Titel: Kühl, über Verhinderung der Selbstentzündung bei Mahlmühlen.
Autor: Kühl, A.
Fundstelle: 1873, Band 207, Nr. CIV. (S. 367–378)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj207/ar207104

CIV. Ueber Selbstentzündung resp. deren Verhinderung bei Mahlmühlen; von A. Kühl, Mühlenbaumeister zu Halle a. S.

Mit einer Abbildung auf Tab. VIII.

Daß Mahlmühlen beim Betriebe sich unter Umständen selbst entzünden, möchte wohl nicht mehr in Frage zu ziehen seyn; da aber die Ursachen und Umstände, unter welchen diese Selbstentzündungen stattfinden, noch nicht hinreichend aufgeklärt sind, so sollen dieselben in Folgendem einer näheren Erörterung unterzogen werden.

Eine Selbstentzündung der Mahlmühlen, mögen dieselben durch Wasser, Dampf oder Wind getrieben werden, kann zunächst durch den Transmissions-Mechanismus veranlaßt werden.

So kann beispielsweise derselbe sehr weitläufig und schon deßhalb |368| die Aufsicht über denselben sehr getheilt seyn; es können Wellen von beträchtlichem Gewichte sehr schnell rotiren und dabei eine unsolide Lagerung haben; es können Wellen durch mittlere Lager sogar einer krummen Lage folgen müssen; auch kann die Wirkung auf ein Lager so beträchtlich seyn, daß dasselbe auch bei großer Solidität und beim vorsichtigsten Schmieren kaum kühl zu erhalten ist. So sind noch andere Fälle denkbar.

Bei Wassermühlen ist noch insbesondere zu erwähnen, daß die Wasserräder in Winterszeiten bisweilen vor Frost entweder gar nicht, oder zu wenig geschützt sind. In solchen Fällen werden die Wasserräder und somit auch die Zapfen ihrer Wellen, welche in der Regel an und für sich eine große Last zu tragen haben, bei Eisbildung noch so überlastet, daß die dadurch bedeutend vermehrte Reibung gefährlich werden kann.

Ebenso können Reinigungsmaschinen feuergefährlich werden, insbesondere solche die bei 600–900 Umgängen in der Minute eine Geschwindigkeit von 4500–6750 Fuß und darüber haben.

Weniger jetzt, wohl aber ungefähr vor 20 Jahren konnte man sich eine, im Allgemeinen gut eingerichtete Mühle nicht gut anders denken, als mit einer Reinigungsmaschine, bei welcher die reibenden Flächen von aufgehauenem oder hohlkehlförmigem Blech waren. Die reibenden Körper wurden dabei sowohl mit stehender, als auch bisweilen mit liegenden Achsen construirt; auch war die Form derselben verschieden, als schläger- oder schneckenartig, cylindrisch oder conisch. Bei jeder Achsenrichtung und bei jeder Form wurden diese Flächen in kurzer Zeit aber so glatt, wie polirt, ihre Leistungen wurden dann nur merkbar bei sehr großen Geschwindigkeiten; dabei war ihre Erhaltung kostspielig. Diese unangenehmen Eigenschaften, von welchen namentlich die große Geschwindigkeit vom Verfasser immer als sehr gefährlich angesehen wurde, veranlaßten denselben ein geeigneteres Material für die reibenden Flächen in Anwendung zu bringen.

Bekanntlich zerfällt der Reinigungsproceß in Reibung, Sichtung und Ventilation. Der bei der Reibung stattfindende Vorgang muß hier insbesondere in Erwägung gezogen werden. In gewisser Hinsicht läßt sich die reibende Fläche mit einer Feile vergleichen. Wenn mit einer scharfen Feile über einen Gegenstand 1 Fuß lang gestrichen wird und dieser Strich wird in einer Minute dreißig Mal wiederholt, so macht jene in der Minute einen Weg oder hat in dieser Zeit eine Geschwindigkeit von 30 Fuß. Wird dagegen eine stumpfere Feile gedacht, welche von diesem Gegenstande in einer Minute ebensoviel wegreiben oder wegfeilen soll, dieß aber wegen ihres stumpferen Zustandes trotz des gleichen |369| Kraftaufwandes erst bei 60 solchen Strichen leisten kann, so wird die dabei zu verwendende Arbeit wegen des doppelt so großen Weges auf das Doppelte gesteigert werden müssen.

Aehnlich faßte der Verfasser die Wirkung der reibenden Flächen bei Reinigungsmaschinen auf, selbst in dem Falle wo von den reibenden Flächen die Getreidekörner auf einander bewegt werden, wie bei Graupenmühlen. Wie vorauszusehen war, wurde diese Vermuthung durch die Erfahrung vollständig bestätigt, indem Reinigungsmaschinen bei einem hohen Grad von Glätte ihrer reibenden Flächen im Gegensatz zu Reinigungsmaschinen mit best möglicher Rauheit jener Flächen, bei kaum gleicher Leistung die fast vierfache Geschwindigkeit erforderten. Zu einer solchen Vergleichung beider Reinigungsmaschinen mit einander kann auf jeder derselben von einem und demselben Getreide eine gleiche Menge gereinigt und darauf jede Menge für sich auf einem oder mehreren Mahlgängen, und zwar bei jedem Quantum möglichst gleiche Schärfe, gleiche Kraft, gleiche Steingeschwindigkeit angewendet, also jede Menge in gleicher Zeit fertig gemahlen werden. Dabei wird sich das Mehl fast noch weißer zeigen von derjenigen Getreidemenge, welche auf der Reinigungsmaschine mit der kleineren Geschwindigkeit aber rauheren Flächen gereinigt worden ist, dem Mehle gegenüber von derjenigen Getreidemenge, welche zwar mit größerer Geschwindigkeit aber mit glatten Flächen gereinigt worden ist.

Als das geeignetste Material zu diesen reibenden Körpern bewährte sich der Quadersandstein mit gleichmäßigem, feinem und dabei scharfem Korn. Ein Stein von solcher Beschaffenheit braucht nicht geschärft zu werden, der Schleifproceß der Körner erhält sich stets gleichmäßig, die Körner bleiben glatt und werden bei fachgemäßer Construction nicht zerrissen, wie dieß bei den alten Spitzgängen vielfach der Fall ist; dabei erfordern sie bei gleichen reibenden Flächen und gleichen Leistungen, wie bereits angegeben, etwa den vierten Theil der Geschwindigkeit, mithin weit weniger Kraft. Hauptsächlich aber vermindert sich dadurch zugleich der Grad der Feuergefährlichkeit, und zwar nicht bloß bei den Reinigungsmaschinen, sondern auch bei der Transmission, von welcher die Bewegung auf dieselben übergeführt wird.

Es ist weiter anzuführen, daß die Reinigungsmaschinen nicht immer einen guten Zugang haben, auch der Ablagerung von Staub und Hülsen sehr ausgesetzt sind. Die bequeme Zugänglichkeit, sowie die Reinhaltung derselben, sollte niemals unberücksichtigt bleiben. Denn ist erstere beschwerlich, dann möchte das Schmieren in der nothwendigen Weise vollends nicht immer vorgenommen werden, d.h. oftmals unterbleiben. Fliegt |370| der vom Getreide abgeriebene Schmutz noch im ganzen Raume des Verschlages herum, kommen Hülsen und Staub an die Lager und werden von denselben diese Hülsen, dieser Staub und ebenso die dick gewordene Schmiere nicht rechtzeitig beseitigt, dann dürfte auch dadurch eine Begünstigung der Entzündung und deren Verbreitung nicht ganz außer Betracht zu lassen seyn. Wegen diesem Staub und diesen Hülsen erscheint es auch nicht räthlich, besonders während des Ganges der Reinigungsmaschine, sich solchem Raume mit offenem Lichte zu nähern.

Auch wird es verwerflich gehalten, wenn der Ventilator die schmutzige Luft aus dem verschlagenen Räume entnimmt und diese gegen das Getreide schleudert. Wie in schmutzigem Wasser Wäsche nicht weiß und rein zu erhalten ist, so ist es auch mit dem Reinigen des Getreides in schmutziger Luft. Auch liegt es sehr nahe, daß das Sichten dem Ventiliren voranzugehen hat; es ist nicht selten das Umgekehrte der Fall. Uebrigens ist bei sonst entsprechender Räumlichkeit ein solcher Verschlag überflüssig.

Ist in den vorgedachten Fällen noch die Aufsicht unzureichend, fehlt letztere etwa in der Nacht ganz oder auf längere Zeit, wird also, wie bereits in ähnlichem Sinne gesagt, auch nicht rechtzeitig geschmiert, befinden sich noch nahe genug an den durch Reibung bis zum Glühen erhitzten Metalltheilen entzündbare Körper, dann möchte wohl eine Selbstentzündung um so leichter möglich seyn. Immerhin ist anzunehmen, daß derartige Selbstentzündungen, weil sie meist noch rechtzeitig unterdrückt werden, nur den kleineren Theil der Mühlbrände veranlassen; zum größten Theil dürften dieselben ihren Grund in den Mahlgängen selbst haben.

Jeder in der Müllerei erfahrene Techniker wird den Feuer- oder Funkenstrom kennen, welchen die Steinmahlflächen bei ihrem Contact erzeugen, wie dieß in der Regel dann stattfindet, wenn die Mahlfläche des Laufersteines mit der des Bodensteines nicht parallel läuft.

In solchen Fällen sucht der Müller gedachten Parallelismus zu erzwingen durch Zusammenpressen der Mühlsteine, indem er die Mahlflächen an der Stelle wo sie am weitesten auseinandergehen, zu nähern sucht, um den Theil des auch hier hindurchgehenden Mahlgutes fein genug zu erhalten, unbekümmert darum, daß das Mahlgut, welches durch den zusammengepreßten und gewaltsam auf einander reibenden Theil der Steinflächen hindurch muß, je nach dem Grade der Pressung und der Rotationsgeschwindigkeit mit seiner Schale zu fein pulverisirt, ja durch die in Folge der Reibung und des Funkenstromes erzeugte Hitze geröstet und möglichen Falles sogar zu leicht entzündbaren Stoffen zersetzt wird.

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Ebenso ist nicht unerwähnt zu lassen, daß durch einen andauernden Funken- oder Feuerstrom sowohl die Mehlbahn und das Steingehäuse, als auch der Mehlstaub welcher sich zwischen den Steinen und dem Steingehäuse sowie in den damit communicirenden Räumen schwebend befindet, der Gefahr einer Entzündung ausgesetzt ist, sogar bei einem Luftstrome, wie in einem Exhaustorcanal, und daß noch andere Umstände mit der Entzündung des Mehlstaubes zugleich eine Verpuffung desselben veranlassen können, welche dann zur Verbreitung des Feuers beiträgt. (Andere behaupten, daß vorher eine heftige Explosion stattfindet und erst diese die Inbrandsetzung der Mühle bewirke. Wie man aber zu einer solchen Behauptung komme, darüber sind die Angaben nicht für klar gelegt zu halten, auch dürfte dieß in Zukunft nur Behauptung bleiben und niemals erwiesen werden. Zu einer heftigen Explosion ist nämlich der Mehlstaub in einem Exhaustorcanal zu geringfügig, d.h. so bedeutungslos daß dieser Canal mit dem fraglichen Mehlstaub, selbst bei vielen Mahlgängen, oft in's Freie geführt wird; bei einem Mahlgange aber, welcher leer läuft, fehlt bis zur Einmündung der übrigen Mahlgänge in dem Exhaustor dieser Mehlstaub ganz, dagegen können die dem Funkenstrom zunächst ausgesetzten Theile, wie Mehlbahn und Steingehäuse, von demselben entzündet werden, und daß dieß bisweilen geschieht, dürfte jeder in der Müllerei Erfahrene bestätigen können.) Auch wird in diesen Räumen der Mehlstaub zum Theil von dem im Getreide mechanisch fixirt gewesenen, beim Mahlproceß in Dampf verwandelten und an den Wänden wieder condensirten Wasser in Kleister umgewandelt, welcher in Folge seines reichlichen Fermentgehaltes leicht in Gährung übergeht, wobei sich unter günstigen Umständen durch den Geruch deutlich wahrnehmbare Alkoholdämpfe bilden, welche sich in der Dunstkammer des Exhaustors, oder wenn Sichtapparate mit den Mahlgängen unmittelbar verbunden sind, in den Kisten derselben ansammeln und vom Funkenstrom möglicher Weise entzündet werden oder doch zur Verbreitung der Entzündung beitragen können. Nenn das bekannte Ausbrennen der Gaze an den Cylindern, wie an den Beuteln, in der Regel der unmittelbaren Einwirkung des Funkenstromes auf die an sich leicht entzündliche Gaze zuzuschreiben ist, so möchte dasselbe doch theilweise auch durch die eben angeführten Umstände veranlaßt werden. Daher werden sowohl Mahlgänge welche mit den Sichtapparaten durch ein sehr kurzes Rohr verbunden sind, als auch solche mit Exhaustoren, wenn letztere in Dunstkammern münden, in welchen sich Mehlstaub und Alkoholdämpfe ansammeln können, vom Verfasser dann für feuergefährlich gehalten. Durch die Luftverdünnung mittelst der Exhaustoren wird |372| zwar dem Mahlgute Wasser entzogen; da sich letzteres aber zum Theil an den Wänden wieder condensirt, so wird andererseits hierdurch auch die Kleisterbildung befördert; wogegen die bekannte Vorrichtung, durch einen Ventilator die Luft in dem Laufersteinloche zu verdichten und dadurch dieselbe in vermehrtem Grade zwischen die Mahlflächen zu führen, um letztere abzukühlen, die Kleisterbildung fast gänzlich aufhebt. Dabei läßt sich die Verstäubung bei folgenden Einrichtungen bedeutungslos machen, und zwar zunächst bei Mahlgängen von nicht über mittelmäßiger Wirkung (bei Mahlgängen von schwacher Wirkung sind solche besondere Einrichtungen nicht nothwendig), wenn der Spielraum zwischen den Steinen und dem Steingehäuse, ebenso die Höhe des letzteren etwas über das gewöhnliche Maaß vermehrt werden; ferner bei Mahlgängen von über mittelmäßiger Wirkung, wenn der Deckel des Steingehäuses aus solchem Material gewählt ist, daß durch denselben nur die Luft hinreichenden Ausgang findet, der Mehlstaub aber zurückgehalten wird; endlich wird die Verstäubung bedeutungslos, auch außerdem die mit Wasser geschwängerte Luft beseitigt, selbst bei Mahlgängen von sehr kräftiger Wirkung, oder bei einer im Verhältniß zu den Räumlichkeiten zu großen Anzahl von Mahlgängen, wenn das Steingehäuse noch mit einem zweiten Deckel versehen wird, so daß die Luft aus den Steinen zwischen die Deckel treten und durch ein mit diesem Raume des Steingehäuses communicirendes und mit Regulirung versehenes Rohr, welches mit einem, in der Regel am Dache in's Freie mündenden Hauptrohre verbunden ist, ihren Ausweg finden kann. Um durch diese Luftabführung möglichst wenig Anlaß zu geben einerseits zur Kleisterbildung, andererseits zur Verfilzung des Mehlstaubes am unteren Deckel des Steingehäuses, ist sie bisweilen zu mäßigen, und zwar dient dazu die gedachte Regulirungsvorrichtung am Rohre.

Wenn schon bei einer noch als mäßig anzusehenden Kraftübertragung, wie weiter oben gezeigt worden ist, durch Erzwingung des Parallelismus der Mahlfläche der Feuerstrom eines Mahlganges gefährlich werden kann, so ist dieß noch in höherem Grade der Fall, wenn ein Motor eine verhältnißmäßig große Kraft überträgt, also eine große Anzahl Mahlgänge treibt, so daß durch vermehrtes Zusammenpressen der Steine eines Ganges eine Abnahme der Geschwindigkeit des Werkes noch gar nicht merkbar wird; oder auch, wenn etwa durch Mangel an Wachsamkeit, überhaupt an richtiger Bedienung von Seite der Müller, ein Werk einer großen Geschwindigkeit ausgesetzt wird, wie dieß beispielsweise in Wassermühlen mit hohem Gefälle beim Leerlaufen der Steine leicht stattfinden kann.

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Wenn nach dem Vorhergehenden die hauptsächlichste Veranlassung der Selbstentzündung der Feuerstrom ist, welcher in der Regel durch Störung des Parallelismus der Mahlflächen erzeugt wird, so kommt es vor Allem darauf an, die Ursachen dieser Störung anzugeben.

Schon im Jahre 1854 hat der Verfasser in einem Gutachten für die Generaldirection der Land-Feuer-Societät des Herzogthums Sachsen unter Anderem dieselben in Folgendem festgestellt. Die Ursachen der Störung des Parallelismus der Mahlflächen können seyn:

1) zu kurze Steinspindeln (sogenannte Mühleisen);

2) Steinstellzeuge, welche die Steinspindel außer in der Verticalrichtung zugleich seitwärts bewegen;

3) die Balancirhauen, namentlich in dem Falle wo die Schwungebene des Laufersteines, d.h. diejenige in welcher die Centrifugalkraft vereint gedacht werden kann, mit der Mahlfläche nicht parallel fällt.

1. Zu kurze Steinspindeln (sogenannte Mühleisen).

Die Bestimmung der Länge der Steinspindeln dürfte vielfach wohl nur nach Gutdünken erfolgen; eine Regel darüber ist, soviel ich weiß, selbst in neuerer Zeit nicht gegeben. Dem denkenden Constructeur wird es aber nicht entgehen, daß diese Längenbestimmung nicht gleichgültig ist, daß sie zunächst abhängig ist von dem Durchmesser der Steine. Ist die Steinspindel im Verhältniß zu dem Mühlsteindurchmesser zu kurz, so werden Spur und Hals sehr angegriffen und beide erhitzen sich leicht. Indem sich nun der Hals in der Buchse Spielraum verschafft, resp. losbrennt, welcher Spielraum auch bei der Spur nicht selten eintritt, wird dem Lauferstein Seitenbewegung gestattet; gleichzeitig resultirt aus dieser Bewegung eine zweite in senkrechter Richtung gegen den Bodenstein; dadurch nimmt der Lauferstein einen unruhigen stoßenden Gang an, und die Folge hiervon ist der gefährliche Feuerstrom, welcher bei mangelhafter Zuführung des Mahlgutes oder bei gänzlichem Leerlaufen der Steine sehr intensiv seyn kann. Es möchte kaum einer weiteren Ausführung bedürfen, daß der Druck der Spindel gegen die Buchse und gegen die Spur abnimmt wie die Länge der Steinspindel zunimmt, und daß ebenso diese Bewegung gegen den Bodenstein abnimmt wie die Spindellänge zunimmt. In dieser Hinsicht wären die Steinspindeln um so vortheilhafter, je länger sie sind. Allein oft bereits gegebene Räumlichkeiten und andere zu berücksichtigende Verhältnisse bedingen eine Beschränkung jener Länge. Erfahrungsmäßig sollte die Länge der Steinspindeln bei einer Umfangsgeschwindigkeit der Steine von 24 bis 33 Fuß in einer Secunde |374| und darüber, nicht unter 5/4 vom Kreisdurchmesser des Steines seyn, wenn die Steinhöhe nicht über 1 Fuß beträgt; beträgt dieselbe aber mehr, dann ist es zweckmäßiger, wenn zu dieser Länge nicht unter 5/4 des Productes aus der Lauferhöhe in den Steindurchmesser genommen wird; um aber für alle Fälle diese Länge einfach und zweckmäßig zu bestimmen, dürfte der Kreisdurchmesser der Steine nicht unter 1 1/2 mal zu dieser Länge zu nehmen seyn.

2. Die Steinstellzeuge.

Außer den zu kurzen Steinspindeln finden sich bisweilen bei Mahlgängen Steinstellzeuge, durch welche der Spindelfuß beim Heben und Senken außer der verticalen Richtung zugleich seitwärts bewegt wird. Dadurch erhält der Laufer gleichfalls eine schiefe Lage gegen die Mahlfläche des Bodens, so daß der Parallelismus der Mahlflächen um so mehr gestört wird, je kürzer die Steinspindel ist, je weniger der Horizontalabstand des Spindelfußes vom Drehpunkte des Steges beträgt und je höher der Spindelfuß über diesem Drehpunkte steht, wie dieß aus Fig. 11 auch für den in das Mühlwesen nicht Eingeweihten ersichtlich seyn möchte.

In dieser Figur bezeichnen die ausgezogenen Linien die normale Lage aller Theile bei parallelen Mahlflächen, dagegen die punktirten Linien die abnorme Lage, wo durch Hebung des Steges die Spindeln in eine schräge Richtung und die Mahlfläche des Laufersteines aus dem Parallelismus gebracht ist. Diese Störung tritt gleichfalls ein, wenn auch in abnehmendem Grade, sobald der Steg bei h gesenkt wird. Hierbei ist der gleichzeitigen Veränderung der Lage des Zapfens zur Spur noch gar nicht gedacht, welche auf die bisweilige Erhitzung beider bis zum Glühen nicht ohne Einfluß seyn möchte.

3. Die Balancirhauen.

Der Balancirhaue wird noch von Vielen die Eigenschaft zugeschrieben, daß der Lauferstein mit seiner Mahlfläche die parallele Lage zum Bodenstein mit Leichtigkeit annehmen könne, ohne daß die Spindelachse mit der Mahlfläche des Bodensteines genau rechtwinkelig falle. Diese Ansicht ist nicht zutreffend, wie die Beobachtung und die wissenschaftliche Auffassung lehren; sobald nämlich die Rotation des Laufersteines bei annähernd normaler Geschwindigkeit eingetreten ist, und der Stein an der Haue dem Treiber Widerstand entgegensetzt, hört schon durch diese Reibung an den Hauflächen die Beweglichkeit der Balancirhaue auf. Jener Widerstand ist bisweilen bedeutend und resultirt nicht allein aus |375| dem Mahlprocesse, sondern auch aus dem Widerstande des Bodensteines gegen das Kraftvermögen mit welchem der Laufer in der, von der rotirenden Bewegung angewiesenen Lage zu verbleiben strebt, indem der Lauferstein, wenn die Steinspindel nicht rechtwinkelig zur Mahlfläche des Bodensteines steht, von dem Treiber da, wo die Steinspindel mit den Mahlflächen in einen stumpfen Winkel übergeht, vom Bodenstein gehoben oder abgepreßt und auf der entgegengesetzten Seite der Mahlflächen, der Seite mit dem spitzen Winkel, von der Mahlfläche des Bodensteines entfernt wird.

Schon dadurch wird beim Mahlprocesse die Erzeugung eines Funkenstromes unvermeidlich.

Streng genommen, muß auch bei der Balancirhaue durch die Bewegung des Laufers in senkrechter Richtung gegen die Mahlfläche des Bodensteines, entweder ersterer, oder der Treiber mit seinem zusammenhängenden Transmissionsmechanismus, in der Rotationsbewegung gestört werden, denn die Bewegung des ersteren gegen den letzteren kann nur in radialen und zugleich mit denselben parallelen Verticalebenen erfolgen. Solche sind aber hier unendlich viele. Die Angriffsflächen zwischen Treiber und Haue müssen daher bei einer solchen Bewegung ohne auf die Rotation störend einzuwirken, entweder mit jenen radialen Verticalebenen zusammenfallen oder mit denselben parallel seyn. Bei keiner Balancirhaue fällt aber diese Angriffsfläche mit einer radialen Verticalebene zusammen. Bei der zweiflügeligen fallen sie nur mit einer einzigen solchen Ebene parallel; eine dreiflügelige hat nicht eine einzige Ebene, die eine solche Bewegung zuließe; selbst bei der vierflügeligen oder der sogenannten Universal-Balancirhaue gibt es nur zwei solche Ebenen.

Noch existirt bei Vielen die Ansicht, bei der Balancirhaue dem Lauferstein seine normale Lage angewiesen zu haben, wenn dessen geometrische Achse und in der Ruhe dessen Schwerpunkt in die mechanische Achse gebracht worden sind. Allein in der Rotation wird die Steinmasse nicht mehr ausschließlich von der Schwere, sondern zugleich noch von der Centrifugalkraft dirigirt. Letztere strebt die Schwungebene, also diejenige in welcher die Centrifugalkraft als vereint gedacht werden kann, senkrecht, d.h. rechtwinkelig zur Steinspindelachse zu stellen. Nun bedingt der Parallelismus der Mahlflächen, daß auch letztere mit der ersteren zugleich senkrecht oder rechtwinkelig zur Steinspindelachse stehen; allein die Schwungebene des Laufersteines fällt mit seiner Mahlfläche selten parallel, dieselbe weicht sehr oft, und bisweilen sehr bedeutend davon ab, d.h. die in gleichen Abständen von der Mahlfläche zugleich von der Achse aus einander gegenüberliegenden Massen sind bei Mühlsteinen |376| häufig so ungleich dicht, daß der in der Ruhe im Gleichgewicht befindliche Stein durch die Rotation auf seinem Unterstützungszapfen sich sofort beträchtlich senkrecht gegen den Bodenstein dreht und mit großer Gewalt in dieser Lage zu verbleiben strebt. Der dadurch gestörte Parallelismus der Mahlflächen wird nun zwar beim Mahlprocesse durch den stetigen Widerstand des Bodensteines annähernd erzwungen, aber dadurch auch der schon mehrfach angedeutete Feuerstrom hervorgerufen.

Wenn schon bei aus einem Stück gefertigten Steinen die Schwungebene selten genau mit der Mahlfläche parallel fällt, so ist dieß noch weit weniger der Fall bei aus mehreren Stücken zusammengesetzten, trotz der häufigen Reclamen.

Bis zu Anfang der fünfziger Jahre hat der Verfasser noch selbst die Balancirhauen angewendet; wurde doch in damaliger Zeit fast allgemein angenommen, zu einer gut eingerichteten Mühle gehöre auch die Balancirhaue. Diese hatte zwar den Vortheil, leichtere Steine führen zu können, insofern bei der damals gebräuchlichen festen Haue, dadurch daß die auf die Spindel übertragene Kraft in zwei Seitenkräfte zerlegt wurde, die eine durch ein unnöthiges Gewicht des Laufersteines aufgehoben werden mußte.

Trotz dieses unverkennbaren Vortheiles hat der Verfasser, welcher die mit der Wissenschaft nicht vereinbarliche Ansicht, die auch durch vielseitige Beobachtungen nicht gerechtfertigt wurde, niemals theilen konnte, vielmehr durch letztere vom Gegentheil und außerdem noch überzeugt worden, wie mit Einführung der Balancirhaue sich auch die Mühlenbrände häuften, dieselbe in seiner Praxis später ganz aufgegeben und statt derselben eine feste Haue in der Art construirt, daß die Mahlfläche des Laufers mit der des Bodens parallel bleiben, d.h. daß derselbe bei der Rotation in der Richtung gegen den Boden sich nicht mehr drehen konnte, und daß zugleich noch die Führung leichterer Steine möglich wurde, eben so wie bei den Balancirhauen.

Zu diesem Behufe wurde der Haukopf der Spindel conisch abgedreht, derselbe mit einem Zahn versehen, die Haue ebenfalls dem Spindelkopfe entsprechend ausgebohrt und für den Zahn dieselbe mit einer Nuth versehen. Durch diese Anordnung wurde zugleich die nachtheilige Zerlegung der auf die Spindel übertragenen Kraft vermieden und außerdem die Bearbeitung der Haupttheile leichter ausführbar als bei Anwendung einer Haue mit eckigem Kopfe.

Da durch drei Punkte, welche nicht in einer geraden Linie liegen, eine Ebene bestimmt ist, so wurde selbstverständlich die Haue dreiflügelig gemacht.

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Es handelte sich nun noch darum, eine nicht umständliche Methode zu finden, durch welche der Schwerpunkt des Laufersteines in die mechanische Achse zu bringen war. Auch dieß war leicht. Hierzu genügte ein kleiner stählerner Conus, etwa von der Größe daß er das Hauloch nach oben hin einen Zoll lang ausfüllte, dabei unten eine conische Spitze hatte, welche in die Mitte des Steines fiel. Indem dieselbe nun, von dem Haukopf der Spindel unterstützt, mit dem Steine beweglich gemacht und der Spielraum der Mahlflächen bis auf etwa einen Sechszehntel-Zoll gebracht worden war, konnte der Schwerpunkt des Steines eben so sicher und bequem in die mechanische Achse gebracht werden, als bei der Balancirhaue.

Freilich, wenn die Mahlflächen mit einander parallel und senkrecht zur Spindelachse stehen, wie dieß der Mahlproceß bedingt, die Schwungebene des Laufers aber von diesem Parallelismus und dieser senkrechten Lage abweicht, so braucht zwar nicht mehr durch den stetigen Widerstand des Bodensteines ein Zwang gegen den Laufer geübt zu werden, da dieser verhindert ist, seine Lage zu ändern; allein auf der Seite des Laufersteines, wo der größte Abstand ist zwischen dieser Ebene und der Mahlfläche, wird der Spindelhals ebenso noch gegen die Buchse gezogen wie bei der Balancirhaue; doch erscheint dieser Umstand, wie die Erfahrung lehrt, bedeutungslos.

Bei Anwendung einer solchen festen Haue und einer Steinspindel von obengedachter Beschaffenheit in Verbindung mit einem Stellzeuge, durch welches die Hebung und Senkung der Steinspindeln ausschließlich lothrecht geschieht, und bei sonst guter Anordnung des Steinstuhles und der damit zusammenhängenden Theile, läßt sich der in Rede stehende Parallelismus sehr genau herstellen, so daß selbst bei dem beim Mahlen vorkommenden engsten Zusammenstellen der Steine, also beim Kleiemahlen, kein Funkenschlagen stattfindet, sogar wenn die Steine nicht mehr gespeist werden. Auch läßt sich ein solcher Parallelismus beim Betriebe der Mahlgänge erhalten.

Ungewöhnliche Mahlgänge.

Den beiden, von der gewöhnlichen Construction abweichenden Arten von Mahlgängen, wo bei der einen der untere Stein rotirt und bei der anderen der Lauferstein mit einer horizontalen Achse verbunden ist, wurde in neuerer Zeit sehr das Wort geredet. Wenn dessen ungeachtet beide Arten keine große Zukunft haben dürften, wenigstens nach Ansicht des Verfassers, so möchte doch, selbst bei deren beschränkter Anwendung, es nicht überflüssig erscheinen, der ersten Art wenigstens in feuergefährlicher |378| Beziehung zu gedenken. Bei dieser Art von Mahlgängen ist der Funkenstrom sogar möglich ohne Störung des gedachten Parallelismus. Kommt nämlich ein solcher Gang zum Stillstand, so wird die Spindel oder das Mühleisen in Folge der Abkühlung sich zusammenziehen; wird derselbe darauf in Betrieb gesetzt und dabei zum Feinmahlen angestellt, so wird die Spindel in Folge der Erwärmung sich wieder ausdehnen. Werden hierbei die Mahlflächen nicht mit der größten Vorsicht regulirt, d.h. dem entsprechend wieder von einander entfernt, so hat das dadurch veranlaßte Zusammenpressen der Steine den gefährlichen Feuerstrom nur zu leicht zur Folge.

Aus der vorstehenden Erörterung geht zur Genüge hervor, wie sehr verschieden die Ursachen und Umstände sind, welche eine Selbstentzündung der Mahlmühlen zur Folge haben können.

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