Titel: Verfahren zum Leimen von Därmen aus Pergamentpapier; von Dr. Julius Stinde in Hamburg.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1873, Band 207/Miszelle 12 (S. 428–429)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj207/mi207mi05_12

Verfahren zum Leimen von Därmen aus Pergamentpapier; von Dr. Julius Stinde in Hamburg.

Die außerordentliche Rolle, welche die Erbswurst bei der Verpflegung unserer siegreichen Armee im Feldzuge 1879 – 71 spielte, ist männiglich bekannt.

Die Wurstform des consistenten Erbsbreies hatte sich als die brauchbarste herausgestellt, allein es fehlte an den nöthigen thierischen Därmen, um der Nachfrage nach Erbswurst genügen zu können, und es mußten daher künstliche Därme erzeugt werden. Es lag nun nahe, sich des bekannten Pergamentpapieres, welches die thierische Membran fast vollkommen ersetzt, zur Darmfabrication zu bedienen, allein es stellte sich heraus daß die Erzeugung einer runden, darmartigen Hülse auf einen bedeutenden Widerstand stieß – es ließ sich das Pergamentpapier nicht dauerhaft kleben. Man besaß kein Klebmittel, welches dem kochenden Wasser widerstanden und sich nicht in jeder Feuchtigkeit aufgelöst hätte. Die mit der Nähmaschine hergestellten Därme ließen das Fett aus den Stichlöchern herausfließen und konnten nicht gebraucht werden.

Die Berliner Erbswurstfabrik erhielt jedoch plötzlich das erwünschte Klebmittel und die Fabrication nahm eine ungeahnte Ausdehnung an. Das Verfahren der Herstellung der Därme wird – so viel ich weiß – noch geheim gehalten, allein ich glaube annehmen zu dürfen, daß es mit dem meinigen übereinstimmt, wornach die Fabrication der Wurstdärme in folgender Weise ausgeführt werden kann:

Man schneidet Pergamentpapierstreifen von der Länge und Breite, daß sie gerundet das gewünschte Wurstformat liefern, feuchtet die Streifen und legt sie glatt auf einander. Das Papier kann tagelang feucht liegen, ohne sich zu verändern. Vor dem Kleben breitet man die feuchten Streifen so aus, daß jeder Streifen um 1 – 2 Centimeter unter dem nächsten hervorsteht.

Dann werden die vorstehenden Flächen mit dem Klebmittel bestrichen, der Rand wird übergebogen und mit einem Falzbein angedrückt.

Das Klebmittel wird bereitet aus

Gelatinelösung von Klebconsistenz,

der hinzugefügt wird:

doppelt-chromsaures Kali 3 Procent.

Auf einen Liter Gelatine oder Leimlösung von solcher Stärke, daß sie gut klebt, genügen 25–30 Gramme fein geriebenes rothes chromsaures Kali.

Wenn das Papier mit diesem Leim, der im Wasserbade schwach erwärmt wird, geklebt winde, legt man die Streifen auf Weidenborde und trocknet rasch. Die getrockneten Streifen werden dem Licht ausgesetzt, bis der gelbe Leim bräunlich wird, worauf sie in hinreichender Menge von Wasser ausgekocht werden, dem man 2 bis |429| 3 Proc. Alaun zugesetzt hat. Das langsame Kochen wird so lange fortgesetzt, bis alles chromsaure Kali ausgezogen ist; dann wäscht man in kaltem Wasser und trocknet.

Die so erhaltenen Pergamentdärme reißen nicht an der Klebstelle, trennen sich in kochendem Wasser nicht auseinander und sehen – wenn weiße Gelatine genommen wurde – sehr appetitlich aus.

Es basirt, wie man sieht, das ganze Verfahren auf nichts Anderem, als auf der Grundlage der Kohlebilder, der Albertotypie und des Lichtdruckes – bei Anwendung der Chromgelatine, Ohne die Photographie, welche das Studium der Chromgelatine anregte, würden die künstlichen Wurstdärme ein frommer Wunsch geblieben seyn. (Photographisches Archiv, 1878 3. 2.)

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