Titel: Dollander's Schlichtekoch- und Speiseapparat für Kettenschlichtmaschinen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1873, Band 208, Nr. XI. (S. 21–23)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj208/ar208011

XI. Dollander's Schlichtekoch- und Speiseapparat für Kettenschlichtmaschinen.

Aus dem Bulletin de la Société industrielle de Mulhouse, November und December 1872, S. 337.

Mit Abbildungen auf Tab. I.

Der von dem Fabrikanten E. Dollander in Wildenstein (Elsaß) ausgeführte und der Société industrielle zu Mülhausen zur Begutachtung vorgelegte Apparat hat zum Zweck, Kettenschlichtmaschinen während des Ganges derselben ununterbrochen auf mechanische Weise mit gekochter Schlichte zu versehen. Der Apparat ist nicht sehr complicirt und weist manche Vortheile gegenüber der gewöhnlichen Handspeisung, selbst gegen die vielfach verbreitete englische Zuführmethode der Schlichte auf. Auch ist die Unterhaltung und die Reinhaltung des Dollander'schen Apparates sehr einfach und bequem. Ueberhaupt lassen sich dessen Vorzüge nachstehend zusammenfassen:

1) die Schlichte wird vor Einführung in den Schlichtetrog der Maschine gekocht;

2) die Zuführung in den Schlichtetrog geschieht ununterbrochen und in bequem zu regulirender Weise. Es läßt sich dieselbe genau nach dem Verbrauche der Fäden einstellen.

Beide Operationen, Kochen und Zuführung, erfolgen zugleich während des Ganges der Schlichtmaschine, und wird die zugeführte rohe Flüssigkeit |22| durch einen Dampfstrahl gekocht und innig mit der Schlichte im Schlichtetrog vermengt.

3) In Folge dessen ergibt sich eine vollständige Gleichförmigkeit der Schlichtflüssigkeit im Schlichtetroge während der ganzen Dauer des Processes.

4) Der Schlichtetrog bleibt stets gleich hoch gefüllt; es braucht daher die Führungswalze, welche die Kettenfäden in den Schlichtetrog niederführt, keiner fortwährenden Nachstellung. Die Schlichtwalzen tauchen ununterbrochen gleich tief in die Schlichtflüssigkeit.

5) Der vorliegende Apparat erzielt (nach Angabe des Erfinders) eine Ersparung an Schlichte von 6 bis 10 Procent gegenüber dem englischen (Simon'schen) Apparate.

6) Verluste an Schlichtmaterial durch Ablagerungen und drgl. finden nicht statt. Man hat nur vor Beginn der Arbeit die während der Unterbrechung etwa gebildete Kruste von der Oberfläche der Schlichtflüssigkeit abzunehmen.

Dieß vorausgesendet, gehen wir zur Beschreibung der Einrichtung, bezieh, der Wirkungsweise des Dollander'schen Schlichtekoch- und Speiseapparates über, da erstere durch die deutlichen Abbildungen in Figur 16 bis 18 sich von selbst ergeben wird.

Man beginnt mit dem Anrühren des Wassers mit dem Schlichtmaterial (Stärke, Mehl oder dergl.) in dem Gefäße i, in welchem zur Erzielung einer gleichförmigen Vermengung und zur Verhütung von Ablagerungen, Rührer in fortgesetzter Bewegung erhalten werden. Hierauf wird die im Schlichtetroge enthaltene Schlichte angewärmt oder zum Kochen gebracht, indem man den Hahn h der Dampfleitung e sowie die Klappe c im Schlichtetroge öffnet, wobei durch den einströmenden Dampfstrahl eine Circulation der Schlichtflüssigkeit im Sinne der angegebenen Pfeile durch die Röhre b, das Querrohr a und die Zweigröhren f, f hervorgerufen wird.

Behufs Speisung des Schlichtetroges wird die Pumpe k in Gang gesetzt, der Abzugshahn l des Gefäßes i und endlich der Hahn g am Ende der Zuleitungsröhre n, letzterer nur nach Maaßgabe des Bedarfes, geöffnet. Die überschüssig durch die Pumpe zugeführte rohe Schlichtflüssigkeit gelangt durch die Rohrleitung o zurück nach i.

Die aus dem Hahn g in den Trichter d herabfließende Flüssigkeit kommt im Querrohr a mit dem einströmenden Dampfstrahl aus der Leitung e in Berührung, wird gekocht und durch die Zweigröhren f, f in den Schlichtetrog befördert, in welchem in Folge der herrschenden Bewegung eine innige Vermengung der Schlichtflüssigkeit eintritt.

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Die Stellung des Hahnes g hängt selbstverständlich von dem Verbrauche der Schlichte ab, und kann von dem Arbeiter nach kurzer Uebung sehr genau vorgenommen werden.

Zur Beendigung der Arbeit schließt man den Hahn g, dann die Klappe c und läßt den Dampfhahn h während einer Minute noch offen, um durch Dampf die Röhren b, a und f, f zu säubern. Ehe die Pumpe k eingestellt wird, öffnet man den Lufthahn m und schließt den Abzugshahn l, so daß nun die eingepumpte Luft die in der Rohrleitung n und o enthaltene rohe Schlichtflüssigkeit zurück nach dem Gefäße i befördert.

Dieser Darstellung mögen noch einige Bemerkungen des Berichterstatters G. Dollfus folgen.

Um die Unzukömmlichkeiten der Handspeisung für Kettenschlichtmaschinen zu beseitigen, hat man in England verschiedene mechanische Vorkehrungen getroffen, worunter eine (von Simon herrührende) besonders verbreitet ist.

Hiernach wird das Gemenge aus Wasser und Mehl einige Tage in Kufen behufs des Sauerwerdens umgerührt, dann aber mittelst einer Pumpe durch ein Schlangenrohr getrieben, welches in einem gußeisernen cylindrischen Gefäße eingeschlossen ist. Durch Einführung von Dampf in diesen Kessel wird die Schlichtflüssigkeit auf dem Wege durch das Schlangenrohr gekocht und gelangt sodann durch einen einsprechenden Rohrstrang in den Schlichtetrog. Der Ueberschuß geht durch einen Heber zur Kufe zurück.

Mit Hülfe eines Manometers und eines Ventiles am Kochkessel regulirt man die Dampfzuleitung, bezieh, die Temperatur der Schlichtflüssigkeit.

Dieser Apparat erfüllt wie jener von Dollander vollkommen den beabsichtigten Zweck. Letzterer aber besitzt die entschiedenen Vortheile geringerer Kosten in der Aufstellung, der Unterhaltung und im Kraftverbrauch; er ist bequemer bezüglich der gleichförmigen Wirkungsweise zu controlliren und zu reguliren. Ganz besonders günstig ist aber die Erzielung der Circulation im Schlichtetrog, wodurch die frisch zugeleitete Flüssigkeit gut vermengt und eine große Gleichförmigkeit der Schlichte erreicht wird.

Ein Dollander'scher Apparat steht in Wesserling bei Gros, Roman, Marozeau und Comp., ein anderer in Wildenstein bei dem Erfinder im Betriebe.

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