Titel: Gefährlichkeit des Petroleums.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1873, Band 207/Miszelle 14 (S. 262–263)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj207/mi207mi03_14

Gefährlichkeit des Petroleums.

In seinem Bericht über Petroleum, den Prof. C. F. Chandler an die Sanitätsbehörde in New-York abstattete,48) spricht er auch seine Ansicht über die zweckmäßigste Prüfung des Oeles aus. Er bemerkt, wie dieß auch von anderer Seite wiederholt hervorgehoben worden ist, daß wohl zu unterscheiden sey, bei welcher Temperatur eine Petroleumsorte entzündbare Dämpfe liefere (Entflammungspunkt) und bei welcher Temperatur sie sich selbst entzünde (Entzündungstemperatur), Verhältnisse über welche vielfache Unklarheit herrsche. Das Erstere sey bei weitem wichtiger als das Zweite, da gerade durch die entzündbaren Dämpfe die meisten Unfälle hervorgerufen werden; überdies; hat ein Oel, welches erst bei hoher Temperatur entzündbare Dämpfe entwickelt, stets auch selbst eine hohe Entzündungstemperatur, während das Gegentheil nicht stattfindet. Die Temperatur bei welcher sich ein Petroleum entzündet, liegt um 6 bis 28° C. höher als diejenige bei der es entzündbare Dämpfe entwickelt. Die beiden Temperaturen sind ganz unabhängig von einander; die erstere hängt von dem Gehalt an leichtflüchtigen Bestandtheilen ab, die letztere von der allgemeinen Beschaffenheit des ganzen Oeles. Durch einen Gehalt von 1 Proc. Naphta wird der Entflammungspunkt um 6° C. herabgezogen, während der Entzündungspunkt nicht wesentlich geändert wird. Gewöhnlich wird als Kennzeichen für die Ungefährlichkeit einer Petroleumsorte eine Entflammungstemperatur von mindestens 38° C. und eine Entzündungstemperatur von mindestens 43° C. angesehen. In der englischen Petroleumprüfungsacte, sowie in den neueren gesetzlichen Bestimmungen mehrerer Staaten der Union ist der Entzündungspunkt mit Recht ganz unberücksichtigt geblieben, da einestheils durch die zwei verschiedenen Prüfungen leicht Verwirrung herbeigeführt werden kann und anderentheils der Entzündungspunkt keinen sicheren Anhalt zur Beurtheilung der Gefährlichkeit eines Oeles liefert. Ueber die Hälfte der Petroleumsorten, welche Prof. Chandler untersuchte, entzündete sich nicht bei Temperaturen unter 43° C., aber nur 28 von 736 waren wirklich ungefährlich, da alle anderen bei Temperaturen unter 38° C. entflammbare Dämpfe lieferten. Alle gesetzlichen Bestimmungen, welche den Verkauf gefährlicher Petroleumsorten zu verhindern bestimmt sind, sollten daher nur Vorschriften in Bezug auf den Entflammungspunkt geben. Welche Entflammungstemperatur als zulässig zu bezeichnen ist, darüber sind allerdings die Ansichten sehr verschieden. Nach Prof. Chandler's Ansicht bietet die Bestimmung dieser Temperatur zu 38° C. noch keine vollständige Gewähr gegen Gefahr, wenn auch allerdings nur sehr wenige Unfälle mit Oel vorgekommen seyn mögen, welches sich nicht bei dieser Temperatur entflammt. In einigen Verordnungen wird der zulässige Entflammungspunkt zu 43° C., in einer sogar zu 49° C. festgesetzt.

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Um in dieser Beziehung Klarheit zu erlangen, stellte Prof. Chandler Versuche darüber an, welche Temperatur das Petroleum in einer Lampe, in der es verbrannt wird, erreichen kann. Die Hauptresultate dieser Versuche waren folgende. Bei einer Zimmertemperatur von 22,8 bis 23,3° C. schwankte die Temperatur des Oeles in den Lampen von 24 1/2 bis 38° C.; die letztere wurde nur in einer der 23 geprüften Lampen und zwar nach 1 bis 2 Stunden erhalten. Die nächst höhere Temperatur in einer der übrigen Lampen war 33 1/3° C. Es ergab sich

in sämmtlichen 23
Lampen
in den 11
Metalllampen
in den 12
Glaslampen
die höchste Temperatur zu 38° C. 38° C. 30° C.
die niedrigste Temperatur zu 24 1/2° C. 24 1/2° C. 24 1/2° C.
die durchschnittl. Temperatur zu 28 1/3° C. 30 °C. 27 1/4° C.

Bei der zweiten Versuchsreihe betrug die Zimmertemperatur 28 bis 29° C., die Temperatur des Oeles in den Lampen 28 bis 49° C., letztere nur ausnahmsweise bei einer von 25 Lampen. Es war

in sämmtlichen 23
Lampen
in 11
Metalllampen
in 12
Glaslampen
die höchste Temperatur 49° C. 49° C. 33° C.
die niedrigste Temperatur 27,8° C. 27,8° C. 29° C.
die durchschnittl. Temperatur 33° C. 36° C. 30° C.

Bei einer dritten Versuchsreihe betrug die Temperatur des Zimmers 32 bis 33 1/3° C., die des Oeles in den brennenden Lampen von 29 bis ausnahmsweise 54° C. Es war

in sämmtlichen 23
Lampen
in 11
Metalllampen
in 12
Glaslampen
die höchste Temperatur 54° C. 54° C. 36 1/2° C.
die niedrigste Temperatur 29° C. 29° C. 29° C.
die durchschnittl. Temperatur 37° C. 40 1/4° C. 33 1/2° C.

Darnach steigt die Temperatur des Oeles in brennenden Lampen oft über 38° C. Es muß also die zulässige Temperatur, bei der ein Petroleum entzündbare Dämpfe geben darf, auf höher als 38° C. festgesetzt werden; 49° C. dürfte nicht zu hoch seyn. (Deutsche Industriezeitung, 1872, Nr. 45.)

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American Chemist, Mai 1872. S. 409, ferner Juni S. 446; und Juli S. 20.

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