Titel: Green's kohlenersparender Wasservorwärmer für Dampfkessel.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1873, Band 207/Miszelle 1 (S. 80–81)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj207/mi207mi01_1

Green's kohlenersparender Wasservorwärmer für Dampfkessel.

In einer der letzten Sitzungen der polytechnischen Gesellschaft in Berlin besprach Herr Scholl ausführlich den Green'schen Vorwärmapparat.18) Es wird bei demselben die überflüssige Wärme der Dampfkessel-Feuerung benutzt, um das dem Dampfkessel zuzuführende Speisewasser vorzuwärmen und soll hierdurch eine Dampfersparniß von 20 bis 25 Proc. herbeigeführt werden. Nach einem von dem Vortragenden mitgetheilten Zeugniß eines größeren Industriellen in Berlin betrug die Temperatur der von den Kesselzügen abgehenden Gase vor dem Vorwärmer im Durchschnitt 212° R. und hinter dem Vorwärmer 141° R. Mit diesem Wärmeverlust in Uebereinstimmung steht die Wärmezunahme des Condensationswassers, mit welchem die Kessel gespeist werden. Es betrug dessen Temperatur vor dem Vorwärmer 15 und hinter demselben 80° R. In anderen Fällen gelangte das Wasser mit einer Temperatur von 104 auch 107° R. in den Dampfkessel. Die Patentinhaber machen besonders auf die vorzügliche Ausführung des Apparates aufmerksam. Die nothwendigerweise große Zahl der Rohr-Kuppelungen ist auf das Beste hergestellt; alle Verbindungen sind mit Ausschluß aller Bolzen, Ringe, Ketten, Cemente oder ähnlicher billiger Aushülfsmittel direct „Metall auf Metall,“ durch kraftvolle besonders zu diesem Zweck construirte Maschinen mittelst Pressung ausgeführt. Die am Apparate angebrachten Schaber zeichnen sich vor den früheren dadurch aus, daß sie die Reinigung vollständiger vollführen und bei vorkommenden Reparaturen leichter zu handhaben sind. Schlammige Niederschläge können durch ein am Ende des unteren Verbindungsrohres angebrachtes Ablaßventil abgeblasen werden. Die Beseitigung von etwa sich bildendem Kesselstein wird auf eine leichte Weise durch eine besonders für diesen Zweck construirte Maschine, welche eine Reihe Rohre zu gleicher Zeit ausbohrt, erreicht. (Arbeitgeber.)

Seit Juli 1871 ist auf der Zeche vereinigt. Hagenbeck bei Essen ein Green'scher Vorwärmer aufgestellt. Gebaut ist derselbe in der Fabrik von E. Green und Sohn zu Wakefield in England und kostet 3500 Thlr. ohne Montage, letztere circa 500 Thlr. Er besteht aus 256 schmiedeeisernen, senkrecht stehenden Röhren von 71 Millimeter äußerem, 52 Millimeter innerem Durchmesser und 2 Meter Länge. Die äußere Fläche dieser Röhren bietet eine Heizfläche von circa 130 Quadratmeter und die abziehenden Feuerungsgase geben an dieselbe einen großen Theil der noch vorhandenen Wärme ab, so daß die Speisewässer auf eine Temperatur von 94° C. gebracht werden. Um die Röhren von Ruß frei zu halten, ist, wie gewöhnlich, ein dieselben umfassender Schräpper angebracht, welcher langsam auf- und niedergeht und dessen Bewegung durch ein kleines Maschinchen von 52 Millimet. Cylinderdurchmesser und 156 Millim. Hub bewirkt wird. Reparaturen sind bisher nicht nöthig gewesen und eine Reinigung der Röhren am Kessel, obwohl die Speisewässer nicht besonders rein sind, hat noch nicht stattgefunden. Eine Ersparniß von 15 Procent an Kohle wird bestimmt erzielt, außerdem sind zum Betriebe der Maschinen zwei Kessel weniger erforderlich wie sonst. Vor Herstellung des Apparates mußten eilf Kessel geheizt werden, jetzt reichen neun |81| aus. Setzt man den Apparat außer Function und läßt die Speisewässer direct in den. Kessel treten, so fällt bei angestrengter Heizung die Dampfspannung binnen einer halben Stunde um 6 Pfd. und dieselbe steigt bei Wiedererwärmung des Wassers durch den Apparat in derselben Zeit auf ihre normale Höhe. Bei 50 Scheffel Kohlenersparniß pro Tag, wie dieß auf der Zeche ver. Hagenbeck der Fall ist, wird sich der Apparat binnen drei Jahren bezahlt haben. (Deutsche Industriezeitung, 1872, Nr. 26.)

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Man s. Prof. Rühlmann's Beschreibung des Green'schen Apparates (mit beigegebener Zeichnung) im polytechn. Journal, 1867, Bd. CLXXXV S. 13.

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