Titel: Ueber Anfertigung roth gefärbter Zündschnüre aus Schießwolle; von Prof. Böttger.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1873, Band 207/Miszelle 13 (S. 261–262)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj207/mi207mi03_13

Ueber Anfertigung roth gefärbter Zündschnüre aus Schießwolle; von Prof. Böttger.

Aus Baumwolle gefertigte, etwas locker gearbeitete, vollkommen trockene Schnüre werden zunächst in gewöhnliche 40grädige Salpetersäure, die sich in einem weiten Steintopfe befindet, so eingelegt, daß sie gänzlich von der Säure benetzt und durchdrungen werden, was in wenigen Augenblicken der Fall zu seyn pflegt. Hierauf schüttet man die Säure von den Schnüren ab, und sucht durch Drücken, Pressen oder ähnliche Manipulationen die noch den Schnüren anhaftende überschüssige Säure möglichst zu entfernen, legt dann diese angesäuerten, schwach genetzten Schnüre sofort in ein völlig erkaltetes Gemisch von 2 Maaßtheilen concentrirter Schwefelsäure von 1,84 spec. Gewicht und 1 Maaßtheil concentrirteste Salpetersäure von 1,5 spec. Gewicht, der Art ein, daß sie davon gänzlich überdeckt sind, und läßt sie in diesem Gemische 24 Stunden ruhig liegen. Das Gefäß, worin diese Procedur vorgenommen wird, kann aus Steingut oder noch besser aus Gußeisen bestehen. Während der ganzen Zeit der Einlage wird das Säuregefäß mit einem Deckel verschlossen gehalten. Nach Ablauf genannter 24 Stunden hebt man die Schnüre mit einem eisernen zangenförmigen |262| Instrumente aus dem Säuregemische heraus, entfernt durch Drücken oder Pressen die ihnen anhängende Säure möglichst und wirft sie dann behende, unter fortwährendem Umrühren, in einen bis zur Hälfte mit einer ziemlich concentrirten wässerigen Lösung von Potasche oder Soda gefüllten Kübel, und läßt sie hier so lange liegen, bis keine Spur von sich entwickelnder Kohlensäure mehr wahrzunehmen ist. Dann wäscht man sie einigemale mit gewöhnlichem Wasser aus, bis das ablaufende Wasser völlig säurefrei erscheint, was man an dem Nichtrothwerden eines Streifens blauen Lackmuspapieres leicht erkennt. Auf diese Entsäuerungsprocedur ist die größte Aufmerksamkeit zu verwenden. Hierauf sucht man durch Drücken oder Pressen sie von anhängendem Wasser möglichst zu befreien und überschüttet sie schließlich, nachdem man sie zuvor erst mit etwas Weingeist benetzt und durch Ausdrücken von diesem oberflächlich wieder befreit hatte, mit einer alkoholischen Rosanilinlösung (Fuchsin), wäscht die gefärbten Schnüre dann so lange mit Wasser ab, bis dieses farblos davon abfließt und trocknet die Schnüre endlich in einer 50 bis 60° R. nicht übersteigenden Temperatur, am besten in erwärmtem Luftzuge. (Böttger's polytechnisches Notizblatt, 1873, Nr. 1.)

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