Titel: Kühl, über Entzündungen bei Mahlmühlen.
Autor: Kühl, A.
Fundstelle: 1873, Band 208, Nr. XLVIII. (S. 177–183)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj208/ar208048

XLVIII. Entzündungen bei Mahlmühlen betreffend; von A. Kühl zu Halle a. S.

Wenn nach dem vorhergegangenen dieselbe Angelegenheit betreffenden Artikel Selbstentzündungen bei Mahlmühlen verschiedene Ursachen haben können und außerdem noch von Andern die Artikel darüber in Betracht gezogen werden, so könnte es scheinen, eine Mahlmühle sey hinsichtlich ihrer Entzündlichkeit wie eine Pulverfabrik aufzufassen. Doch würde dieß nicht zutreffen. Der Grad der Entzündlichkeit und der der Explosibilität des Pulvers liegt ja auch zu hoch und zu weit entfernt von dem des Mehles und des Getreides. Zwar sind bei dem Betriebe der Mahlmühlen verschiedene Fälle denkbar, in welchen eine Selbstentzündung für möglich zu halten ist, z.B. kann unter Umständen die Erhitzung des Mahlgutes im Steingehäuse so bedeutend seyn, daß trotz der stetigen Zu- und Abführung von Mahlgut und von Luft bei den Mahlflächen aus dem Mahlgute Kohlenwasserstoffgase erzeugt werden, für welche bei ihrer Entwickelung hier an den Steinen die beste Gelegenheit ist, sich mit der atmosphärischen Luft zu explosiven Gasen zu vermischen und zugleich an der Feuerquelle zu entzünden; so möchte auch der Fall als möglich erscheinen, namentlich bei sehr trockenem Mahlgute, daß der von der Bewegung derselben herrührende Mehlstaub, welcher von dem Mahlgute an bis zum Deckel des Steingehäuses verschiedene Dichtigkeit hat, entzündet wird; weiter tritt der Fall als möglich entgegen, in welchem die Steine leer laufen und der zwischen den Mahlflächen zuvor eingenommene Raum nicht bleibt, so daß der Lauferstein aus irgend einem Mangel auf dem Bodensteine unmittelbar und einseitig pressend schleifen kann und der dadurch hervorgerufene Feuerstrom die Mehlbahn oder das Steingehäuse entzündet (der Geruch nach verbranntem Mehle beim Leerlaufen der Steine möchte hiervon abzuleiten seyn); früher ist an noch andere Fälle gedacht, in welchen eine Entzündung ebenfalls nicht zu den Unmöglichkeiten gerechnet werden, noch zu derselben zu rechnen seyn möchte. Auch haben die Mühlenbrände sich in neuerer Zeit sehr vermehrt. Allein diese dürften ihrer Zahl nach im Verhältniß zu der großen Anzahl der Mühlen immer nur noch als mäßig anzusehen seyn. Außerdem sind die, in der früheren Abhandlung angegebenen Entzündungen sämmtlich zu verhindern. Selbst die wohl am meisten vorkommende Entzündung durch den Funkenstrom an den Mahlflächen, welcher, wie ebenfalls schon früher ausgeführt, durch Störung des Parallelismus gedachter |178| Mahlflächen erzeugt und gedachte Störung von der Balancirhaue ganz ungehindert zugelassen wird, die sogar bisweilen mit großer Kraft erfolgt, kann in vielen Fällen schon durch die feste Haue beseitigt werden. Wenn hiernach und zwar im großen Maaße die Feuersgefahr bei der Balancierhaue besonders entgegentritt, so möchte es nicht überflüssig erscheinen, auch hier nochmals hervorzuheben, daß der Verfasser die mit der Wissenschaft und den Resultaten directer Beobachtungen unvereinbarliche Ansicht niemals hat theilen können, nach welcher der Parallelismus der Mahlflächen besser mit der Balancierhaue als mit der festen Haue erreicht werde und das Letztere das Mehl deßhalb nicht so gut mache als die erstere. Durch Anwendung der festen Haue wird also diese Störung und so auch dieser Feuerstrom am meisten verhindert, ohne daß ein Vortheil in irgend einer Beziehung dabei aufgegeben wird. Ueberhaupt sind die bei Mahlmühlen vorkommenden Selbstentzündungen, wie schon angeführt, sämmtlich zu verhindern, ohne daß eine solche Verhinderung als besonders kostspielig anzusehen seyn dürfte, wenigstens nicht in den meisten Fällen. Hiernach ist selbst der Exhaustor als gefahrlos anzusehen, wenn der zündende Feuerstrom verhindert wird. Wenn freilich dagegen im Steingehäuse Flammen durch denselben entstehen und dieselben in den, in der Regel durch alle Etagen gelegten Exhaustorcanal nachgesogen, überhaupt nachtreten und sich auf allen Etagen verbreiten kann, und wenn noch außerdem dieser Canal in eine Dunstkammer mündet, daß eine solche Flamme oder glühende Kohlentheilchen durch den Luftstrom möglicherweise mit Mehlstaub oder Alkoholdämpfen in Berührung kommen können, dann ist die Gefahr dieses Feuerstromes durch den Exhaustor noch größer. Denn ohne Exhaustorluftzug wird die Entwickelung einer Entzündung durch diesen Feuerstrom im Steingehäuse, falls sich eine solche Entzündung dann wirklich noch entwickeln sollte, jedenfalls seltener vorkommen, auch ist zur schnellen Verbreitung derselben ohne Exhaustorcanal weniger Gelegenheit geboten, dabei wird davon noch abgesehen, daß dann eine solche Entzündung vielleicht noch rechtzeitig bemerkt und unterdrückt werden könnte. Das hier als feuergefährlich angeführte wird also nur dann bedeutungslos beim Exhaustor, wenn die Entzündung im Steingehäuse wegfällt. Zwar wird bei Untersuchung des Glasgower Mühlenbrandes eine Entzündung des Mehlstaubes im Exhaustor angenommen und mit derselben in diesem zugleich eine heftige Explosion vor der Inbrandsetzung; allein es läßt sich im Exhaustor sowohl Mehlstaub als auch, und zwar je nach der Voraussetzung, Kohlenwasserstoffgas in so geringem Maaße nur annehmen, daß von einer heftigen Explosion überhaupt nicht die Rede seyn kann, denn |179| dieser Mehlstaub oder dieses Gas dürfte zu einer Entzündung noch nicht einmal hinreichen. Wäre aber letzteres selbst zuzugeben, so ist der Feuerstrom an den Mahlflächen im Steingehäuse, wo demselben noch keine Wärme entzogen worden ist, wie dieß auf dem Wege nach dem Exhaustor geschieht, wo derselbe vielleicht gar nicht mehr ist, am intensivsten und die übrigen Bedingungen im Steingehäuse viel günstiger als im Exhaustor, so daß in diesem keine Entzündung entstehen kann, ohne daß eine solche im Steingehäuse vorangegangen ist.

Man will bei dem Mischungsverhältniß des Mehlstaubes mit atmosphärischer Luft, welches für eine Explosion am günstigsten seyn soll, durch Rechnung gefunden haben, daß nach der Verbrennung desselben der Druck der dadurch entstehenden gasförmigen Körper dem 8 fachen Atmosphärendruck gleich sey. Es läßt sich vermuthen, daß hierbei die betreffenden chemischen Formeln zu Grunde gelegt sind, denn angegeben hat man die Art dieser Berechnungsweise nicht. Es soll dabei aber wenigstens zur Vorstellung gebracht werden, daß es in der Wirkung ein Unterschied seyn möchte, diese Mischung von einem gewissen Gewichtsquantum nur von einem matten Funken oder von einer intensiven Flamme zu entzünden. Selbst aber zugegeben, daß die hierbei gemachten Voraussetzungen der Wirklichkeit überall entsprachen, daß man also noch von allem Andern dabei absehe, so würde diese Behauptung, also die hinsichtlich des achtfachen Druckes, auf die in Rede stehenden Verhältnisse auch dann noch nicht bezogen werden können. Hierzu müssen verschiedene Werthe als Unterlagen bekannt seyn, also in dem Exhaustor der Grad der Luftverdünnung, der der Temperatur, der Feuchtigkeitsgrad des Mehlstaubes, das Gewicht der Mischung und ihr Verhältniß, also auch das Gewicht des in der Luft befindlichen Mehlstaubes und die Kraft, mit welcher der Mehlstaub, außer der Schwerkraft der Luft noch gehoben wird u.s.w. Der Wissenschaft dürfte es aber bis jetzt noch nicht gelungen seyn, alle diese Werthe zu ermitteln, wenn eine solche Ermittelung überhaupt versucht seyn sollte.

Auch den Fall hat man sich gedacht, in welchem ein Nagel den Weg durch den Trichter nach den Mahlflächen findet, hier schmilzt und durch Berührung des mit der Luft gemischten Mehlstaubes eine Explosion verursacht. Wenn es aber auf Fälle ankäme, in welcher Nägel hierbei gefährlich werden können, dann dürften wohl noch mehr solche anzuführen seyn. Doch ist hierzu zu bemerken, daß schon die Reinigungsmaschine die Function haben soll vom Getreide diejenigen Körper zu trennen, welche der Form nach größer als dasselbe sind. Wird demnach den Mahlflächen ein Metallstückchen zugeführt, so ist ein solches, namentlich |180| bei seinem sehr schnellen Durchgange immer nur breitgedrückt und wohl niemals geschmolzen gefunden worden. Erwägt man, daß bisweilen Mahlgänge beim Mahlen, besonders bei der Balancirhaue einen Funkenstrom stetig erzeugen und das Mahlgut doch nur selten entzünden, weil dasselbe durch die stetige Zu- und Abführung dem Funkenstrom immer nur kurze Zeit ausgesetzt ist; wird weiter erwogen, daß das Mahlgut, selbst dann, wenn dasselbe trocken genannt wird, noch einiges Wasser enthält, welches erst in Dampf verwandelt seyn will und darauf noch ein bedeutender Ueberschuß von Erhitzung vorhanden seyn muß, wenn das Mahlgut dann eine gefahrdrohende Zersetzung eingehen soll, so möchte diesem Fall schon nach dem Angeführten eine große Gefahr nicht beizumessen seyn. Jedenfalls ist das, bei der Balancirhaue durch die Mahlflächen gehende Metalltheilchen noch weit gefährlicher anzusehen, als bei der festen Haue. Will man aber darin eine Gefahr erblicken, so läßt sich diese viel zuverlässiger beseitigen, als durch die dazu in Vorschlag gebrachten Magnete. Zuverlässig, ja absolut läßt sich einer solchen Befürchtung nämlich jeder Grund nehmen durch einige Vertiefungen auf der Mahlfläche des Bodensteins am Steinloche. Solche Vertiefungen sind etwa drei anzubringen, und zwar vom Steinloche an nach dem Umfange zu je von 5'' ungefährer Länge, 1–2'' Breite und 1'' Tiefe. Wenn Laufersteine zu Bodensteinen benutzt werden, und dieselben noch die Hauelöcher enthalten, so lehrt schon die Erfahrung, daß alle Körper, welche specifisch schwerer sind als das Mahlgut, dieselben sich in diesen Löchern sammeln und den Mahlflächen nicht weiter zugeführt werden. Daß dieß geschieht, wird auch noch außerdem klar durch die Gesetze von der Wirkungsweise der Kräfte.

Die beleuchtete und ähnliche Ansichten über Explosionsentstehungen gehen aus folgenden angeführten Schriften hervor: Post-Magazine and Insurance in der Nummer vom 21. December 1872, Deutsche Versicherungs-Zeitung vom 21. Nov. 1872, Industrie-Zeitung von 1872 Nr. 16 Seite 156 und Nr. 41 Seite 405, Polytechnisches Journal von 1872 erstes Septemberheft Seite 485 und erstes Decemberheft Seite 417 und zwar am zahlreichsten auf letztgedachter Seite.

Die beleuchteten, vom Verfasser jedoch für unzutreffend gehaltenen Erklärungen über Mühlenbrände sind entwickelt worden in Folge eines solchen zu Glasgow. Da auch die sogenannte Walzmühle zu Stettin durch Explosionen in Brand gesetzt seyn soll, so dürfte es nicht ganz unnütz seyn, auch über diese Erklärungsweise etwas zu sagen. Nach der letztangezogenen Seite soll Wiebe mittheilen (Mahlmühlen S. 255) daß die sogenannte Walzmühle zu Stettin von Explosionen heimgesucht |181| worden sey und zwar stets beim Ausmahlen der Kleie. Als diese Mühle zum erstenmale abgebrannt sey, soll vorher eine heftige Explosion gehört worden seyn. Die Mühle sey wieder aufgebaut worden, aber nach wenigen Jahren sey abermals eine Explosion eingetreten und zwar in dem Canale hinter dem Exhaustor, welcher den Mehlstaub in's Freie geführt habe. Dieser Canal sey nun zum Dache hinausgeführt worden; nach kurzer Zeit trat wieder eine Entzündung ein, und die Mühle brannte nieder. Wiebe soll der Ansicht seyn, daß die Zapfen des Exhaustors, wenn sie trocken laufen, eine solche Temperatur erlangen könnten, um aus dem Mahlgute dieses Gas zu erzeugen. Die Steine, welche beim Kleiemahlen recht dicht gestellt seyen, geben Funken, die durch den Luftstrom hinter den Exhaustor gelangten und das Gas entzündeten. Wird dagegen erwogen, daß von einem eigentlichen Mahlgute im Exhaustor gar nicht gesprochen werden kann, höchstens vom Mehlstaube, welcher aber, wie schon öfters wiederholt, nach sachgemäßem Ermessen so geringfügig erscheint, daß auf diese Weise noch nicht einmal eine Entzündung für möglich zu halten ist, aber noch weniger von einer solchen Explosion gesprochen werden kann; wird weiter erwogen, daß die Zapfen des Exhaustors sich nicht im inneren Raume befinden, sondern außerhalb dieses Raumes, wie es namentlich in den hier betreffenden Fällen eine sachgemäße Construction bedingt, daß also der geringfügige Mehlstaub aus dem inneren Raume noch gar nicht an den außerhalb befindlichen Zapfen treten kann, aber eben so wenig Gas nach dem inneren Raume, dann muß diese Erklärungsart noch haltloser erscheinen. Derselben wird auch noch keine Stütze gegeben durch den Zusatz, wornach Funken von den Steinen beim Kleiemahlen in dem in der Regel durch alle Etagen gehenden Exhaustorcanal hinter den Exhaustor gelangen und dort von den Zapfen erzeugtes Gas aus dem Mahlgute entzünden sollen. Der Funkenstrom an den Mahlflächen der Steine kann zwar bisweilen sehr intensiv werden, namentlich bei der Balancirhaue, wie auch schon früher ausgeführt worden ist, doch hat derselbe in der Nähe seiner Quelle, im Steingehäuse, die größte Wärme, so daß schon diese, wie auch alle übrigen Bedingungen in letzterem einer Zersetzung und Entzündung weit günstiger sind, als hinter dem Exhaustor, wo solche Funken wenigstens sehr matt geworden sind, wenn an dieser Stelle überhaupt davon noch einige gedacht werden. Doch kann ganz davon abgesehen werden. Denn es ist bereits ausgeführt, daß die betreffenden Zapfen schon wegen Mangel des Mahlguts solches Gas gar nicht erzeugen können, auch da dieselben bei sachgemäßer Construction außerhalb gelagert und noch dazu verdeckt sind, solches Gas mit gedachten Funken im inneren Raume auch nicht in Berührung kommen |182| könnte. Endlich kann aber noch hervorgehoben werden, daß solche Funken durch den Mehlstaub, welcher durch die Bewegung des Mahlguts im Steingehäuse nicht als belanglos anzusehen seyn möchte, hindurch müßten, ohne denselben zu entzünden.

Wenn aber eine solche Ansicht über die Brände der Stettiner sogenannten Walzmühle sich also von der Wirklichkeit noch mehr zu entfernen scheint, als die bei dem Glasgower Mühlenbrande entwickelte, so stimmen beide Ansichten doch darin überein, daß bei den Bränden beider Mühlen erst eine Inbrandsetzung erfolgt sey nach einer vorherigen Explosion im Exhaustor. Zur Unterstützung dieser Behauptung beruft man sich in England mit auf den Continent und auf dem Continent mit auf England. Doch auch mit der Ansicht des Verfassers haben diese Ansichten etwas Gemeinschaftliches, daß nämlich die Entzündung von den Funken der Steine herrührt. Allein, abgesehen von allem Uebrigen, ist der Unterschied schon dadurch doch ein wesentlicher. Diejenigen wenigstens soweit dieselben dem Verfasser dadurch bekannt geworden sind, daß sie sich mit der fraglichen Angelegenheit beschäftigt haben, denken dabei nur an die Explosionsfähigkeit des Fabricats oder an die Möglichkeit der daraus hervorgehenden Stoffe unter Voraussetzung der Entzündung desselben; die Beseitigung der Entzündung, welche also von den Funken der Steine herrühren, die bisweilen mit Recht ein Funkenstrom genannt werden können, ist von denselben kaum berücksichtigt worden. Dagegen ist es dem Verfasser hauptsächlich darauf angekommen, diese Entzündung zu beseitigen, indem derselbe auf ihre Ursachen hingewiesen und zur Verhinderung gedachter Entzündung noch außerdem die Mittel dazu angegeben hat.

Doch soll hier auch noch die Entzündlichkeit des Getreides, namentlich die des Mehles Berücksichtigung finden.

Wenn Getreide oder Mehl nicht als leicht entzündliche Stoffe anzusehen sind, auch bei beiden bei einer bedeutenden Erhitzung oder hohen Temperatur erst Kohlenwasserstoffgase (Leuchtgas) erzeugt werden können; wenn Kisten und die mit denselben in Verbindung stehenden kleinen Holztheile vom Feuer bisweilen unversehrt geblieben sind beim Ausbrennen von Beuteln oder Cylindern, auch dabei nur eine Flamme momentan gesehen, niemals aber eine Explosion gehört worden sey; wenn ferner beim alten System nur offene, sogenannte Kreisellampen geführt wurden, der man sich zu Mehlmischungen und zur Beleuchtung des aus der Kiste fallenden Mahlguts ohne Weiteres bediente, ohne daß man viel von Mühlenbränden gehört hätte: so ist doch nicht in Zweifel zu ziehen, daß durch Mehlentzündungen und sogar von gelinden Explosionen |183| begleitet vorkommen können. Wird Mehl, namentlich wenn dasselbe sehr trocken ist, dem Fallen ausgesetzt, dann wird es einen andern Raum einnehmen und zugleich die in dem letztgedachten Raume enthaltene Luft in einen anderen Raum drängen. Die auf diese Weise entstehende Luftbewegung kann viel Mehl mit fortreißen und letzteres in einer im Raume verbreiteten Staubwolke erscheinen lassen. Wird in dieselbe eine offene Lampe, überhaupt eine Flamme gebracht, und ist diese Staubwolke von solcher Dichtigkeit, daß durch Zersetzung und durch sofort erfolgende Verbrennung der dabei erzeugten Gase die dadurch entstehende Temperatur zur Fortsetzung der Zersetzung und Entzündung der an der Flamme und der, von derselben immer weiter entfernten Staubtheilchen hinreicht, vielleicht sogar die Temperatur noch steigert, dann ist recht gut die Verwandlung gedachter Staubwolke in eine Flamme denkbar. Dieselbe kann dann sogar von einer gelinden Explosion begleitet seyn, wenn der Inhalt des von derselben zuvor eingenommenen Raumes nicht sehr vom Inhalt des begrenzten Raumes, oder gar nicht differirt.

Auch Experimente bestätigen das hier Gesagte. Abhebungen von Dächern, Durchdrückung von Fenstern u.s.w. durch Explosionen, wozu bisweilen nicht viel gehört, sind hiernach also nicht anzuzweifeln.

Allein es ist auch hier nicht schwierig solche Gefahren zu umgehen. Zunächst läßt sich in jeder Mühle die Disposition treffen, Arbeiten, wo sich Mehlwolken bilden können, zu solchen Zeiten vorzunehmen, in welchen kein Licht erforderlich ist; sollte es aber wirklich vorkommen, daß solche Arbeiten auch bei brennenden Lampen vorgenommen werden, dann sind gegen Entzündungen hinreichende Schutzmittel vorhanden.

Erwägt man noch hierzu, daß sich in unseren Wohnräumen noch weit entzündlichere Stoffe befinden, wie Gardinen und häufig noch viel anderes Gewebe, und daß wir dabei bisweilen dennoch in denselben viel mit offenem Lichte verkehren, so möchten wohl solche Mahlmühlen, bei welchen diese gefährlichen Entzündungen verhindert, auch keine groben Verstöße gegen die Regeln des Betriebes anzunehmen sind, nicht feuergefährlicher anzusehen seyn, als unsere Wohnräume an und für sich.

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