Titel: Die Einwirkung der schwefligen Säure auf die Pflanzen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1873, Band 207/Miszelle 13 (S. 87–88)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj207/mi207mi01_13

Die Einwirkung der schwefligen Säure auf die Pflanzen.

Unter vorstehender Ueberschrift enthält Heft 5 von Bd. XV der „landwirthschaftlichen Versuchsstationen“ sehr werthvolle Untersuchungen von Dr. Julius Schröder, denen wir die am Schluß zusammengefaßten Resultate entnehmen.

1. Aus einer Luft, welche schweflige Säure enthält, wird dieses Gas von den Blattorganen der Laub- und Nadelhölzer aufgenommen; es wird zum größeren Theile hier fixirt und dringt zum größeren Theile in die Achsen (Holz und Rinde, Blattstiele) ein, sey es nun nach vorhergegangener Umwandlung in Schwefelsäure, oder sey es, daß diese Oxydation erst später eintritt.

2. Die Aufnahme der schwefligen Säure konnte bei Laub- und Nadelholz nachgewiesen werden, wenn die betreffenden Zweige in einer Luft verweilten, welche nicht mehr als 1/5000 ihres Volumens an schwefliger Säure enthielt.

3. Unter sonst gleichen äußeren Verhältnissen nimmt die gleiche Blattfläche eines Nadelholzes weniger schweflige Säure aus der Luft auf, als ein Laubholz.

4. Die von der gleichen Blattoberfläche absorbirten Mengen schwefliger Säure geben für sich bei verschiedenen Pflanzen noch kein Maaß für die Schädigung welche die Pflanzen bei längerer Einwirkung des Gases erleiden. Es muß hier die specielle Organisation der Pflanzen mit in Betracht gezogen werden.

5. Die schweflige Säure wird von den Blättern nicht durch die Spaltöffnungen, sondern gleichmäßig von der ganzen Blattfläche aufgenommen. Ein Laubblatt nimmt mit seiner spaltöffnungslosen Oberseite unter sonst gleichen Verhältnissen ebenso viel schweflige Säure auf wie mit der von Spaltöffnungen besetzten Unterseite.

6. Dieselbe Menge schwefliger Säure, welche von der Unterseite eines Laubblattes absorbirt wird, desorganisirt das ganze Blatt in höherem Grade, als wenn die gleiche Aufnahme durch die obere Fläche stattfindet.

7. Die größere Schädigung des Laubblattes durch Absorption der schwefligen Säure von der Unterfläche her, erklärt sich dadurch, daß diese Fläche ganz vorherrschend diejenige ist, durch welche die Transspiration stattfindet, und daß die schweflige Säure auf die Wasserverdunstung einen besonders nachtheiligen Einfluß ausübt.

8. Als Ursache des nachtheiligen Einflusses, den die im Hütten- und Steinkohlenrauch enthaltene schweflige Säure auf die Pflanzen ausübt, kann (wenigstens zum Theil) die Benachtheiligung der Transspiration angesehen werden.

9. Pflanzen, welche von schwefliger Säure getroffen werden, verlieren die Fähigkeit, normal zu transspiriren. In Folge dessen werden geringere Wassermengen durch den ganzen Organismus geleitet, alle Folgen einer gestörten Wassercirculation müssen sich geltend machen, und zuletzt geht die Pflanze ihrem Untergange entgegen.

10. Größere Mengen schwefliger Säure bewirken stärkere, geringere Mengen geringere Störungen der Wasserverdunstung.

11. Bei Gegenwart von Licht bei hoher Temperatur und trockener Luft wird aus der Luft mehr schweflige Säure aufgenommen und tritt eine stärkere Benachtheiligung der Verdunstung ein, als im Dunkel bei niederer Temperatur und feuchter Luft.

12. Nach 11 steht daher zu vermuthen, daß der Hütten- und Steinkohlenrauch zur Nachtzeit den Pflanzen weniger schaden wird als während des Tages.

13. Ein Nadelholz wird bei gleicher Menge schwefliger Säure noch nicht sichtbar in seiner Transspiration herabgesetzt, wo sich eine deutliche Einwirkung bei einem Laubholze bereits zeigt. Dem entspricht die unter gleichen Verhältnissen geringere |88| Absorption der schwefligen Säure, welche ein Nadelholz gegenüber einem Laubholze zeigt.

14. Die größere Empfindlichkeit der Nadelhölzer in den Rauchgegenden läßt sich weder durch eine größere Fähigkeit der Nadeln, die schweflige Säure zu absorbiren, noch durch eine stärkere Schädigung in der Transspiration erklären. Es kommt hier höchst wahrscheinlich die längere Dauer der Nadeln in Betracht, wobei die schädlichen Einwirkungen eine längere Zeit hindurch sich summiren können, während bei den Laubhölzern die Belaubung des einen Jahres nur indirect von der im vorhergegangenen Jahre stattgehabten Schädigung beeinflußt wird.

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