Titel: Die Eichenlaub fressende Yamamay-Seidenraupe und deren zur Zucht geeignetste gelbe Varietät.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1873, Band 207/Miszelle 16 (S. 263–264)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj207/mi207mi03_16
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Die Eichenlaub fressende Yamamay-Seidenraupe und deren zur Zucht geeignetste gelbe Varietät.49)

Einem Zufall verdanke ich die Beobachtung, daß unter den verschiedenen Varietäten der Yamamaya diejenige welche als Schmetterling hochgelb gefärbt ist, bei weitem die dauerhafteste und lebenskräftigste zu seyn scheint und zu gleicher Zeit auch im Eierlegen die fruchtbarste. Sie also durfte sich praktisch zur Zucht weitaus besser eignen, als die kupferrothe, die zimmtbraune, die marmorgraue und die olivengrünliche; obschon für das Auge des Schmetterlingsfreundes diese Varietäten ohne Frage die schöneren sind.

Von einem meiner Abnehmer hatte ein Dritter aus meiner 1871er Zucht die geringe Zahl von 11 Eiern erhalten. Aus sämmtlichen 11 aber schlüpften im J. 1872 lebenskräftige Räupchen hervor; bei mir selbst 1872 aus 108 gemischten Eiern aller Varietäten nur etwa 80. Trotz einer wie es scheint ziemlich vernachlässigten Behandlung starben von diesen 11 Raupen nur 2; bei mir, trotz sorgsamer Pflege, von jenen 80 mehr als 30, namentlich schon in allerfrühester Lebensperiode. Die übrigen 9 gediehen prächtig und spannen sich ein. Die 9 Schmetterlinge, welche aus den Cocons erschienen, waren sämmtlich von der hochgelben Varietät. Es waren 5 Männchen und 4 Weibchen; ein so günstiges Verhältniß, wie es freilich wohl nur höchst selten vorkommen wird. (Es hätten ebenso leicht z.B. 8 Männchen und 1 Weibchen seyn können.) Alle 4 Weibchen wurden daher befruchtet. Sie legten etwa (fast) 900 Eier, jedes mithin durchschnittlich fast 225; während die Weibchen meiner gemischten 1872er Zucht durchschnittlich nur etwa 150 legten. Damit stimmt sehr genau überein, daß ein gelbes Weibchen meiner 1871er Zucht, welches ich abgesondert hatte, um dessen Brut zu zählen, 218 Eier legte. – Eilf Eier hatten hier also 900 producirt.

Erst jetzt, da ich 900 Eier der gelben Varietät unvermischt vor mir hatte, mußte es mir bemerkbar werden, daß dieselben von den Eiern der übrigen Varietäten sich durch ihre Färbung augenfällig unterscheiden. Während nämlich die übrigen alle möglichen Schattirungen durchmachen von dunkelschwärzlicher Sepia bis zum mattesten Aschgrau und zu reinem Weiß, sind diese sämmtlich monoton mittelgrau gefärbt (schmutziggrau); sie sind sehr gleichmäßig marmorirt oder betupft. Weiße finden sich unter ihnen nur ganz wenige, dunkle gar nicht.

Diese kerngesunde Brut vorzüglicher Qualität (Stuttgarter Zucht) steht dem Publicum zur Verfügung. Bis auf ein kleines Reservatquantum bin ich bereit dieselbe zu versenden:

30 Eier zu 1 fl. 6 kr. = 19 Sgr.

63 Eier zu 2 fl. 12 kr. = 1 Thlr. 8 Sgr.

100 Eier zu 3 fl. 18 kr. = 1 Thlr. 27 Sgr.

Gedruckte Behandlungsregeln zu 9 kr. = 2 1/2 Sgr.

Seidenprobe zu 18 kr. = 5 Sgr.

Die feinen und zugleich starken Fäden meiner Seide werden in einer hiesigen Fabrik bereits praktisch benutzt zum Aufziehen jener Kreuzfäden, welche in mathematischen und optischen Instrumenten zur scharfen Angabe von Linien und Punkten dienen.

Stuttgart, 10. Februar 1873.

Carl Heinr. Ulrichs,
Silberburgstraße Nr. 102.

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Man s. die bezüglichen Mittheilungen im polytechn. Journal, 1872, Bd. CCV S. 280 und Bd. CCVI S. 504.

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