Titel: Ueber Conservirung von Nahrungsmitteln durch Kälte; von Boussingault.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1873, Band 207/Miszelle 10 (S. 341–342)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj207/mi207mi04_10

Ueber Conservirung von Nahrungsmitteln durch Kälte; von Boussingault.

Vor einigen Jahren (i. J. 1865) wurde in Flaschen eingeschlossene Rindfleischbouillon einige Stunden lang in ein Kältegemisch eingesetzt, dessen Temperatur auf |342| – 20° C. sank. Noch heute hat diese Fleischbrühe alle Eigenschaften, welche sie besaß, als sie der Einwirkung der Kälte unterworfen wurde.

Zuckerrohrsaft, in einem verschlossenen Gefäße enthalten, derselben Temperatur (– 20° C.) ausgesetzt, wurde dadurch vor jeder Veränderung bewahrt.

Zu diesen Versuchen wurde ich durch die den Geologen wohlbekannte Thatsache veranlaßt, daß die Zersetzung von Muskelfleisch durch niedrige Temperatur Jahrhunderte lang verhindert wird. So wurde an der Mündung der Lena in Sibirien im Jahre 1804 der Cadaver eines Elephanten, von Eis umschlossen, aufgefunden, dessen Fleischtheile so gut erhalten waren, daß sie den Raubthieren zum Fraße dienten. Und dieß ist keineswegs ein ausnahmsweiser Fall. Die Untersuchungen der Küsten des Eismeeres zwischen der Lena und Kolyma, sowie die Untersuchungen von Capitän Beckey auf seiner Reise in der Escholzbai in Nordamerika, jenseits des Polarkreises, haben zur Entdeckung von Tausenden von Elephanten, Rhinocerosen und Büffeln geführt, welche im Eise und im gefrorenen Morastboden jener Gegenden begraben sind.

Zu dieser Mittheilung bemerkte Larrey, daß sein Vater, der berühmte Chirurg, im russischen Feldzuge des Jahres 1812 häufig die verhältnißmäßige oder mehr und weniger vollständige Conservirung von Menschen- und Thierleichen, welche unter dem Schnee lagen, constatirt habe, im Gegensatze zu solchen Cadavern welche auf der bloßen Erde oder an freier Luft gelegen hatten und weit rascher in Fäulniß übergegangen waren. (Comptes rendus, t. LXXVI p. 189; Januar 1873.)

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