Titel: Ueber die Einwirkung von Düngemitteln auf die Verunkrautung.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1873, Band 207/Miszelle 18 (S. 431–432)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj207/mi207mi05_18

Ueber die Einwirkung von Düngemitteln auf die Verunkrautung.

Man hat bisher bei Besprechung der Einwirkung von natürlichen und namentlich von künstlichen Düngemitteln auf alle möglichen directen und indirecten Wirkungsweisen derselben hingedeutet, merkwürdiger Weise aber fast ganz und gar die Abhängigkeit der Verunkrautung einer Feldfrucht von der Verwendung specifischer Düngemittel außer Augen gelassen. Und doch ist es klar, daß sowohl aus leicht zu übersehenden |432| theoretischen Gründen eine solche Beeinflussung thatsächlich bestehen muß, wie auch dieselbe ein sehr erhebliches praktisches Interesse besitzt.

R. Heinrich hat kürzlich diesem Einfluß der Düngemittel auf die Verunkrautung bei Düngungsversuchen an Rothklee seine Beachtung geschenkt und hat dabei den Grad der Verunkrautung in Procenten der geernteten Pflanzenmassen festgestellt und in Tabellen ausgedrückt.

Derselbe fand für folgende Düngemittel den angegebenen Procentgehalt an Unkräutern:

ohne Düngung 57 Proc.
Düngung mit schwefelsaurem Ammoniak 30
„ „ Chilisalpeter 26
„ „ Schwefelsäure 18
„ „ schwefelsaurer Magnesia 10
„ „ Chlornatrium 7
„ „ schwefelsaurem Kali 5,5
„ „ kohlensaurem Kalk 4,9
„ „ Aetztalk 4,5
„ „ Superphosphat 4,4
„ „ Gyps 1,9

Das gewonnene Resultat läßt sich dahin zusammenfassen, daß bei dem Versuche ohne Düngung die Unkräuter am meisten überwucherten, daß Düngungen mit stickstoffreichen Substanzen dieselben auch noch relativ begünstigten, während Kalksalze und an deren Spitze der Gyps dieselben beinahe bis zum Verschwinden in den Hintergrund drängten. Die Kalksalze und vor Allem der Gyps sind also nicht bloß in der Hinsicht ein specifisches Düngemittel für Klee, daß sie eine große Massenproduction desselben bewirken, sondern sie helfen auch dem Klee seinen Kampf um's Daseyn mit anderen Gewächsen erleichtern, so daß diese bis auf einen verschwindenden Bruchtheil verdrängt werden. Freilich stehen beide Thatsachen mit einander in einem nahen Zusammenhang, aber doch nicht so, daß die eine eine nothwendige Folge der anderen wäre, und daß es nicht eines besonderen Nachweises jener bedürfte. Denn auch die stickstoffreichen Düngemittel begünstigen unter Umständen die Massenproduction des Klees, ohne ihm im Kampf um's Daseyn wesentlich behülflich zu seyn, weil eben die concurrirenden Gewächse beinahe in gleicher Weise durch diese Düngemittel begünstigt werden.

Insofern war allerdings die hierdurch in's Licht gestellte Thatsache schon bekannt, als man wußte, daß der Kleereichthum einer Wiese sich nach Kalkdüngungen außerordentlich vermehrte. Allein die Thatsache wurde bei Empfehlung bestimmter Düngemittel für gewisse Culturen nicht genügend berücksichtigt und doch hat dieselbe gerade für den Anbau anderer Feldfrüchte, bei welchen der eigentliche Zweck der Cultur durch Verunkrautung mehr geschädigt wird als beim Klee, ein sehr erhebliches praktisches Interesse. (Neue landwirthschaftliche Zeitung, Januarheft 1873; aus dem Naturforscher, 1873, Nr. 8.)

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