchen aufgestellt, welche die Kettenglieder, die Arme etc. rasch, billig und sehr exact herrichten, wie überhaupt die Maschinen von S. Lawson und Söhne durch ihre solide Herstellung bekannt sind.

Einen Satz der besprochenen Maschinen fand Referent in der mechanischen Seilerei der HHrn. Jackson, Ronald und Coltart in Liverpool, und war man dort von der Wirkungsweise und Leistungsfähigkeit derselben so befriedigt, daß sämmtliche Schraubenstrecken durch die neuen Kettenstrecken ersetzt werden.

Preis, Leistungsfähigkeit und Raumerforderniß betreffend, seyen nachstehende Daten (in englischen Einheiten) mitgetheilt.

Zur Verarbeitung von 40 Centner Material in 10 Arbeitsstunden waren im Gange:

eine Bandmaschine (Patentmaschine Nr. 1);

eine Strecke (Patentmaschine Nr. 2);

neun Spinnmaschinen per 6 Spindeln, also 54 Spindeln, im Gesammtpreis von 2990 Pfund Sterling.

In einem anderen Falle wurden pro Tag 80 Centner Material verarbeitet und zwar mit:

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einer Bandmaschine ( Patentmaschine Nr. 1);
zwei Grobstrecken ( dto. Nr. 2);
zwei Feinstrecken ( dto. Nr. 3);

achtzehn Spinnmaschinen per 6 Spindeln, also 108 Spindeln.

Der Preis dieses Maschinensatzes beträgt 5630 Pfund Sterling.

Die Bandmaschine (Nr. 1) ist 19 Fuß 8 Zoll lang und 6 Fuß 9 Zoll breit; die Strecke (Nr. 2 oder 3) ist 21 Fuß 3 Zoll lang und 6 Fuß breit.

Die Spinnmaschine per 6 Spindeln nimmt etwa 6 Fuß im Gevierte ein.

Der mittlere Verzug auf den Maschinen beträgt 16 bei Nr. 1, 21 bei Nr. 2 und 3, und auf den Spinnmaschinen 10 bis 18.

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Diese Vorbereitungsmaschinen für Flachs, Hanf, Jute und dergl. sind dem Amerikaner John Good in Brooklyn (New-York) im Jahre 1871 unter Nr. 2211 in England patentirt worden und dieses Patent wurde von der Firma S. Lawson und Söhne in Leeds erworben.

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Zwei Hechel- oder Kammsätze hintereinander mit Voreilung des zweiten Kammsatzes finden wir schon in Clough's doppeltwirkender Vorbereitungsstrecke für lange Wollen, welche im polytechn. Journal, 1871, Bd. CCI S. 197 beschrieben wurde.

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