Titel: Ueber Drahtseiltransmissionen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1873, Band 207/Miszelle 3 (S. 258)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj207/mi207mi03_3

Ueber Drahtseiltransmissionen.

Bei den meisten Fabrikanlagen ist es möglich, die zu treibenden Maschinen auf einen verhältnißmäßig kleinen Raum zusammenzudrängen und in die Nähe des Motors zu bringen, der sie in Bewegung setzen soll. Weniger ist dieß der Fall beim Landwirthschaftsbetrieb; abgesehen von der reinen Feldarbeit befinden sich die einzelnen Geschäfte, in denen man Maschinenbetrieb anwenden kann, oft weit auseinander und es hält schwer, die Dampfkraft oder den Göpelbetrieb dahin zu leiten. Obgleich durch die locomobilen Dampfmaschinen diesen Schwierigkeiten einigermaßen begegnet wird, macht deren Auf- und Anstellung doch nur vermehrte Arbeit. Die Benutzung einer etwa verfügbaren Wasserkraft ist aber in vielen Fällen ganz unmöglich, weil diese um so mehr an eine gewisse Oertlichkeit gebunden ist. Es ist demnach gerade für die land wirthschaftlichen Gewerbe das Bedürfniß vorhanden, eine Betriebskraft auf weite Strecken ohne Verlust fortleiten zu können, und als ein schon vielfach hierzu benutztes Auskunftsmittel stellen sich die Hirn'schen Drahtseiltransmissionen dar.

Hirn wendete vor etwa 20 Jahren zuerst zur Fortpflanzung einer Kraft von 10 Pferden auf 80 Met. Entfernung eine Transmission an, welche aus zwei hölzernen, 120 Umgänge pro Minute machenden Treibscheiben von 2 Met. Durchmesser bestand, über die ein schwaches endloses Stahlband als Uebertragungsmittel gelegt war. Dieses Stahlband ersetzte er aber bald durch ein Seil aus Eisen- oder Stahldraht und die Scheiben mußten dazu entsprechende Seilspuren bekommen.

Die Erfahrungen, welche man nach vielfachen Anwendungen dieser Transmissionsmethode gemacht hat, haben nun dahin geführt, daß man solche Transmissionsseile zunächst aus einer gedrehten Hanfseele bestehen läßt, welche man gewöhnlich mit mehreren aus sechs Eisen- oder besser Stahldrähten von 1/2 bis 1 Millimet. Dicke gebildeten Litzen umgibt; die Litzen sind sämmtlich nach Einer Richtung gedreht oder gezwirnt, und in der entgegengesetzten Richtung um die Hanfseele geschlungen, durch welche Fabricationsmethode man die sonst sich einstellende schlangenartige Krümmung des Seiles vermeidet. Aus der Größe der zu übertragenden Kraft läßt sich bei Berücksichtigung der angemessenen Geschwindigkeit leicht die nöthige Stärke eines solchen Seiles bestimmen, und wenn diese passend gewählt ist, ist auch die Dauer eines Seiles eine befriedigende.

Mehr Schwierigkeiten hat man immer in einer zufriedenstellenden Ausführung der Seilscheiben gefunden. Es darf ein solches Drahtseil sich weder an den Seiten der Vförmigen Seilspuren klemmen, noch darf die Fläche der Scheibe, auf welcher es aufliegt, von Metall hergestellt seyn. Um eine weichere Unterlage für das Seil zu schaffen, höhlte Hirn den Grund der Vförmigen Seilspur in der Scheibe schwalben-schwanzförmig aus und füllte diese Vertiefung mit Gutta-percha aus. Da aber diese letztere, obschon sonst ganz passend für diesen Zweck, durch Wärme und Witterungseinflüsse leidet und sich erweicht, so hat man Leder an ihrer Stelle anzuwenden versucht.

Solche Lederausfüllungen stellt nun Peltier jun., Fabrikant landwirthschaftlicher Apparate in Paris (10, rue Fontaine an Roi) so her, daß er je nach der Größe der Scheiben deren Umfassung ihrer Länge nach aus zwei oder drei Lederstreifen bestehen läßt; diese Lederstreifen werden in die zu ihrer Aufnahme eingedrehte Spur eingelegt und ihre Enden durch enge Oeffnungen im Scheibenkranz hindurch nach innen gezogen. Dort werden sie alsdann an Zugschrauben angehängt, durch deren Anziehen man leicht den Lederstreifen die gehörige Anspannung ertheilen kann, damit sie sich immer fest auflegen, wenn sie auch durch irgend welche Einflüsse sich verlängern sollten. Es bieten dann solche Lederausfüllungen eine ganz zweckentsprechende, dauerhafte, leicht in Ordnung zu haltende Unterlagsfläche für das Drahtseil. F. (Deutsche Industriezeitung, 1872, Nr. 51.)

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: