Titel: Ueber den Guß von Röhren.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1873, Band 207/Miszelle 6 (S. 426)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj207/mi207mi05_6

Ueber den Guß von Röhren.

Die Bestimmung, gußeiserne Röhren stehend zu gießen – bemerkt Gießereidirector Westendarp in Hannover in einer längeren Abhandlung über Bestimmung der Wandstärke gußeiserner Rohre in der „Zeitschrift des Architekten- und Ingenieurvereines zu Hannover“ – hat neben dem Vortheil, daß das die Form ausfüllende flüssige Eisen den Kern, um den das Rohr gegossen wird, nicht einseitig zu verschieben sucht, wie das bei liegend gegossenen Röhren der Fall ist, den einzigen Zweck, das Hinaufsteigen und den Austritt der beim Eingießen des Eisens in die Form mit hineingezogenen oder darin zurückgebliebenen Luftbläschen, Kohlenstäubchen und Schlackentheilchen in solche Theile des Rohres zu fördern, die für dasselbe bleibend nicht erforderlich sind, das sind die Trichter und verlorenen Köpfe, um sie dadurch unschädlich zu machen. Der Auftrieb dieser Theile erfolgt, weil sie specifisch leichter als das flüssige Eisen sind; da mithin deren Beseitigung das Eisen reiner macht, so wird es dichter, demgemäß seine Festigkeit erhöht. Nicht aber wird die Festigkeit durch stehenden Guß deßhalb erhöhl, weil der statische Druck des Eisens größer ist als beim liegenden Guß. Die Molecüle ordnen sich folgend dem mächtigen Einfluß der chemischen Gesetze und den Gesetzen der Wärme, und lassen sich darin nicht beirren durch statische Druckhöhe des Eisens von 3 bis 4 Meter. Auf jener falschen Ansicht beruht auch die in der Praxis häufig vorkommende Bestimmung, die Rohre sollen mit den Muffen nach unten gegossen werden. Nur aus der oben angeführten falschen Anschauung über die Consequenzen des stehenden Gusses ist diese Bedingung entstanden, indem man annahm, das untere Ende des Rohres sey, weil das gedrücktere, auch das festere, und der Muff, welchem doch das beste Material gegeben werden müsse, sey daher nach unten zu gießen. Gute Rohre sollen überhaupt von gleichförmiger Qualität seyn. Es muß also durch die Einrichtung der Form dafür gesorgt seyn, daß der mitgenommene Schmutz sich entfernen kann. Das ist aber leichter zu ermöglichen, wenn sich die Form nach oben erweitert, also wenn man den Muff nach oben nimmt, als wenn man die Sache umkehrt, um so leichter noch, weil der Muff mehr Masse enthält und länger flüssig bleibt. Außerdem kommt hierbei noch in Betracht, daß der Muff mit einem sehr geringen Aufwand an Material bedeutend verstärkt werden könnte, daß also eventuell selbst dieses geringe Opfer nicht zu scheuen wäre, um nicht das für die Ausscheidung der Schlacken wesentlich bessere Verfahren den Muff beim Guß oben im Kasten haben zu können, aufgeben zu müssen. Die Bestimmung, den Muff beim Guß unten im Kasten zu haben, ist also, streng genommen, verkehrt. (Deutsche Industriezeitung, 1873, Nr. 8.)

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