Titel: Penn's Shapingmaschine für Steuerungscoulissen.
Autor: Zeman, Johann
Fundstelle: 1873, Band 207, Nr. CI. (S. 363–365)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj207/ar207101

CI. Penn's Shapingmaschine für Steuerungscoulissen; beschrieben von Joh. Zeman.

Mit Abbildungen auf Tab. VIII.

In der renommirten Schiffsmaschinenfabrik von Penn Söhne und Comp. in Greenwich bei London bemerkte ich eine recht interessante Vorrichtung zum Ausarbeiten von Coulissen für Dampfmaschinen mit Coulissensteuerung, zu deren Erklärung ich mich auf Fig. 5 und 6 beziehe, welche mit Hinweglassung bekannter Theile die vordere Ansicht und den theilweisen Längenschnitt nach I, II (dabei den Meißel in dieser Ebene liegend gedacht) andeuten. Die zu bearbeitende Coulisse C ist an der Vorderseite einer eigens für den angegebenen Zweck gebauten Shapingmaschine in einem festen Support eingespannt, welcher in den Abbildungen |364| ganz weggelassen wurde. Der Meißel a erhält sowohl die hin- und hergehende, in Figur 6 durch einen Doppelpfeil angedeutete Schnittbewegung wie bei allen Maschinen dieser Art, als auch durch die ruckweise Verschiebung des Werkzeugschlittens B auf dem Gestelle A mittelst Schraube E und Schaltmechanismus die successive Fortrückung rechtwinkelig gegen die Schnittrichtung.

Damit bei der Schaltbewegung aber der Meißel a nicht in gerader Linie, sondern nach dem Kreisbogen der Coulisse weiter rückt, erhält derselbe eine besondere Führung in der viereckigen Oeffnung am oberen Ende des Armes b, welcher in c, dem Mittelpunkte des Coulissenkreises, seine Drehachse hat. Da der Meißel mit dem Halter D sowohl in verticaler Richtung verschiebbar, als auch um seine Achse drehbar angeordnet ist, so wird bei der seitlichen geradlinigen, durch die Schraube E erzielten Fortrückung des Werkzeugschlittens B, der Führungsarm b durch den Meißel jedesmal mitgenommen, dieser daher stets im unveränderten Abstand vom Coulissenmittelpunkt verbleiben. Selbstverständlich besitzt der Meißel eine solche Länge und ist derart im Halter eingesetzt, daß er ohne Behinderung während seines ganzen Ausschlages im Führungsauge b liegt.

Für Coulissen von verschiedenem Krümmungsradius ist die Stellung des Gleitstückes, in welchem der Drehbolzen c des Armes a eingelassen ist, sowie die Armlänge mittelst der Doppelmutter d zu reguliren.

Nach erfolgtem richtigen Einspannen der Coulisse und genauer Einstellung des Meißels mit der Schneide nach aufwärts oder abwärts, werden die beiden Gleitflächen der Coulisse ohne weiteres Zuthun des Arbeiters abgehobelt, ebenso einfach wie auf gewöhnlichen Shapingmaschinen ebene Flächen abgerichtet werden.

Beiläufig kann ich hier anfügen, daß man die Steuerungscoulissen auch auf gewöhnlichen Stoßmaschinen und Hobelmaschinen in der Weise ausarbeitet, daß der Coulisse von der Maschine aus die zur genauen Vollendung der Führungsflächen erforderliche Bewegung im Kreisbogen unter dem in üblicher Weise wirkenden Meißel ertheilt wird.

Bei der Stoßmaschine bringt man auf dem unbeweglich bleibenden Arbeitssupport einen von dem Schaltmechanismus aus ruckweise bewegten Tisch zum Einspannen der Coulisse an, welcher außerhalb der Stoßmaschine einen besonderen Bock zur Unterstützung der Drehachse erfordert. Der Drehpunkt des Tisches kann selbstverständlich je nach dem Krümmungsradius der Coulisse verstellt werden. Auf diese Art werden ähnlich wie bei der oben abgehandelten Shapingmaschine die Coulissenflächen |365| durch senkrecht neben einander geführte Schnitte mit dem Meißel abgestoßen.

Bei der Hobelmaschine hingegen nimmt der Stahl Späne längs den Führungsflächen der Coulisse, indem dieselbe zu diesem Behufe auf einem Drehtisch befestigt ist, welcher von dem Schlitten der Hobelmaschine hin- und hergenommen wird, und hierdurch eine Drehung mit dem auf demselben befestigten Arbeitsstück um die außerhalb der Hobelmaschine angebrachte Drehachse verrichtet. Der Meißel, unter welchem also die Coulisse im Bogen hin- und hergeht, muß nur selbstthätig senkrecht nachgerückt werden, um die Coulissenflächen auf die ganze Tiefe abzuhobeln.

In beiden soeben betrachteten Fällen sind die Maschinen nicht von vornherein für die Bearbeitung der Steuerungscoulissen construirt; aber im Bedarfsfalle ist die angedeutete Adaptirung der Stoßmaschine oder der Hobelmaschine ein annehmbares, weil billiges Auskunftsmittel. Technische Blätter, 1872, viertes Heft S. 256.)

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Tafeln


Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: