Titel: Ueber die Veränderungen der Zuckerrübe in den Miethen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1873, Band 207/Miszelle 14 (S. 88)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj207/mi207mi01_14

Ueber die Veränderungen der Zuckerrübe in den Miethen.

Pasteur hat die Beobachtung gemacht, daß Zuckerrübe, aufbewahrt in einer Atmosphäre von Kohlensäure oder Stickstoff, eine Milchsäure- und schleimige Gährung erleidet. Dabei wird ein Theil des Zuckers vernichtet, ein anderer wird unkrystallisirbar und die Rübe mit einer schleimigen Flüssigkeit angefüllt, welche eine Menge von Bläschen (Milchsäureferment und Ferment der schleimigen Gährung) enthält. Zuweilen sind in der Flüssigkeit organische Gebilde vorhanden, welche der Buttersäuregährung zukommen und die nach Pasteur gleichfalls bei Abschluß der Luft vegetiren können. – Diese Beobachtungen sind von besonderer Bedeutung für die Zuckerrüben, welche eingemiethet werden. Es resultirt nämlich aus früheren Arbeiten desselben Forschers, daß Schimmelbildung unter Aufnahme von Sauerstoff erfolgt, an dessen Stelle dann Kohlensäure abgeschieden wird; auf diese Weise kann es geschehen, daß die Miethen, oder wenigstens einzelne Stellen derselben, ihres Sauerstoffes beraubt und mit Kohlensäuregas angefüllt und die darin aufbewahrten Rüben in Verhältnisse versetzt werden, welche die von Pasteur beobachtete Umwandlung hervorrufen können.

Man begreift nun leicht, daß die Menge des krystallisirbaren Zuckers in den eingemietheten Rüben mit der Dauer der Einlagerung immer mehr und mehr abnimmt und daß die Fabrikanten mit Recht sich beeilen, ihre Vorräthe so rasch als möglich aufzuarbeiten. Je schneller sie arbeiten, um so größer die Ausbeute bei einem gewissen ursprünglichen Zuckergehalte der Rübe.

Die Pasteur'schen Beobachtungen geben aber zugleich die Grundregel an die Hand, deren man bei der Rübeneinmiethung stets eingedenk seyn soll und die dahin lautet, die gebildete Kohlensäure und den nach der Absorption des Sauerstoffes erübrigenden Stickstoff aus den Miethen wegzuschaffen und durch frische Luft zu ersetzen, mit einem Worte für eine gute Ventilation zu sorgen. Nur dann, wenn dieselbe zweckmäßig durchgeführt ist, kann der Zuckerfabrikant auf eine befriedigende Ausgiebigkeit seiner eingemietheten Zuckerrüben rechnen. (Journal des fabricants de sucre, 1872 p. 34; Zeitschrift für Zuckerindustrie in Böhmen, December 1872, S. 621.)

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