Titel: Brennbarer Kesselstein.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1873, Band 207/Miszelle 2 (S. 81)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj207/mi207mi01_2

Brennbarer Kesselstein.

Bei Gelegenheit der regelmäßigen Reinigung unserer Kessel fanden wir an Stelle der gewöhnlich nur 1/32 bis 1/16 Zoll dicken Schalen, vor einigen Wochen eine dicke große Kruste von 2 bis 2 1/2 Zoll Stärke.

Diese Kruste war ein schwammartiges poröses Gebilde, welches bei 100° C. getrocknet, das spec. Gew. von 0,852 zeigte.

Beim Erhitzen begann die Masse zu schwellen und alsbald mit leuchtender Flamme zu brennen.

Es war unschwer zu erkennen, daß eine übermäßige Fettzufuhr in den Kessel durch die Condensationswässer der verschiedenen Betriebsmaschinen und in Folge der Einführung von Schmiermaterial durch die Pumpen stattgefunden hatte.

Ein Extractionsversuch mit Benzin ergab in diesem Kesselstein die bedeutende Menge von 16,04 Proc. unzersetztem Fett.

Das ganze Gemenge bestand aus:

20,92 organischer Substanz,
16,04 extrahirtem Fett,
63,04 Asche.
––––––
100,000

Nahezu die Hälfte des Aschenrückstandes war in diesem Falle feingeschlämmter Thon und Sand, da nicht weit oberhalb der Stelle wo die Pumpen das Flußwasser ansaugen, anhaltend gebaggert wurde.

Dieser Fall beweist wiederum, daß man bei Benutzung der Condensationswässer zur Kesselspeisung stets darauf bedacht seyn muß, etwaige zu große Mengen von Fett durch Verseifung unschädlich zu machen. Die Gefahr, unbenetzbare Stellen an der Kesselwand zu erzeugen, ist zu einleuchtend, als daß irgend eine Vorsichtsmaßregel vernachlässigt werden sollte.

Seit jener Zeit wird den Wasserbassins in welche die Condensationswässer zurückfließen, regelmäßig Soda in gehöriger Menge zugeführt, und es ist in Folge dessen eine derartige Steinbildung nicht wieder vorgekommen.

Chicago, Laboratorium der Wahl'schen Fabrik, im November 1872.

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