Titel: Eisenbahnschwellen eine lange Dauer zu geben; von H. Treutlen in Dresden.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1873, Band 207/Miszelle 10 (S. 514–515)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj207/mi207mi06_10

Eisenbahnschwellen eine lange Dauer zu geben; von H. Treutlen in Dresden.

Alle bisher angewandten Mittel, den Eisenbahnschwellen eine größere Dauer zu geben, um den bedeutenden Holzverbrauch zu beschränken und den Kostenaufwand zu vermindern, haben noch zu keinem erwünschten Resultate geführt; die kiefernen Schwellen haben sich noch am geeignetsten gezeigt, aber auch sie währen selten über sechs Jahre. Es bietet sich jedoch ein Mittel dar um die Dauer der Schwellen vielleicht zu verfünffachen und damit eine erhebliche Holzersparniß und Minderaufwand für die Eisenbahnen zu erzielen.

Die Schwellen, gleichviel von welcher Holzart, sofern sie nur die erforderliche Festigkeit hat, werden in der Luft so weit ausgetrocknet, als dieß, ohne zu großen Zeitaufwand, thunlich ist; darauf in einen Raum gebracht, welcher künstlich erwärmt und die Wärme darin nach und nach so gesteigert werden kann, daß selbst eine Erhitzung des Holzes erfolgt, nachdem es vollkommen ausgetrocknet ist.

Hierauf werden die Schwellen, in möglichst warmen Zustande, in einen mit verdicktem Steinkohlentheer entsprechend gefüllten Imprägnirungsapparat gebracht, worin sie, unter Druck so lange verbleiben, bis sie möglichst imprägnirt sind, wozu der Steinkohlentheer in erhitztem Zustande zu erhalten ist; darauf werden sie auf Sand, Steinkohlen-, Braunkohlen-, Torfasche oder dergleichen, welche vermittelst Durchwerfens von groben Bestandtheilen befreit ist, gelegt und mit solchen überstreut und getrocknet. Nachdem Letzteres vollkommen erfolgt ist, werden die Schwellen durchgesehen ob sie ganz dicht mit der Theermasse überzogen sind und jeder Spalt oder Riß von denselben ausgefüllt ist; wo dieß nicht stattfindet, wird es durch Ueberstrich mit heißer Theermasse herbeigeführt.

So erhält man Schwellen, welche eine große Dauer haben müssen. Die sogenannte Dachpappe und die Häusler'sche Holzcementbedachung geben dafür den |515| besten Beleg. Ich habe Dachpappen (Theerpappen) gesehen, welche 15 Jahre auf der steilen Fläche eines Mansardedaches gelegen hatten, auf keine Weise corrodirt waren und wie Metall klangen.

Die Häusler'sche Hohcementbedachung besteht aus einer flachen Bretschälung, auf welche vier Bogen Papier mit verdicktem Steinkohlentheer übereinander geklebt, dann mit solchem überzogen, befandet und mit einer zwei- oder mehrzölligen Schicht von Sand, Kies oder dgl. überdeckt werden. Es liegen mehr als zehnjährige, vollkommen günstige Erfahrungen darüber vor.

Beim Verlegen der in angegebener Weise imprägnirten Eisenbahnschwellen sind die Nägel, welche zur Befestigung der Schienen dienen, beim Einschlagen in flüssigen, also warmen Steinkohlentheer zu tauchen und ist jede etwa dabei entstehende Spaltung der Schwellen gut mit solchem zu verstreichen.

Die Imprägnirungsmasse muß von gehöriger Beschaffenheit seyn, wie solche zur Dachpappenbereitung verwendet wird, aus verdicktem, mit natürlichem Asphalt und etwas Schwefel versetztem Steinkohlentheer bestehen. Der Schwefel gewährt den Vortheil, daß die Masse nicht so lange klebrig bleibt, sondern leichter erstarrt und einen lackartigen Zustand annimmt.

Bedürfte es noch eines weiteren Beleges für die große Dauer der in angegebener Weise imprägnirten Schwellen, so liefern diesen die asphaltirten Wege, welche sich, wo sie entsprechend hergestellt wurden, auf's Vorzüglichste bewährt haben; nun sind aber die so hergestellten Schwellen nichts Anderes, als asphaltirtes Holz, welches gleiche Dauer verspricht.

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: