Titel: Ueber Umhüllung von Dampfröhren; von Alb. Hartmann, Ingenieur in Heidenheim.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1873, Band 207/Miszelle 1 (S. 169–170)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj207/mi207mi02_1

Ueber Umhüllung von Dampfröhren; von Alb. Hartmann, Ingenieur in Heidenheim.

In der jetzigen Zeit der fortwährend steigenden Kohlenpreise ist Jedermann welcher Kohlen, zumal in größeren Quantitäten verwendet, darauf angewiesen, durch Vervollkommnung seiner Einrichtungen die den Kohlen innewohnende Heizkraft möglichst gut auszunutzen. Daher auch gegenwärtig die vielfachen Anpreisungen von Apparaten und Mitteln aller Art, welche auf Brennmaterial-Ersparniß abzielen. So kamen mir in letzter Zeit einige Empfehlungen von sogen. „Compositions-Massen“ zur Umhüllung von Dampfcylindern, Dampfleitungen und freien Kesselflächen in die Hand, welche mich veranlassen, an einer größeren Dampfleitung Proben mit einer solchen Composition anzustellen. Dieselbe bestand wie fast alle derartigen Mittel der Hauptsache nach aus Thon, dem zur Vermeidung des Aufreißens in der Hitze kurze Haare, Sand und ähnliche Stoffe beigemengt waren.

Mit solcher Masse umgab ich ein Stück einer Dampfleitung von 10 Centimeter Durchmesser nach und nach in einer Dicke von 5 Centimet., war aber mit dem Erfolg der Umhüllung insofern nicht ganz zufrieden, als sich dieselbe immer noch ziemlich heiß anfühlte.

Von der Thatsache ausgehend, daß Luft einer der schlechtesten Wärmeleiter sey, umhüllte ich nun ein anderes Stück derselben Rohrleitung in folgender Weise: zuerst wurde circa 1 1/2 Centimet. hoch Composition aufgetragen; nachdem diese getrocknet war, wurde ein Strohzopf von 2 Centimet. Dicke spiralförmig darüber gewunden und |170| dieser wieder durch eine etwa 1 1/2 Centimet. starke Schicht Composition überdeckt, – also zusammen 5 Centimet. dick, wie oben. –

Der Unterschied dieser beiden Umhüllungsarten war schon beim bloßen Auflegen der Hand deutlich bemerkbar. Länger fortgesetzte Beobachtungen eines auf beide Umhüllungen gelegten Thermometers ergaben als durchschnittliche Temperaturen: für die erste Art (5 Centimet. Composition) circa 70° R., für das zweite Stück (3 Centimet. Composition, 2 Centimet. Stroh) nur 38° R. Der in der Rohrleitung strömende Dampf hatte 7 Atmosphären Spannung, also 133° R.

Wenn somit die Anwendung solcher Compositionsmassen im Allgemeinen schon sehr zu empfehlen ist, – bekanntlich absorbiren 10 Quadratfuß unverhüllter Fläche durch ihre Wärmeausstrahlung ungefähr 1 Quadratfuß Heizfläche des Dampfkessels – so wird doch nach Obigen: deren Nutzen wesentlich erhöht, und nebenbei die Kosten einer Umhüllung auf 2/3 bis 1/2 reducirt durch das einfache Mittel eines eingelegten Strohzopfes, wie ihn der nächste beste Arbeiter nach kurzer Uebung in genügender Qualität rasch herstellen kann. (Württembergisches Gewerbeblatt, 1873, Nr. 3.)

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: