Titel: Malcolm, über die Feldtelegraphen der brittischen Armee.
Autor: Malcolm,
Fundstelle: 1873, Band 208, Nr. XV. (S. 30–43)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj208/ar208015

XV. Ueber die derzeitigen Feldtelegraphen der brittischen Armee; von Capitän Malcolm.

Aus dem Journal of the Society of Telegraph Engineers, vol. I p. 170; durch das polytechnische Centralblatt, 1873 S. 212.

Die Feldtelegraphen haben die bestimmte Aufgabe, dem commandirenden Generale möglichst schnell Meldung zuzuführen und seine Befehle möglichst schnell abzusenden. Der General muß daher mit den etwa vorhandenen telegraphischen Hauptlinien des Landes, in welchem er operirt, in Verbindung stehen; besitzt das Land aber keine Telegraphenlinien, wie es in Abessinien der Fall war, so muß der General eine solche von seiner Operationsbasis aus mit seinem Vorrücken fortlaufend bauen lassen. Eine Linie der letzteren Art nennt man eine halb-bleibende (semi-permanent), und es zerfällt daher das ganze englische Telegraphensystem in vier Abtheilungen: 1) das bleibende Netz, wozu z.B. die vorhandenen unter der Post stehenden Telegraphen zu rechnen sind; 2) das halbbleibende oder die das Hauptquartier mit der nächsten oder besten bleibenden Linie verbindende Linie, wovon man in Indien ausgiebigen Gebrauch macht; 3) der eigentliche Feldtelegraph, welcher das Hauptquartier mit mindestens den Divisions-Generalen verbindet und die verschiedenen Armeetheile unter einander; 4) die optischen Telegraphen (Visual Signalling system), durch welche die verschiedenen Commandanten mit ihren Feldwachen, Posten, Patrouillen etc. in Verbindung stehen und mittelst deren auch Mittheilungen zwischen der Küste und Schiffen ausgetauscht werden können.

Es würde sich empfehlen, dann und wann (etwa bei den Herbstmanövern) die Errichtung einer längeren halb-bleibenden Telegraphenlinie |31| zu versuchen, damit die Officiere und Mannschaften, welche einst im Felde den Betrieb zu besorgen haben, einige Einsicht in den einigermaßen abweichenden Betrieb einer solchen Linie bekommen. Man sammelt das Material für eine solche Linie von 100 engl. Meilen Länge an. Wie es scheint, beabsichtigt man für den Betrieb und wahrscheinlich auch für den Bau und die Unterhaltung dieses Verbindungsgliedes zwischen den bleibenden und den Feldleitungen einst und in einer noch nicht bestimmten Weise einen Theil der gewöhnlichen Telegraphenbeamten zu verwenden, und einige von den Officieren und Mannschaften der Royal Engineers wurden in den Dienst des Postamtes gezogen, um da den Betrieb der unter demselben stehenden Telegraphen kennen zu lernen. Wenn man aber an die außerordentliche Entwickelung des Telegraphensystemes in der preußischen Armee vor Paris blickt und sich erinnert, daß die Preußen mit bewundernswürdiger Vorsicht die sämmtlichen telegraphischen Hülfsquellen ihres Landes organisirt und verwendbar gemacht hatten, so können eine, zwei oder drei Abtheilungen zur Aufrechthaltung des Telegraphendienstes nicht ausreichen, wenn England in einen großen Krieg verwickelt wird und seine Generale sich erst des Telegraphen zu bedienen gelernt haben, und doch hat die Erfahrung ausreichend gelehrt, daß es schwer ist, diese Art des außer-militärischen Dienstes vor der Front (wie man sagt), mitten unter dem Getöse, Getümmel und den Gefahren der wirklichen Kriegführung von anderen als militärischen Leuten thun zu lassen, welche an die Formen nicht mehr als an die Mühseligkeiten des Militärlebens gewöhnt sind. Soll der Feldtelegraphendienst im Kriege von Erfolg seyn, so muß das Ganze der Einrichtungen im Frieden gut eingeübt werden. Es wurde bezüglich der Freiwilligen gefordert, daß wenigstens die Divisions- und Brigadestäbe bleibend seyn sollten, damit die Generäle ihre Brigadegeneräle, diese ihre Stäbe u.s.f. kennten. Wenn das schon vortheilhaft wäre, so muß es noch viel Wünschenswerther seyn, die Mannschaft im Frieden durch Wiederholung einzuüben. Hoffentlich wird irgendwie ein Personal gebildet, welches den Telegraphendienst auf den bleibenden und halb-bleibenden Linien zu übernehmen vermag, und es werden diese halb-bleibenden Linien überall möglichst nahe an die Hauptquartiere heran geführt, so daß zwischen ihnen und den Vorposten nur eine kurze Strecke durch die Feldtelegraphen und die optischen Signale auszufüllen bleibt.

Für diesen Dienst besteht jetzt in England eine Truppe oder Abtheilung des Royal Engineer train, und diese umfaßte am 21. September 1871:

|32|

Details der Ausrüstung und Mannschaft

Gewicht eines Drahtwagens (leer) 15 Ctr. 70 Pfd.
(beladen) 30 70
(mit Bemannung) 43 35
einer Drahttrommel (1 1/2 Meile engl.) 1 44
eines Stationswagens (leer) 16 77
(beladen) 21 49
(mit d. Telegraphisten) 26 98
Länge des isolirten Drahtes auf jedem Wagen 3 engl. Meilen
„ „ „ „ der Truppe 36
Officiere 3
Unterofficiere zu Fuß 16
„ zu Pferd 25
Handwerker: Hufschmiede 7
Zimmerleute 2
Wagner 4
Sattler 3
Trompeter 3
Sappeure 93
Fahrer 72
Signalgeber 20
–––
Summe 249

Die Anzahl der Telegraphisten ist noch nicht festgestellt. Der Dienst wurde von aus den Sappeuren und Mineuren ausgewählten Leuten gethan.

Die Truppe ist in drei Sectionen abgetheilt, deren jede 12 Meilen isolirten Draht, in einzelnen Längen von einer halben Meile mit sich führt, welche sehr passend und bequem durch eine Ebonit-Verbindung sich verbinden lassen, mittelst deren in weniger als einer halben Minute eine praktische, wasserdichte Verbindung sich herstellen läßt, welche aber in noch kürzerer Zeit, ohne Beschädigung, behufs einer leichten Aufsuchung von Fehlern, wieder gelöst werden kann. Andere halten nicht isolirten Draht und Säulen für besser. Zu dem vorhandenen System hat man sich indessen nach vielen sorgfältigen und erschöpfenden Versuchen im Kleinen entschlossen und bei den letzten Herbstmanövern hat sich das Kabel nach dem Urtheile des die Telegraphentruppe commandirenden Hauptmannes vollständig bewährt. Die Frage der Beaufsichtigung der Linie, im Frieden und im Kriege, ist in England noch nicht vollständig erledigt.

Das jetzige Kabel hat 1/3 Zoll Durchmesser und enthält eine Litze |33| aus drei verzinnten Kupferdrähten (Nr. 20 der Birminghamer Drahtlehre), welche mit Kautschuk isolirt und durch eine spiralförmig darum gewickelte Lage von starkem, mit Kautschuk getränktem Segeltuch äußerlich geschützt ist. Das Gewicht einer Meile beträgt 300 Pfd. Dieser isolirte Draht ist in Längen von einer halben Meile auf hölzerne Trommeln gewickelt, welche auf die sechsspännigen Drahtwagen geladen werden. Die Drahtwagen haben das Untergestell und die Räder eines gewöhnlichen Militärwagens, wobei das Ganze so leicht als möglich gebaut ist; auf dem Wagen liegen die Trommeln, in zwei Reihen, so auf einem Rahmen, daß der Draht nach Bedarf von den hinteren Trommeln ablaufen kann, wie der Wagen fortfährt. Jeder Wagen enthält 3 Meilen Draht, ebenso zwei Dutzend eiserne Tragsäulen, auf welchen der Draht über die Straßen welche er kreuzt, hinweggeführt werden soll; denn obwohl das Kabel so fest und gut ist, daß es durch darüber fahrende Wagen, wenn es ungeschützt auf macadamisirten Straßen liegt, nicht beschädigt wird, so ist doch nicht zu erwarten, daß Etwas, was minder fest ist als eine eiserne Stange, die Verwendung bei einer Armee aushalten könnte. Die Säulen sind schmiedeeiserne Röhren, aus zwei Längen hergestellt, wobei das Fußende 10 Fuß lang und 1 1/4 Zoll im Durchmesser und das Kopfende 9 Fuß lang und 1 Zoll im Durchmesser ist, in das Fußende hineinpaßt und beim Gebrauche auf diesem durch einen Bajonnethaken befestigt wird. Wenn es erforderlich ist, können diese Säulen durch drei Seile, welche vorräthig sind, versteift werden. Der Draht wird in einem Holzpflock befestigt, welcher in die Spitze der Säule paßt. Jeder Wagen ist auch mit einer Tragbahre ausgerüstet, welche für den Fall des Bedarfes auch mit Rädern versehen werden kann, damit man auf ihr eine Kabeltrommel dahin schaffen kann, wohin der Nagen nicht fahren kann oder soll. Das Gewicht der Tragbahre ist 25 Pfund, das der Spindel, auf welche die Trommel gesteckt wird, 7 1/2 Pfund. Wird eine Kurbel zum Wiederaufwinden des ausgelegten Drahtes mitgenommen, so kommen noch 5 Pfd. dazu, und das Gewicht einer vollständig ausgerüsteten Trommel mit einer halben Meile Draht beläuft sich nur auf 200 Pfd. Endlich befinden sich auf jedem Wagen noch zwei gußeiserne Erdplatten von 18 Zoll Länge und 4 1/2 Zoll Breite und etwa 1/2 Zoll Dicke (welche ausreicht, um die Platte in jeden Boden einzutreiben), und ein Faß von 6 Gallons Inhalt, gefüllt mit Wasser, damit man den Boden entsprechend anfeuchten kann. Mit einer Leiter aus zwei Längen von je 9 Fuß und einigen Nägeln, mit denen der Draht, wenn nöthig, an einer Mauer befestigt werden kann, schließt die Lifte des Hauptinhaltes der Wagen.

Mittelst einer hübschen Einrichtung am Hinterrade kann der ausgelegte |34| Draht wieder aufgewickelt werden. Es sind nämlich auf die Radachse und die Trommelachsen Scheiben aufgesteckt und über jede läuft ein Riemen; sobald dann der Wagen fortfährt, läuft die Trommel um und wickelt den Draht wieder auf. Durch diese Einrichtung, welche sich vollkommen bewährt hat, wird viel Arbeit erspart und sie ist so wirksam, daß, während nur etwa 3 Meilen Draht in einer Stunde ausgelegt werden können, etwa 3 1/2 bis 4 Meilen in der Stunde wiederaufgenommen werden können. Außerdem ist noch ein kleiner Hakenstock vorhanden, um den Draht von Hecken und Zäunen, mit denen die Straßen gewöhnlich eingefaßt sind, losmachen zu können.

Der Beamtenwagen ist dem Wagen eines wandernden Photographen nicht unähnlich; er hat 9 Fuß 5 Zoll Länge, 4 Fuß 6 Zoll Breite und 8 Fuß 6 Zoll Höhe, leer 16 Ctr. 77 Pfd. Gewicht. Im Dienste wird er wohl mit vier Pferden bespannt werden müssen, da sich auf ihm alle Instrumente und Vorräthe zur vollständigen Ausrüstung einer elektrischen Telegraphenstation befinden, zugleich mit einem Satz von optischen Tag- und Nachttelegraphen der besten Form. Der Wagen enthält nämlich ein Paar Morse-Schreibapparate, versehen mit dem Siemens'schen polarisirten Relais und mit dem Digney'schen Filz-Farbscheibchen, welches man gewählt hat, weil es so transportabel und stets zum Dienst bereit ist. Ein Paar dieser Apparate ist bleibend auf einem Tische des Wagens befestigt und mit den Batterien darunter verbunden. Ein Paar mehr militärische Farbschreiber sind in Vorrath vorhanden, für nahezu bleibenden Dienst verfügbar, und zwei militärische Klopfer für kurze Zweiglinien, auf denen die Aufnahme der Telegramme nicht nöthig oder nicht zweckmäßig ist. Auch Reserve-Batterien sind da. Die Leitungen münden durch Löcher in der Seitenwand des Wagens ein und aus, welche aus dem sogenannten Clarkson'schen Material hergestellt ist, einem Stoff der sich in der Armee sehr bewährt hat; derselbe besteht nämlich aus sehr dünnem Holz, das in außerordentlicher Weise durch Segeltuch verstärkt wird, welches durch Leim steif gemacht ist; aus diesen: Material sind die englischen Stationswagen, Pontons und Werkzeugkästen gemacht, kurz, fast Alles, was bei möglichster Leichtigkeit große Widerstandsfähigkeit gegen eine rauhe und anstrengende Benutzung bedarf.

Zu den Batterien wird jetzt eine Art von Daniell'schen Elementen benutzt, welche von dem Quartiermeister Sergeant Mathieson der Electrical School in Chatham zusammengestellt worden ist; doch denkt der Verf., die Erfahrungen würden mehr und mehr zu der Verwendung der Leclanché'schen Elemente anstatt der Daniell'schen hin drängen.

Der Stationswagen ist mit Vorräthen und Werkzeugen aller Art |35| möglichst gefüllt, welche durch Riemen und Klammern in möglichst sicherer Lage untergebracht und befestigt sind. Der Wagen hat zwei kleine Fenster aus Spiegelglas und wird nächstens mit Deckenlampen ausgerüstet werden. Man läßt die Telegraphisten lieber fahren als gehen oder reiten, denn so wird ihnen erstens körperliche Anstrengung erspart und sie brauchen zweitens auch am Ende des Marsches nicht für ihre Pferde zu sorgen, sondern können ihren Specialdienst mit dem geringsten nutzlosen Aufwand von Kraft thun. Gegenüber dem Apparattische befindet sich ein Kasten aus Flechtwert, welcher einen sehr guten Sitz für die Beamten bietet und zugleich einen Satz optischer Tag- und, Machtsignale enthält, damit der Stationswagen mit der nächsten Signalstation, wenn dieselbe sichtbar ist, in Verkehr treten kann.

Um die Truppe und auch den Rest der Genie-Abtheilung mit Telegraphisten zu versorgen, wurde unter Leitung des Verf. eine Schule in Chatham eingerichtet, welche als Freiwillige zu besuchen die Mannschaften der Royal Engineers veranlaßt werden. Bei der Aufnahme der Freiwilligen wird auf ihr Alter, Charakter, ihre Handschrift etc. mit Rücksicht auf den Telegraphendienst gesehen; dann treten sie in einen Probecurs von etwa drei Wochen ein, in denen ihr Fortschritt scharf überwacht wird; wenn ihre Befähigung nicht ausreicht, empfiehlt man ihnen am Ende dieser Zeit den Rücktritt in das Militär. Während dieser Zeit werden sie im Lesen und Telegraphiren mit den: einfachen Nadeltelegraph und mit dem Morse-Apparat unterrichtet, in der Zusammenstellung und Reinigung der Batterien unterwiesen, in der Verbindung der Drähte, in der Aufrichtung der Tragsäulen und der Befestigung der Isolatoren. Am Ende der dritten Woche sollen sie die Befähigung für diesen Specialdienst gezeigt, die vollständige Kenntniß des Morse-Alphabetes und die Fähigkeit, auf dem einfachen Nadeltelegraph 15 Wörter in einer Minute zu telegraphiren und acht Wörter aufzunehmen erworben und die übrigen Sachen gut gelernt haben, oder sie werden nicht für fähig gehalten, gute Telegraphisten zu werden, und nicht in die zweite Classe versetzt. Auch in der zweiten Classe erhalten sie noch die Instructions-Löhnung, welche geringer ist als die gewöhnliche. Sie werden im Geben und Empfangen mit dem Morse-Drucktelegraphen, im Lesen nach dem Gehör, in der (rohen) Prüfung der Kabel, im Auslegen d es Liniendrahtes, im Entzünden von Minen und in der Zusammenstellung der Batterien unterrichtet. Dazu werden 49 Arbeitstage verwendet, nach deren Verlauf Diejenigen, welche besondere Befähigung gezeigt haben, zum Aufrücken in die erste Classe ausgewählt werden, während die Uebrigen noch 28 weitere Arbeitstage in der zweiten Classe bleiben, um sich darin in ihrer Ausbildung |36| zu vervollkommnen. Zur größeren Anspornung zu einem eifrigeren Bemühen bei dem Unterrichte in der ersten Classe und weil der Fortschritt darin zum großen Theil von der eigenen Anstrengung jedes Einzelnen abhängt, empfiehlt der Commandant dem Staatssecretär des Krieges, daß die für die erste Classe ausgewählten Unterofficiere und Mannschaften ihre Corps-Löhnung für die 28 Arbeitstage erhalten, während welcher sie in der feineren Prüfung der Kabel, in der feineren Untersuchung, z.B. des inneren Widerstandes der Batterien, des Widerstandes der Zünder etc. und in dem Elektromagnetismus unterwiesen werden. Am Ende des Curses werden die Unterrichteten einer Prüfung unterworfen und erhalten auf Grund derselben ein Zeugniß nach folgendem Schema:



Censur

Befähigung
zum
Liniendienst

Durchlaufene
Classen
Druckapparat.
Geben von
nicht
weniger
als
Klopfer.
Aufnehmen
und Geben von
nicht weniger
als


Bemerkungen
Wörtern in
5 Minuten
Wörtern in
5 Minuten
Sehr vorzüglich gut
sehr gut
3. 2. 1.
3. 2. 1.
130
150
90
90
Vorzüglich gut
sehr gut
3. 2.
3. 2.
110
120
75
75

Der Wortlaut der Censuren „Vorzüglich“ und „Sehr vorzüglich“ darf nicht mißverstanden werden; denn in Wahrheit ist die Sprache „streng officiell“ aufzufassen und bedeutet darnach: 1 1/2 Shilling oder 2 Shilling tägliche Löhnung als Telegraphist werth. Ebenso erstreckt sich die Prüfung der Kabel nicht auf die gewöhnlichen Kabel, sondern nur auf jene eine halbe Meile langen Kabelstücke, welche auf gröbere Fehler und Stromverluste zu prüfen sind. Es finden sich Viele, welche, mit Benutzung eines Handbuches, alle Arbeiten ausführen, welche mit unseren Hülfsmitteln bei Kabeln vorgenommen werden können, sowohl mit dem Differential-Galvanometer, als mit Thomson's Reflexions-Galvanometer, und welche mit den Widerstandsrollen gut Bescheid wissen. Als der Verf. dem Commandanten der Militär-Ingenieur-Schule rieth, die im Schema angegebene Geschwindigkeit im Telegraphiren zu fordern, that er es mit einiger Besorgniß bezüglich des Erfolges; als ihm aber Herr Scudamore beliebigen Zutritt zu den Telegraphenschulen des Postamtes gestattete, überzeugte er sich, daß bei richtiger Leitung die Forderung nicht zu hoch sey und er hat jetzt (wie er glaubt, zufolge der Einführung einer großen Secundenuhr, durch welche die jungen Leute |37| daran gewöhnt werden, selbst nach der Zeit zu zählen) eine Classe, welche 30 Wörter in der Minute telegraphirt und 35 noch zu erreichen hofft; es ist das viel, und der Verf. konnte nicht hoffen, eine so große Geschwindigkeit auf die Dauer aufrecht zu erhalten.

Man hat in England kürzlich begonnen Hornisten, vier auf ein Mal, zur Einübung als Telegraphisten zu commandiren, denn aus irgend welchem Grunde (wie der Verf. vorausgesetzt, weil die Anregung nicht ausreichend ist) ist kürzlich großer Mangel an Freiwilligen eingetreten.

Außer dem Telegraphiren wird in der Schule das Sprengen der Minen gelehrt, wenn der Schüler in die Geheimnisse von geschlossenen und offenen Stromkreisen eingeweiht ist, von Grove's, Walker's und Anderer Batterien, von Platindraht und Abel's Zündern, von magneto- und dynamo-elektrischen Maschinen und von v. Ebner's Sprengpatronen. Mit einer solchen Sprengpatrone warf jüngst ein von Chatham abgesendeter Sergeant in Dublin einen 160 Fuß hohen Schornstein mit einem Aufwande von nur 13 Pfd. Schießbaumwolle nieder und mit möglichst vollständigem Erfolge, so daß man sagte, eine solche Operation sey sehr einfach und die von dem Commandanten der Militär-Ingenieur-Schule angeordneten Vorsichtsmaßregeln seyen gänzlich unnöthig gewesen. Am 25. April 1872 wurden zwei Martello-Thürme, Nr. 35 und 38, in der Nähe von Hastings, in die Luft gesprengt, um 200 Pfd. Schießbaumwolle mit dem vierfachen Gewicht von Schießpulver zu vergleichen; zur Entzündung wurde Elektricität benutzt.

Außer der Schule des Verf. in Chatham sind Schulen in London und Aldershot und an anderen Plätzen, wo das Telegraphiren gelehrt wird. Auch in der Royal Hibernian School soll dieser Unterrichtsgegenstand eingeführt werden. Ebenso arbeitet man sowohl in Roorkee als in Madras in Indien daran.

Bei der optischen Telegraphie (Visual Signalling system) sind Mützen, Handtücher, Spazierstöcke zwar nicht officiell in Gebrauch, doch benutzt man sie und überhaupt gelegentlich Alles, womit man einen „Punkt“ und einen „Strich“ (des Morse-Alphabetes) ausdrücken kann. Officiell sind Flaggen, Scheiben, Nebelhörner und Lampen in Gebrauch, und hoffentlich werden noch in diesem Jahre Versuche mit dem Sonnenlichte gemacht. Vor einigen Jahren wünschte man in Chatham damit Versuche zu machen, doch allerlei Hindernisse kamen dazwischen, namentlich Mangel an Zeit zwischen den auf einander folgenden Unterrichts-Cursen und das geringe Instructionspersonal, dessen Zeit in den Zwischenpausen fast vollständig von den nöthigen Reparaturen an den Unterrichtsmitteln in Anspruch genommen wird. Doch ist der Gegenstand von |38| Mance (bei dem Indo-European Government Telegraph) bei der Regierung angeregt worden; Mance hat auch für diesen Zweck ein Instrument entworfen; wenn man das Sonnenlicht benutzen kann, während die Sonne hell scheint, und eine Lampe mit Drummond'schem Lichte bei Nacht und während die Sonne verdunkelt ist, so steht eine beträchtliche Ausdehnung der optischen Telegraphie zu hoffen. Der Verf. ist von der Leistung der Kalkstifte nicht ganz befriedigt und erwähnt, daß Geld zu Versuchen, behufs der Verbesserung derselben oder ihrer Ersetzung durch ein besseres Material, verwilligt wurde. Die von dem Verf. vorgezeigte Lampe brennt Spiritus, und die Lichtstärke der möglichst reinen Wasserstoffflamme wird durch Sauerstoff vergrößert, welcher in einem Behälter vorräthig gehalten wird und durch den Druck eines aufgelegten Gewichtes aus diesem ausströmt. Dieser Gasbehälter hat nur ein sehr geringes Gewicht und das in ihm enthaltene Gas reicht zu zweistündiger flotter Arbeit aus. Die Verwendung von weißem Licht allein ist der Anwendung von verschiedenfarbigen: Licht der größeren Einfachheit wegen vorzuziehen, und weil man dabei von der Empfänglichkeit des Auges für verschiedene Farben und von der Fortpflanzung von farbigem Licht nicht abhängig ist.

Bei Benutzung eines Signal-Codex kann man Alles wiedergeben und braucht doch nur wenige Zahlen zu telegraphiren. Ein solcher Codex dürfte indessen besonders für bleibende Stationen werthvoll seyn, während für die optische Feldtelegraphie sich das Morse-Alphabet besser eignen dürfte.

In den Fällen wo man von einer optischen Signalstation nur nach der einen Seite hin beobachten und telegraphiren kann, von einer benachbarten Stelle aus dagegen nach der anderen Seite hin, kann man diese beiden Punkte zweckmäßig durch ein leichtes Kabel (von dem eine Meile nur 49 Pfd. wiegt) verbinden und mittelst einer kleinen Batterie zwei Feldklopfer in Gang setzen.

In der Telegraphen-Schule in Chatham wurden seit 1857 bis jetzt 350 Mann ausgebildet und 28 Telegraphisten wurden nach Persien gesendet; die Signal-Schule aber durchliefen seit März 1869:

an Cavallerie Officiere
Mannschaften
18
36
an Infanterie Officiere
Mannschaften
150
286
an Officieren der indischen Armee 41
––––
Summa 531,
|39|

doch dürfte eine öftere Wiederholung und Uebung in dem in dieser Schule Gelernten zu empfehlen, vielleicht auch der Unterricht selbst noch einer Erweiterung bedürftig seyn.

––––––––––

Aus der Discussion, welche sich an den vorstehenden, am 26. April 1872 in der Society of Telegraph Engineers in London gehaltenen Vortrag des Capitän Malcolm anschloß, ist Folgendes zu erwähnen: Bei den letzten Herbstmanövern war W. H. Preece damit beauftragt, die Feldtelegraphen mit den Postamts-Telegraphen in Verbindung zu setzen, und hatte dabei Gelegenheit, sich ein sehr günstiges Urtheil über die Feldtelegraphie zu bilden. Er hält es jedoch für besser, die Drucktelegraphen für den Felddienst ganz zu verlassen und bloß Klopfer anzuwenden, da diese viel leichter, einfacher und transportabler sind, eine rauhere Behandlung vertragen und nicht leicht in Unordnung gerathen. Entgegen der seitherigen Ansicht sey die akustische Telegraphie genauer als die Drucktelegraphie. Das Lesen nach dem Gehör bilde das Gefühl für den Takt (Zeiteintheilung), welcher für den Morse-Apparat so wichtig sey, so daß ein nach dem Gehör lesender Telegraphist genauer telegraphire als ein anderer und so weniger Fehler veranlasse. Nach seiner Meinung sey es unzweckmäßig, die Beamten schnell telegraphiren zu lehren, weil sie dabei ungenau telegraphiren und zu Fehlern Anlaß gäben. Beamte, welcher 30 Worte in einer Minute zu telegraphiren gelehrt würden, wären im Amte wegen der zahlreichen Fehler nicht zu gebrauchen, während die, welche nach dem Gehör lesen, nicht nur genauer arbeiteten, sondern nach und nach auch die nöthige Schnelligkeit erlangten; 30 Wörter in der Minute kann man von einem geübten Telegraphisten erwarten; im Drange der Geschäfte kämen sie auf 35 bis 40 Wörter, im Mittel aus Allem jedoch selten über 30. Für die Leute von Chatham sey das also zu viel. Auch der Draht, welchen die Royal Engineers benutzten, sey nicht der beste für diesen Zweck. Die Wagen dagegen wären so augenscheinlich zweckmäßig, daß auch das Post-Telegraphen-Departement ganz ähnliche Einrichtungen zur Benutzung bei Wettrennen, Wettfahrten in Booten und ähnlichen Vorfällen getroffen habe, welche ohne Zweifel bald ausgedehnte Anwendung finden würden. Major R. H. Stotherd weist auf die Wichtigkeit der Verbindung der verschiedenen Theile einer Festung durch elektrische Telegraphen hin, wie sie sich bei der jüngsten Belagerung von Paris deutlich gezeigt habe; hier sey jedes detachirte Fort mit den benachbarten |40| und der Enceinte durch drei Telegraphen verbunden gewesen: eine elektrische Luftleitung, welche in gewöhnlicher Weise auf Isolatoren an Säulen gelegen habe, eine einige Fuß unter der Erde liegende isolirte Linie und eine Linie optischer Telegraphen. Die Luftlinien waren in wenigen Tagen durch die Kugeln der Belagerer zerstört; die unterirdischen blieben bis zuletzt dienstfähig, da sie ausreichend geschützt waren, und daher kamen die optischen Telegraphen kaum zur Verwendung. Für den in Rede stehenden Zweck seyen also die unterirdischen Linien erfahrungsgemäß die besten. – Er habe im September des verflossenen Jahres den Manövern der italienischen Armee bei Verona beigewohnt. Jedes Armeecorps habe dabei eine Feldtelegraphen-Abtheilung bei sich gehabt, welche der englischen sehr ähnlich ausgerüstet gewesen sey, nämlich mit einem auf dem Erdboden auszulegenden Kabel und mit Stationswagen; für gewisse Zwecke (z.B. zur Benutzung in den Straßen einer Stadt) sey jedoch noch eine auf Säulen zu legende Luftlinie vorhanden gewesen. Diese Telegraphen wurden bei den Manövern genau wie im Kriege selbst benutzt, und die ausgelegten Linien wurden Tag und Nacht durch starke Patrouillen bewacht und von der Mannschaft des Telegraphencorps streckenweise abgegangen und untersucht. Die bei den letzten Herbstmanövern in England hervorgetretenen Schwierigkeiten zeigten sich dabei nicht. Die Linie mit Gutta-percha isolirt, war keineswegs im vollendeten Zustande, da das Isolationsmittel durch die trockene Hitze sehr rissig geworden war. Dieselbe Telegraphen-Ausrüstung hatte 1866 im Kriege eine wichtige Rolle gespielt, und man war mit ihrer Leistung ganz zufrieden.

In Bezug auf die Vorbereitung der Feldtelegraphen-Ausrüstung für den letzten Krieg zeigt sich ein starker Gegensatz zwischen den Franzosen und den Deutschen. Letztere hatten lange vorher ein sehr ausgedehntes Feldtelegraphensystem organisirt und auf alle mögliche Weise verbessert. Die französischen Feldtelegraphen ermangelten einer wirksamen Organisation, und Material und Mannschaft war in erbärmlich mangelhaftem Zustande; die Franzosen hatten beim Beginn des Krieges nur 5 Officiere und 150 Mann, außer den Fahrern, für ihre elektrischen Feldtelegraphen; diese Zahl war für die ausgedehnten Operationen äußerst unzureichend, und es mußten 60 bis 80 Beamte aus dem Civil-Staatstelegraphendienst unter einem Civil-Anführer hinzugenommen werden; auch so vermochten sie den verlangten Dienst nicht zur Befriedigung zu leisten, und Mannschaft und Material wurde sehr frühzeitig in: Feldzuge in Folge des schnellen Vorrückens der deutschen Armeen gefangen genommen. Ein Officier des preußischen Gardepionier-Bataillons in |41| Berlin nannte die französischen Feldtelegraphen-Batterien sehr kräftig; es scheinen die in Frankreich sehr verbreiteten Leclanché'schen Elemente gewesen zu seyn. Als die deutschen Heere vor Paris rückten, wurde ein Telegraphencorps gebildet, bestehend aus zwei Officieren und 141 Mann, welche letzteren aus 50 Mobilgarden, welche die Telegraphenapparate zu bedienen wußten, 44 Civil-Staatstelegraphen-Beamten und 50 Courieren bestanden, und unter einen Ingenieur-Hauptmann gestellt. Das Ganze wurde aber militärisch disciplinirt, da die Mischung aus Civil- und Militär-Elementen in der ursprünglichen Organisation sich nicht befriedigend erwies. Dieses Corps bediente die Linien, welche die detachirten Forts um Paris verbanden, ganz wirksam. Die optischen Signalapparate wurden mit einem aus Seeleuten der Flotte gebildeten Corps bemannt, kamen jedoch nicht sehr zur Verwendung, weil die elektrischen Telegraphen vollständig ausreichten.

Stotherd hält die Drucktelegraphen für den Felddienst für unentbehrlich, damit das gedruckte Telegramm über den Absender und den Empfänger deutlich Auskunft geben, auch mittelst desselben bei etwaiger Verstümmelung der Schuldige leicht entdeckt werden kann. Daher und wegen seiner großen Transportfähigkeit, wurde der Morse-Druckapparat von den Franzosen, Deutschen, Italienern, Oesterreichern und wohl auch von den Schweizern für den Felddienst gewählt. – Die Vorzüge der isolirten und der Luftleitungen wurden oft gegen einander abgewogen. In England entschied man sich für die isolirten Leitungen, weil die ganze Ausrüstung an Material und Mannschaft so klein ist, daß man ein nicht so großes Telegraphennetz, wie das von den Deutschen benutzte, zu bauen versuchen konnte. Für die langen Linien, auf denen die Deutschen die Luftleitungen ihrer Feldtelegraphen benutzten, würde man in England eine sogenannte halb-bleibende Linie aus nichtisolirtem Draht auf Säulen verwenden und die isolirten Leitungen möglichst für die Operationen in der Front aufsparen. Eine isolirte Linie läßt sich viel schneller legen und wieder aufnehmen als eine Luftlinie, und ist nach den Erfahrungen im italienischen Feldzuge von 1866 vollkommen ausreichend für die wirklichen Kriegsoperationen.

Chauvin schöpfte seine Erfahrungen über Feldtelegraphen aus der preußischen Armee im letzten Kriege. Der Feldzug 1866 stellte die Unentbehrlichkeit von Feldtelegraphen außer Zweifel. Im Frieden wird ein zahlreiches, den Staatstelegraphen entnommenes Personal dienstbereit gehalten. Bald nach Ausbruch des Krieges mit Frankreich waren 300 Telegraphisten bereit, mit der vorgehenden Armee auszurücken. Das Telegraphen-Corps war mit Morse-Druckapparaten |42| ausgerüstet und arbeitete niemals nach dem Gehör. Die den Vortrab begleitende Abtheilung führte sehr leichte Stangen und dünne Kupferdrähte mit sich, benutzte auch Kabel, welche auf den Erdboden gelegt oder befestigt wurden, wie es der Dienst und die Verhältnisse gerade forderten. Die Morse-Apparate hatten fast dasselbe Gewicht, wie die bei den Staatstelegraphen verwendeten. Eine andere Abtheilung baute auf mittelstarken Säulen Luftleitungen, um die Verbindung mit den Vorrathsmagazinen der Armee herzustellen. Eine dritte Abtheilung folgte dem Nachtrab bei seinem Einrücken in Frankreich und wandelte die von der zweiten Abtheilung gebauten zeitlichen Linien in Linien von der Beschaffenheit und Dauerhaftigkeit der gewöhnlichen Staatslinien um. Einen großen Theil des Telegraphenmateriales fand die deutsche Armee in Frankreich. Den größten Dienst leistete die Telegraphie bei der Belagerung von Städten und Festungen. Unmöglich hätte die Belagerung von Metz und von Paris ohne elektrische Telegraphen aufrecht erhalten werden können, was auch der deutsche Kaiser gegen Moltke aussprach. Um Paris lief eine Linie von 20 deutschen Meilen Länge und dieser ungeheure Raum hätte unmöglich mit Mannschaft ausgefüllt werden können. Zwei Sätze von Luftleitungen, jeder aus vier Drähten, waren außer dem Bereich der französischen Kugeln errichtet worden, und verbanden 24 Stationen, welche täglich Tausende von Telegrammen um Paris sandten. Den zweiten Vortheil bot der Telegraph bezüglich der Verpflegung und Allsrüstung der Armee aus der Heimath mittelst der Luftleitungen; die französischen Provinzen vermochten nicht den Bedarf zu decken, und daher verschaffte man sich telegraphisch Nachricht über die Zeit der Ankunft der Bedürfnisse. Ein weiterer Nutzen kam dem Heimtransport der Kranken und Verwundeten zu statten, welche bei Ueberladung der Eisenbahnen mit Militärzügen, Kanonen- und Munitionszügen etc. nur durch Benutzung der Telegraphen so schnell den Hospitälern zugeführt werden konnten. Als der Telegraphendienst ausreichend geordnet war, wurden auch so viel als möglich Privattelegramme der Officiere und Mannschaften befördert; natürlich erst als viele Stationen eröffnet und die Verbindung mit den Hauptstationen hergestellt war. Wenn nur möglich, wurde ein Draht dem Privatverkehr überwiesen und die Beförderungsgebühr wurde im Allgemeinen am Empfangsorte erhoben. Die Sicherheit der Linien wurde durch Patrouillen aufrecht erhalten; doch selten konnte eine Linie 24 Stunden lang im Betriebe erhalten werden und die Reparaturen waren sehr beträchtlich. Das einzige Mittel zur Erzielung der Sicherheit bestand darin, bei den französischen Behörden ein Interesse an der Betriebsfähigkeit der Linien zu erwecken |43| und Beschädigungen derselben durch starke Requisitionen an den Städten zu bestrafen; dieß wirkte am besten.

Capitän Colomb berichtet, man sage, daß das Mißlingen des Hauptangriffes der Pariser Communisten auf die Truppen in Versailles den vom Mont Valerien, welcher die Bewegung der Communisten übersehen konnte, dem Commando der Truppen in Versailles gegebenen optischen Signalen zuzuschreiben sey. Bei der Red River-Expedition wurden die Truppenbewegungen hauptsächlich durch optische Signale, den einzig möglichen, geleitet und die Verbindungen zwischen den Transporten zu Wasser und zu Lande erhalten. Im Jahre 1858 habe Colomb sehr viele Versuche zur Benutzung des Sonnenlichtes mit einem von Francis Galton erfundenen Instrumente angestellt; die größte Schwierigkeit dabei rührte von der Bewegung der Erde her. Bei beträchtlicher Länge der Linie habe diese Bewegung in wenig Secunden das Telegraphiren gestört, da dann der reflectirte Strahl nicht mehr am Bestimmungsorte sichtbar war. Bei kurzen Linien fiel diese Störung weg. Professor Babbage habe darauf hingewiesen, daß an Tagen wo die Sonne nicht scheine, der Zenith am hellsten sey, und davon lasse sich vielleicht für die optische Telegraphie Vortheil ziehen. Colomb's Versuche hierüber ließen hoffen, daß man mit unter 45° liegenden Scheiben, deren Oberflächen, entweder durch Spiegelglas oder noch besser durch polirtes Nickel, spiegelnd gemacht wären, auf größere Entfernungen telegraphiren könne. Selbst mit den nichtspiegelnden Scheiben habe er und Major Bolton auf eine Entfernung von 15 Meilen mit größerer Geschwindigkeit, als mit einem anderen optischen Signalmittel möglich sey, Signale gegeben. Von der Küste nach einem Schiffe könne man mit einem solchen Apparate 30 Meilen weit signalisiren. Das Kalklicht hält Colomb nach den Ergebnissen seiner und Bolton's Versuchen für unzuverlässig. Er und Bolton hätten deßhalb das sogenannte Chatham-Licht benutzt.

H. C. Donovan erwähnt, daß im amerikanischen Kriege Telegraphisten mit kleinen Instrumenten und kurzen Drähten umherzogen, welche an die vorhandenen Haupttelegraphenlinien angelegt und letztere auf diese Weise „angezapft“ wurden; manches wichtige Geheimniß sey so der Nordstaaten-Armee bekannt geworden. – In Betreff des Vorzuges der Druckapparate gegenüber den Klopfern, gebe er Preece Recht.

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: