Titel: Ueber Eismaschinen für die Bierbrauerei.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1873, Band 207/Miszelle 3 (S. 509–511)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj207/mi207mi06_3

Ueber Eismaschinen für die Bierbrauerei.

In einer in Weihenstephan (Bayern) abgehaltenen Brauerversammlung kam unter Anderem die Anwendung der Eis- und Kälteerzeugungsmaschinen in den Brauereien zur Besprechung und wurde dabei constatirt, daß im Allgemeinen die Bereitung des Eises durch Eismaschinen noch zu theuer komme; am verbreitetsten sey die Maschine von Carré, bei welcher aber viel Ammoniak verloren gehe. In mehreren größeren Brauereien werde die auf der Compression und Expansion von Luft beruhende Eiserzeugungsmaschine nach Franz Windhausen's Patent aus der Eismaschinen-Actiengesellschaft in Braunschweig besonders als Kaltluftmaschine eingeführt. Die Productionskosten des Eises stellen sich bei kleineren Maschinen dieser Art höher als bei großen; sie betragen bei Maschinen von 200 bis 400 Pfund Eisproduction pro Stunde, 6 bis 5 Sgr. pro 100 Pfund; bei Maschinen von 400 bis 600 Pfund Eisproduction pro Stunde, 5 bis 4 Sgr. pro 100 Pfund; bei Maschinen von 600 bis 1000 Pfund Eisproduction pro Stunde, 4 bis 3 1/2 Sgr. pro 100 Pfund fabricirten Eises.

Hierbei sind ein Kohlenpreis von 10 Sgr. pro Centner, die Löhne der für den Betrieb nöthigen Arbeiter, Maschinist, Heizer und eventuell Hülfsarbeiter, zu 25 Sgr. pro Schicht, für Zinsen und Amortisation 12 1/2 Procent vom Anlagecapital und eine Betriebszeit von 200 Tagen pro Jahr angenommen.

Für den Verkauf wird das Eis bei den kleineren Maschinen in Platten, bei den größeren in Blöcken bis zu 10 Centner Gewicht hergestellt. Speiseeis (Tafeleis) wird in großen Bassins in großen krystallklaren Platten von 6 bis 10 Centimeter Dicke erzeugt. Wie viele Versuche gezeigt haben, können auch sehr große Räume, wie Gähr- und Lagerkeller, mittelst der Windhausen'schen Maschine leicht auf der erforderlichen niedrigen Temperatur erhalten werden. Die Windhausen'sche Eismaschine wird auch dann noch vortheilhaft durch directe Luftkühlung wirken, wenn die aus der Maschine austretende – 40° C. kalte Luft zunächst erst Eis erzeugt und darauf aus dem Eisapparat |510| in verminderter Quantität noch mit – 10° bis – 15° C. in die Keller strömt. Für Brauereien ist die Kältewirkung der Maschine eine bei weitem günstigere, wenn man nicht erst Eis macht und dieses zur Kühlung der Keller benutzt, sondern die kalte Luft direct aus der Maschine in die Keller strömen läßt. Die bisherige Kühlung der Gähr- und Lagerkeller geschieht durch das Eis in den ausgedehnten Eiskellern und zwar durch natürliche Luftcirculation, indem die Luft der Keller das Eis bestreicht und abgekühlt wieder zurücktritt. Selbstredend kann auf diese Weise nur ein Theil der Kälte des Eises nutzbar gemacht werden, weil die Erdwärme der Eiskeller einen großen Theil der Kälte absorbirt; dieser Theil beträgt, gering angeschlagen, 25 Procent. Andererseits gewinnt man aus der in der Maschine gekühlten Luft auch nur 75 Procent der Kälte, wenn sie zur Eisproduction verwendet wird, während die Kälte der Luft ganz gewonnen wird, wenn sie direct zur Kühlung in die Keller tritt.

Wenn nun die Keller mittelst der Windhausen'schen Maschine direct durch Kaltluftventilation gekühlt werden, so sind selbstredend die Eiskeller überflüssig und eventuell als Lagerkeller verwendbar. Die Zinsen und Amortisation für diese Keller betragen aber weit mehr als diejenigen für die Eismaschinen, welche dieselben ersetzen; es brauchen daher bei der Berechnung der Herstellungskosten des Eises Zinsen und Amortisation der Eismaschine nicht mit gerechnet zu werden, wodurch dann der Preis pro 1 Centner Eis bei den größeren Maschinen sich auf 3 Sgr. stellt. Die Kältewirkung, welche der eines Centners in die Eiskeller eingelegten Eises gleich ist, ermäßigt sich demnach durch Kaltluftventilation auf 0,75 × 0,75 × 3 Sgr. = 1 Sgr. 8 Pfg.

Hierbei sind die Kosten für die Kältewirkung berechnet, ohne Rücksicht darauf, daß die Maschine auch noch auf andere Weise sehr vortheilhaft in den Brauereien ausgenutzt werden kann. Dieß ist in der Richtung möglich, daß der Dampf, welcher der zum Betrieb der Eismaschine dienenden Dampfmaschine entstörmt, zur Erwärmung von Wasser verwendet wird, welches in größeren Brauereien für die verschiedensten Zwecke, insbesondere zum Schwenken der Fässer, erforderlich ist. Die bezügliche Einrichtung würde in den meisten Fällen ähnlich zu machen seyn, wie sie gegenwärtig für die Brauereien von P. Overbeck in Dortmund und von J. Hildebrand in Pfungstadt bei Darmstadt und für die Cervezeria Argentina in Verbindung mit je einer größeren Eismaschine vorbereitet wird. Hier strömt nämlich das zur Kühlung der comprimirten Luft benutzte Kühlwasser (durch diesen Proceß schon nahezu um 10° C. erwärmt) direct aus den Kühlern der Eismaschine in einen besonders construirten Röhrencondensator, in welchen der gebrauchte Dampf aus der Dampfmaschine eintritt und das Wasser weiter bis auf etwa 80° erhitzt. Dieses heiße Wasser tritt dann von hier in eine Röhrenleitung, aus welcher es durch Hähne an den verschiedenen Stellen, wo es gebraucht werden soll, abgezapft wird, während der condensirte Dampf zum Speisen des Kessels benutzt werden kann. Da nun in den Brauereien meist mehr warmes Wasser nöthig ist, als durch den Retourdampf der Dampfmaschine, welche nur zum Betrieb der Eismaschine dient, erwärmt werden kann, so ist es zweckmäßig, die Dampfmaschine für die Eismaschine um so viel stärker zu construiren, daß sie zugleich auch als Betriebsmaschine für die betreffende Brauerei dienen kann, in welchem Falle es dann nöthig ist, daß die Maschine jederzeit leicht abgekuppelt werden kann.

Bei solcher Einrichtung stellt sich selbstverständlich das Eis und die kalte Luft der Eismaschine außerordentlich billig und sicherlich meist viel billiger, als man auf dem bisherigen Wege durch Natureis diese Kältewirkung erreichen konnte. Denn hat eine Brauerei keine Eismaschine, so ist dennoch ein Heizer und Maschinist für die Betriebsdampfmaschine nöthig, und es muß auch mindestens dasselbe Quantum Brennmaterial zur Erwärmung des nöthigen heißen Wassers aufgewendet werden, welches eine entsprechende Eismaschine zu ihrem Betrieb erfordert. Es kann demnach, abgesehen von Zinsen und Amortisation der Eismaschine als solcher ohne Betriebsdampfmaschine, die Kältewirkung in den Brauereien ohne besonderen Aufwand von Betriebskosten erzielt werden. Wegen des Umstandes endlich, daß Brauereien, welche mit diesen Maschinen versehen sind, von Wetter und von der Jahreszeit ganz unabhängig sind und demnach das ganze Jahr hindurch brauen können, wird das Anlagecapital kleiner und das Betriebscapital, da nicht so große Massen Bier wie bisher auf Lager gehalten zu werden brauchen, bedeutend geringer, so daß wohl anzunehmen ist, alle Brauereien von |511| nur einiger Größe werden binnen Kurzem die Eismaschinen dieser Art als ein nothwendiges Zubehör ihrer Brauerei erkennen, selbst wenn sie das Natureis im Winter sich billig verschaffen können. (Deutsche Industriezeitung, 1873, Nr. 8.)

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