Titel: Petroleum im Elsaß.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1873, Band 207/Miszelle 15 (S. 176)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj207/mi207mi02_15

Petroleum im Elsaß.

Es ist schon seit einiger Zeit bekannt, daß man im Elsaß Petroleumquellen entdeckt hat. Ein kleiner Anfang diese Quellen auszubeuten, ist in Schattweil am Wald von Hagenau gemacht worden. Eine dicke Alluvialschicht ist zuerst durchbrochen worden, unter derselben fand man Thon und Sandstein mit Landadern durchlaufen. Diese letzteren scheinen das Petroleum zu enthalten; man findet sie in einer Tiefe von 150–160 Fuß. Weitere Nachforschungen um den Wald von Hagenau haben zur Entdeckung noch anderer Quellen geführt; an verschiedenen Orten hat man bereits gebohrt und hat überall den mit Petroleum getränkten Sand gefunden. Bis jetzt ist zwar die Petroleumgewinnung im Elsaß noch in ihrer Kindheit, aber es ist sehr wahrscheinlich, daß sich dieselbe zu einer ausgedehnten Industrie entwickeln wird. Die Art wie gegenwärtig im Elsaß Petroleum gewonnen wird, ist folgende: Man gräbt einen Schacht bis man auf die betreffende Sandschicht kommt und baut dann Gallerien, ähnlich wie beim Kohlenbergbau. Das Oel fließt aus dem Sand heraus und sammelt sich in besonderen Behältern, von denen es an die Oberfläche geschafft wird. Auf diese Weise wird indeß nicht alles in dem Sand enthaltene Oel gewonnen, man bringt daher auch den Sand an die Oberfläche und destillirt ihn in Retorten. Das rohe Oel, wie es an den Seiten der Gallerien abfließt und das durchdestillirte, aus dem Sand gewonnene, werden dann durch einen weiteren Destillationsproceß rectificirt; wie behauptet wird, soll das im Elsaß gewonnene Petroleum an Güte dem amerikanischen gleichkommen. Der petroleumhaltige Sand kommt, nach den angestellten Bohrversuchen zu urtheilen, in großer Menge vor. Ein englischer Chemiker Namens Keates hat die Petroleumgegend bereist und eingehende Untersuchungen angestellt; er stellt der ganzen Industrie ein gutes Prognosticon. (Arbeitgeber.)

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