Titel: Verbesserungen in der Photolithographie.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1873, Band 207/Miszelle 13 (S. 429)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj207/mi207mi05_13

Verbesserungen in der Photolithographie.

Paul hat eine neue Methode gefunden, das photographische Bild auf Stein zu übertragen. Die gewöhnliche Methode besteht darin, daß man ein Papier mit einer Mischung von doppelt-chromsaurem Kali und Gelatine überzieht, und nach der Belichtung unter einem passenden Negativ das Ganze mit fetter Schwärze bedeckt; dann taucht man das Papier in heißes Wasser, durch welches die nicht veränderte Gelatine aufgelöst wird und das Bild mit der fetten Schwärze (Uebertragstinte) zurückbleibt; dieses wird alsdann auf den dazu hergerichteten Stein gelegt und nach bekannter Manier übertragen.

Einer der Fehler dieser Methode besteht in der Schwierigkeit, ein scharfes zartes Bild zu erhalten, wo feine Linien vorhanden sind. Das beiße Wasser, welches die Gelatine auflöst, veranlaßt eine Aufschwellung der unlöslichen Theile des Bildes und wirkt auch erweichend auf die lithographische Tinte; beide Umstände verhindern die Entstehung einer vollkommenen Haarschärfe und Zartheit.

Der Uebertrag auf den Stein wird bekanntlich durch schwere Pressung bewirkt, und wenn sowohl die Tinte als auch die Bildstellen aus Gelatine erweicht sind, so liegt die Gefahr vor, daß beide durch den Druck breit gequetscht werden, was überhaupt bei allen Uebertragungen leicht vorkommt, wenn das Papier Textur zeigt.

In Paul's Methode ist dieser Uebelstand vermieden. Es wird keine Hitze angewendet, um die löslichen Theile der Bildschicht zu entfernen. Dieses ist hauptsächlich erreicht durch Abschaffung der Gelatine und Einführung von Albumin an dessen Stelle (Osborne benutzt zu gleichem Zwecke Albumin in Verbindung mit Gelatine). Albumin ist bekanntlich in heißem Wasser unlöslich., dagegen löslich in kaltem Wasser. Die Schwierigkeit, welche die Papiertextur darbietet, welches selbst in den feinsten Sorten eine Neigung hat, durch Anfeuchten rauh zu werden, ist überwunden durch Anwendung des Uebertragpapieres der Autotype-Compagnie, welches eine elfenbeinartige Oberfläche besitzt.

Dieses wird präparirt mit einer Mischung von gleichen Theilen geschlagenem Albumin und gesättigter Lösung von doppelt-chromsaurem Kali. Man erhält nach dem Trocknen der Mischung eine gleichartige harte Oberfläche. Wenn es genügend exponirt ist, wird es auf einen Stein gelegt, der mit fetter Schwärze eingerollt ist, und durch die Presse gezogen. Dieses wird einige Male mit veränderter Lage des Papieres wiederholt. Dann bringt man es in eine Schale mit kaltem Wasser und läßt es eine Zeit lang weichen. Das unveränderte Albumin wird gelöst und durch leichtes Reiben mit einem feinen Schwamme entfernt. Man erhält so ein sehr feines und scharfes Bild, welches zum Uebertragen fertig ist. Das kalte Wasser hat keinen nachtheiligen Einfluß auf das Bild und auf die fette Tinte. Das Uebertragpapier der Autotype-Compagnie behält in kaltem Wasser seine feine Textur, und die unlösliche Bildschicht wird nicht weiter afficirt als eben nöthig, um kräftig auf den Stein zu wirken, wenn sie beim Uebertragen mit diesem zusammengepreßt wird.

Simpson sagt, daß die Proben von Uebertragung von Paul mit zu den feinsten gehören, die er gesehen hat. (Photographische Mittheilungen, Februar 1873, S. 284.)

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