Titel: Die comprimirte Schießbaumwolle als Sprengmittel und deren Aufbewahrung.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1873, Band 207/Miszelle 8 (S. 172–173)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj207/mi207mi02_8
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Die comprimirte Schießbaumwolle als Sprengmittel und deren Aufbewahrung.

Geh. Bergrath a. D. Dr. Burkart bemerkt in seinem im „Berggeist“ veröffentlichten Bericht „über in England angestellte Versuche mit verschiedenen Sprengmitteln“ hinsichtlich der comprimirten Schießbaumwolle, daß dieselbe, nachdem man sich von ihrer großen Sprengkraft bei Anwendung detonirender Zündkapseln überzeugt hatte und ihre Handhabung bei gewöhnlicher Vorsicht weniger gefährlich erschien, namentlich in England zur vielseitigen Verwendung gelangt, daher auch dort in größerer Menge dargestellt worden sey. Es zeigte sich aber durch die im Jahre 1871 vorgekommene beklagenswerthe Explosion in der Fabrik comprimirter Schießbaumwolle bei Stowmarket, daß dieses Sprengmittel keineswegs so ungefährlich ist, als man angenommen hatte, und es wurden deßhalb auch bald nachher die Versuche mit comprimirter Schießbaumwolle wieder aufgenommen. Es liegen zwar eine Menge von Thatsachen vor, welche beweisen daß, wenn Schießbaumwolle in großer Menge angezündet wird, sie ohne Explosion verbrennt; die englische Regierungscommission hielt es aber für nöthig, sich durch weitere Versuche hiervon zu überzeugen. Es wurde daher comprimirte Schießbaumwolle in Kisten verpackt und in größerer Menge in einem leichten hölzernen Schuppen untergebracht, der dann in Brand gesetzt wurde. Dabei trat denn auch thatsächlich eine Explosion der Schießbaumwolle ein. Dasselbe war der Fall bei Benutzung eines festen gemauerten Magazins. Die zu diesen Versuchen verwendete Schießbaumwolle war aus der Fabrik von Stowmarket und zeigte sich bei der Untersuchung ganz rein, sowie in vortrefflicher Beschaffenheit. Da man vermuthete, daß die Explosion möglicherweise durch die besondere Stärke der Kisten, in welche die Schießbaumwolle verpackt war, veranlaßt worden seyn könne, so wiederholte man den Versuch in einem hölzernen Schuppen, mit dem Unterschiede jedoch, daß die Schießbaumwolle in leichtere Kisten von 1/2 zölligen Bretern verpackt war. Nachdem man Feuer angelegt und dasselbe sich den Kisten mitgetheilt hatte, brannte die, Schießbaumwolle lebhaft fort, ohne daß bis zur gänzlichen Zerstörung des Magazins eine Explosion erfolgte. Zur Aufbewahrung der Schießbaumwolle verdienen also leichtere Kisten, welche die leichtere Entweichung der beim Verbrennen sich bildenden Gase gestatten, den Vorzug.

Es wird bei der Berichterstattung über diese Versuche Gewicht darauf gelegt, daß, während bei einer Explosion von Schießpulver derselben durchaus keine sichtbare Warnung vorhergeht, bei der Anwendung von Schießbaumwolle die Verbrennung der bei ihrer Zündung sich bildenden Gase lange genug angedauert hat, um in dem Zwischenraume noch eine Möglichkeit zur Rettung von Menschenleben darzubieten, indem in den 10 Secunden, welche von dem Ausbruche der Flamme bis zu der erfolgten Explosion verstrichen sind, ein Mann noch etwa 40 Yards weit sich entfernen könne, um Schutz zu suchen, vorausgesetzt, daß er den Augenblick des Flammenausbruches als Warnung benutze.

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