Titel: Bemerkungen über Kieselsäure; von E. Rammelsberg.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1873, Band 207/Miszelle 7 (S. 84–85)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj207/mi207mi01_7

Bemerkungen über Kieselsäure; von E. Rammelsberg.

Bekanntlich pflegt man die bei Analysen von Silicaten erhaltene Kieselsäure nach dem Glühen und Wägen dadurch auf ihre Reinheit zu prüfen, daß man sie mit einer concentrirten Auflösung von kohlensaurem Kali oder Natron kocht. Es bleiben dann nicht sowohl die beigemengten Erden (Thonerde, Magnesia, Kalk) als vielmehr ein Gemenge derselben mit viel Kieselsäure unaufgelöst. Allein man bemerkt mitunter, daß die Kieselsäure nur theilweise sich auflöst, und findet bei der Prüfung des Unlöslichen durch Fluorwasserstoffsäure doch keinen Gehalt an fremden Körpern. Diese Erscheinung tritt jedes Mal ein, wenn man sie zuvor hinreichend stark und lange geglüht hat, denn von der Höhe und der Dauer der Temperatur hängt es ab, wieviel von der Säure sich in der alkalischen Flüssigkeit auflöst. Ich habe in dieser Beziehung gefunden, daß dieselbe Säure, welche nach kurzem und schwachem Glühen sich in dem Carbonat fast vollständig auflöste, nach längerem und stärkerem Glühen diese Eigenschaft theilweise, ja fast ganz verliert. Da eine solche geglühte Säure das Volum-Gew. von 2,3 besitzt22), so ist sie offenbar in den krystallisirten Zustand des Tridymits übergegangen und es folgt, daß die Umwandlung nicht nothwendig die hohe Temperatur des Porzellanofens erfordert.

Es mag bei dieser Gelegenheit daran erinnert werden, daß auch andere amorphe Körper durch Erhitzen in den krystallisirten Zustand übergehen, so Beryllerde, Titansäure, Zirkonsäure, Niob und Tantalsäure.

Aus dem Angeführten ergibt sich, daß die Prüfung der Kieselsäure auf ihre Reinheit, oder ihre Trennung von unzersetzten Silicaten bei Gesteinanalysen niemals nach dem Glühen stattfinden darf.

Hiernach ist es aber auch unbegreiflich, wie Fremy 23) behaupten konnte, amorphe Kieselsäure bleibe nach dem Glühen löslich in Alkalien, und wenn die Existenz amorpher Silicate auch unbestritten ist, so steht doch ebenso fest, daß auch die krystallisirten bei ihrer Zersetzung amorphe Säure liefern.

Im Anschluß hieran erlaube ich mir zu bemerken, daß auch von mir vielfache Versuche über den Wassergehalt der aus Alkalisilicaten und aus Wollastonit durch Säuren abgeschiedenen Kieselsäure angestellt wurden: Gottlieb 24) hat noch kürzlich in der über Schwefelsäure getrockneten 6,13 Proc., in der bei 100–140° C. getrockneten 4,5 Proc. Wasser gefunden, und auch ich habe (ohne besondere Vorsichtsmaßregeln) im ersten Fall 4,5–7, im zweiten 4–5,7 Proc. erhalten. Man hat es also mit Hydraten nSiO² + aq zu thun, bei welchen n zwischen 4 und 8 liegt.

Lufttrockene Kieselsäure hat, wie man sich bald überzeugt, gar keinen bestimmten Wassergehalt. In staubig trockenem Pulver findet man von 36–13 Proc. |85| Wasser; jene würden SiO² + 2aq, diese 2SiO² + aq entsprechen. Zwischen ihnen treten Wassergehalte = 23 und 16 Proc. am häufigsten auf, wie eine vorliegende Reihe von Bestimmungen ersehen läßt, also Hydrate = SiO² + aq und 3SiO² + 3aq. (Berichte der deutschen chemischen Gesellschaft zu Berlin, 1872, Nr. 19.)

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Schon H. Rose bemerkt, daß das Volum-Gewicht der künstlich dargestellten Säure unter gewissen Umständen auf 2,3 steigen kann.

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Comptes rendus, t. LXIV p. 243.

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Journal für praktische Chemie, zweite Reihe, Bd. VI S. 185.

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