Titel: Taucher-Apparate, System Rouquayrol-Denayrouze von L. v. Bremen und Comp. in Kiel.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1873, Band 208, Nr. LIX. (S. 241–262)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj208/ar208059

LIX. Taucher-Apparate, System Rouquayrol-Denayrouze in Paris; von L. v. Bremen & Comp. in Kiel.74)

Mit Abbildungen.

Wichtigkeit und Nothwendigkeit von Taucher-Apparaten.

Die Wichtigkeit und Nothwendigkeit von Taucher-Apparaten zur Ausführung von Arbeiten in den verschiedensten Industrien und für die verschiedenartigsten Zwecke in allen Fällen, wo sich das Wasser dem Schaffen des Menschen hinderlich entgegenstellt, oder wo es seine Schöpfungen zu vernichten droht, bedarf wohl keiner größeren Anerkennung, als daß wir darauf hinweisen, daß unsere Apparate seit langen Jahren Verwendung finden

für Marinezwecke:

in der deutschen, österreichischen, englischen, französischen, holländischen italienischen, spanischen, schwedischen, norwegischen, russischen, amerikanischen und japanesischen Kriegsmarine und den sämmtlichen bedeutendsten Dampfschifffahrtsgesellschaften in Deutschland und dem Auslande, der Norddeutschen Schiffbau-Actien-Gesellschaft in Kiel, den Tauchergefellschaften in Marseille, Kronstadt, Hamburg, Kiel etc.;

für Bauzwecke:

bei den Hafenverwaltungen in Kiel, Wilhelmshaven, Danzig, Bremen, Brest, Marseille, Livorno, Messina, Amsterdam etc. etc., bei der Suez-Canal-Compagnie, bei der Berlin-Hamburger, der Cöln-Mindener, der Bergisch-Märkischen Eisenbahnen etc. etc., der Continental-Gas-Compagnie in London etc. etc.;

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für Fischereizwecke:

bei der Perlen-Fischerei Ménier und Comp. in Taiti, Schwämme-Fischerei Aublée und Comp. in Rhodos, Bernstein-Fischerei Stantien und Becker, Memel;

für Bergwerkszwecke:

bei der königl. preußischen Bergwerksdirection in Saarbrücken, auf den königl. preußischen Gruben in Zabrze in Schlesien, auf den Gruben des Erzgebirgischen Steinkohlen-Actien-Vereins in Zwickau, auf den Gruben der Vereinigungs-Gesellschaft für Steinkohlenbau im Wurmrevier, sowie auf den Gruben des Oberbergamtsbezirks Dortmund, eingeführt durch den Verein für die bergbaulichen Interessen im Oberbergamtsbezirk Dortmund in Essen, auf den Gruben des Bezirks St. Etienne in Frankreich etc. etc., in Verbindung mit unsern Athmungs- und Beleuchtungs-Apparaten in schlagenden und faulen Wettern.

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In der Marine finden die Apparate ihre hauptsächlichste und wichtigste Anwendung zum Zwecke des Untersuchens und des Reinigens von Schiffsböden und Schiffsschrauben, sowie zu sofortigen Ausbesserungen entstandener Lecke, wo ein Docken oder Kielholen nicht möglich ist; den Tauchergesellschaften sind sie unentbehrlich zur Bergung gesunkener Schiffe und Güter.

Für Bauzwecke sind sie von größtem Nutzen bei dem Erbauen von Hafenanlagen, Quais, Fundamentirung von Brücken, Anlagen von Canälen, zur Legung von Leitungsröhren unter Wasser etc. etc.

Im Bergbau haben dieselben seit einigen Jahren weiteste Benutzung gefunden zum Zwecke der Wiedereröffnung von versoffenen Schächten, wie auch zumal zur Ausführung von Reparaturen an den unter Wasser befindlichen Theilen der Pumpen und Hebewerke, deren Schäden so häufig das Versaufen von ganzen Gruben zur Folge haben; wir haben in den Bergbaudistricten Rheinlands und Westphalens verschiedene derartige Arbeiten durch unsere Taucher mit größtem Erfolge ausgeführt.

Die Vorzüge unseres Apparates

im Vergleich mit den vor unserer Erfindung des Regulators ausschließlich zur Anwendung gekommenen englischen, sogenannten Scaphander-Apparaten, sind schon auf der Pariser Weltausstellung 1867 von der vereinigten Jury aller Länder in weitgehendstem Maaße dadurch anerkannt |243| worden, daß von sämmtlichen ausgestellten Taucherapparaten nur den Apparaten unserer Erfindung die große goldene Medaille zuerkannt wurde.

Diese Vorzüge bestehen im Wesentlichsten darin, daß der Taucher nicht, wie beim englischen Apparat, die zu seiner Athmung erforderliche Luft aus dem Raum entnimmt, welcher sich zwischen seinem Körper und dem Anzug resp. im Helm befindet; er athmet beim englischen Apparat aus diesem Raum seine Luft ein und athmet die gebrauchte Luft in denselben Raum aus, so daß er niemals vollkommen reine, frische Luft, wie durch unsern Regulator, athmet.

Die Sicherheit des Tauchers ist beim englischen Apparat ferner nur von der Stärke und der Haltbarkeit seines Anzuges abhängig, da, sobald der Anzug reißt, sein Luftbehälter zerstört wird, während bei unserem Apparat der Anzug nur dazu dient, den Taucher vor Nässe zu schützen und die Sicherheit seiner Athmung vollständig vom Anzug unabhängig ist, wie sich schon aus dem von uns erwähnten Nackttauchen mit unserem Apparate ergibt. Wird ferner dem Taucher, wie beim englischen Apparat die atmosphärische Luft direct in den Helm resp. den Anzug durch die Luftpumpe zugeführt, so daß die Spannung der Luft nicht regulirbar ist, so ist die für das ungestörte Athmen nothwendige Gleichmäßigkeit nie zu erzielen. Diese Gleichmäßigkeit wird durch unseren Regulator hergestellt, und diese Gleichmäßigkeit ist das erste Erforderniß, das Hauptbedürfniß und die Basis für die Sicherheit des Tauchers.

Bei unserem Apparat können die bei der Pumpe beschäftigten Leute an den aufsteigenden Luftblasen, die bei jedesmaliger Ausathmung des Tauchenden an die Oberfläche des Wassers kommen, erkennen, ob der Tauchende noch gesund und wohl und seine Athmung ungestört ist, während bei dem englischen Apparat ein mit der Athmung des Tauchers nicht zusammenhängendes, ununterbrochenes Aufsteigen von Luftblasen stattfindet, von der stetig aus dem Auslaßventil des Helms ausströmenden Luft herrührend. Sobald bei unserem Apparat das Aufsteigen der Luftblasen in den gleichmäßigen Zwischenräumen unterbrochen wird oder aufhört, erkennt man, daß der Tauchende in der Sicherheit seiner Athmung in irgend einer Weise gestört ist, während eine solche Controlle bei dem englischen Apparat vollständig unmöglich; das Aufsteigen von Luftblasen findet auch noch statt, wenn der Tauchende schon lange aufgehört hat zu athmen, während bei unserem Apparat das Aufsteigen mit dem Athmen aufhört.

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Beschreibung des Apparates und seiner einzelnen Bestandtheile.

Der Apparat hat folgende Bestandtheile:

1) Die Luftpumpe.

2) Die Luftzuführungsschläuche mit dem Manometer.

3) Der Regulator.

4) Der Anzug mit Helm und die wollenen Unterkleider.

5) Die Bleischuhe und die Gewichte.

6) Der Nasenverschluß und das Messer mit Gürtel und Scheide.

1. Die Luftpumpe

hat die hier folgende Form:

Textabbildung Bd. 208, S. 244

Die Pumpe hat feststehende Kolben, die mit den Kolbenstangen an der Grundplatte befestigt sind. Die Cylinder bewegen sich auf den Kolben. Die Liderung der Kolben ist von Leder, durch einen Kupferring und Schrauben mit den Kolben fest verbunden. Das in die Cylinder durch die auf denselben befindlichen Wasserhähne einzulassende Wasser preßt sich zwischen den Kupferring und die Ledermanschetten und stellt dadurch einen luftdichten Verschluß her. Das Ventil der Kolben kann durch Herausnahme eines angebrachten Splintes und Abschrauben der Mutter, welche seinen Hub begrenzt, leicht untersucht werden. Auf die Cylinder ist ein Behälter luftdicht aufgeschraubt, in welchem sich das Druckventil befindet. An diesem Behälter befinden sich die Schraubenansätze, an welche die zum Regulator führenden Schläuche angeschraubt werden. Bei 35 Kolbenschlägen liefert die Pumpe 85 Liter Luft in der Minute. Die Kolben, die Cylinder, die Ventile, der Ventilbehälter und die Wasserhähne sind von Bronze, die Grundplatte, der Träger und die Balancierstange sind von Eisen gefertigt.

Man achte vor dem Gebrauch der Pumpe darauf, daß die Kolbenliderung |245| gehörig gefeuchtet wird, damit sie luftdicht schließt. Ist das Leder sehr trocken, so lasse man das Wasser 1 Stunde darauf stehen und drücke die Manschetten mit den Fingern etwas auseinander. Erhitzt sich die Pumpe während der Arbeit, so wiederhole man den Wasseraufguß. Wir verfertigen unsere Luftpumpen in zwei verschiedenen Stärken, für einen oder für zwei Taucher genügend, und kann dieselbe auch bei einer etwa vorhandenen Dampfkraft auf Dampfbetrieb eingerichtet werden.

2. Die Schläuche und der Manometer.

Die Schläuche dienen zur Verbindung zwischen der Luftpumpe und dem Regulator. Sie sind aus Kautschuk mit doppelt eingelegten, verzinkten Spiralen gefertigt, durch einen Ueberzug von starkem Gewebe gegen äußere Beschädigungen gesichert und auf einen Druck von 20 Atmosphären geprüft. An ihren Enden tragen die Schläuche bronzene Schrauben, die innen mit einem Konus versehen sind. Die Schraubenansätze an der Pumpe und dem Regulator haben gleichfalls in ihrem Innern konische Endungen, welche bei dem Zusammenschrauben genau auf die konischen Theile im Innern der Schläuche passen und auf diese Weise die beste Verbindung herstellen. Die von den Schraubenansätzen der Pumpe kommenden Schläuche vereinigen sich in einer bronzenen Gabel, auf welche der Manometer eingeschraubt ist, dessen Zeiger den Luftdruck der von der Pumpe zugeführten Luft anzeigt. Die Scala des Manometers ist in Meter eingetheilt, der Tiefe entsprechend, in der sich der Taucher befindet und nach Maaßgabe des Zeigers müssen die pumpenden Leute die Menge der dem Taucher nöthigen Luft messen und regeln und zwar derart, daß, wenn der Taucher sich 5 Meter tief befindet, der Zeiger des Manometers mindestens auf 5 zeigen muß u.s.w. Die Gabel endigt an ihrem anderen Ende in 1 oder 2 Schraubenansätze, je nachdem ein oder zwei Taucher zugleich tauchen und an diese Schraubenansätze werden die zum Regulator führenden Schläuche angeschraubt. Bei neuen Schläuchen thut man gut, dieselben vor dem Gebrauch durch einmaliges Durchblasen von Luft von etwa in denselben befindlichem Schwefelstaub oder Talg zu reinigen, der sich bei der Fabrication manchmal im Innern der Schläuche absetzt und, in die Lunge gebracht, unangenehme Hustenanfälle hervorrufen kann.

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3. Der Regulator.

Beistehende Figuren zeigen seine äußere Form und seine innere Einrichtung.

Textabbildung Bd. 208, S. 246

Der Regulator besteht aus 2 Haupttheilen, dem unteren größeren Luftreservoir, R der inneren Einrichtung, und der kleineren oberen Luftkammer, B der inneren Einrichtung. Der aus dem Reservoir leitende Schlauch verbindet dieses mit der Luftpumpe; die aus der Luftkammer führende Röhre, T der inneren Einrichtung, führt zum Munde des Tauchers. Reservoir und Luftkammer sind aus galvanisch verkupfertem Stahlblech von großer Widerstandskraft gefertigt und zur Vermeidung von Oxydation im Innern verzinnt; an der Oberfläche des Reservoirs unter der Luftkammer befindet sich eine kleine Oeffnung mit einem Gewinde, in welches das Luftvertheilungsventil eingeschraubt wird, welches die Verbindung zwischen Reservoir und Luftkammer vermittelt.

Das Luftvertheilungsventil besteht aus:

dem Ventilgehäuse,

dem Ventil,

dem Ventilschaft.

Textabbildung Bd. 208, S. 246
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Das Ventilgehäuse ist von Bronze, im Innern ausgebohrt und mit einem Ansatz versehen, in welchem der konische Theil des Ventils genau schließt. – Im oberen Theile des Ventilgehäuses bewegt sich der Ventilschaft, ebenfalls von Bronze gefertigt. Eine am unteren Ende des Schaftes angebrachte Verstärkung hindert sein gänzliches Herausheben aus dem Gehäuse. Das Gehäuse schließt in seinem unteren Ende ab mit einem eingeschraubten Rohrstück, welches mit Löchern versehen ist, durch welche die Luft unter das Ventil tritt. Um etwa miteingeführte Unreinigkeiten der Luft vom Zutritt zum Ventil abzuhalten, sind die Löcher durch ein Drahtgewebe vergittert. Das Gehäuse sowie der Schaft sind mit verticalen Rinnen versehen, um den Zutritt der Luft, am Ventil vorbei, von dem Reservoir in die Luftkammer zu erleichtern. Das Ventil ist von Aluminium-Bronze gefertigt, konischer Form, mit zwei cylindrischen Stiften, welche sich in dem oberen Theile des Rohrstückes und dem unteren Theile des Ventilgehäuses frei auf- und niederbewegen können.

Der Ventilschaft trägt an seinem oberen Ende zwischen zwei Metall- und Kautschuk-Scheiben und mit sechseckigen Muttern befestigt, eine dünne durchbrochene Metallplatte von Zink, welche auf den Deckel einer Kautschukkappe angenietet ist.

Textabbildung Bd. 208, S. 247

Die Kautschukkappe ist auf diese Weise mit dem Schaft fest verbunden. Der Hals der Kautschukkappe wird über die Wände der nach oben offenen Luftkammer gezogen, hierselbst vermittelst eines Schraubringes aus Kupfer hermetisch angeschlossen und bildet so alsdann den oberen Theil der Luftkammer, der vermöge seines elastischen Materiales sich heben und senken kann.

Aus der Luftkammer führt das Rohr T, siehe Figur der inneren Einrichtung des Regulators, nach außen und an dieses wird der zum Munde des Tauchers führende Schlauch angeschraubt, welcher laut nachstehender Zeichnung in eine gebogene Metallröhre endigt,

Textabbildung Bd. 208, S. 247
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auf welcher der Mundverschluß von Kautschuk befestigt ist. Derselbe wird von dem Taucher derart in den Mund genommen, daß er die daran befindlichen 2 Zähne oder Ansätze zwischen seine Zähne nimmt und die Kautschukblätter, an welchen diese Ansätze befindlich, zwischen seine Lippen und seine Zähne einklemmt. Dieser Mundverschluß schließt auf diese Weise vollständig hermetisch. Auf dem Rohr T befindet sich ferner ein kurzer Stutzen, auf welchem das Athmungsventil aufgezogen wird, durch welches die von dem Taucher ausgeathmete, in dem gleichen Athmungsschlauch zurückgeblasene Luft entweicht.

Textabbildung Bd. 208, S. 248

Es besteht aus 2 dünnen Kautschukblättchen, die sich nur durch Athmen oder Blasen von innen öffnen, während der geringste Druck von außen sie schließt.

Der ganze Regulator ist, wie die erste Figur zeigt, auf einer Platte von galvanisch verkupfertem Eisenbleche befestigt, welche der Taucher vermittelst Riemen auf seinem Rücken trägt. Auf dieser Eisenplatte befindet sich auch noch ein Haken, an welchem das Rückengewicht des Tauchers, von dem späterhin die Rede seyn wird, angehängt wird.

Die den oberen Theil der Luftkammer bildende Kautschukkappe und ebenso das Ausathmungsventil aus Kautschuk sind gegen äußere Verletzungen durch einen Deckel von Eisenblech geschützt, der mittelst dreier Schrauben befestigt ist und in der Mitte ein Loch hat, durch welches die äußere Luft oder das Wasser auf die Kautschukkappe wirken kann.

Der Anzug mit dem Helm etc.

Der Anzug ist aus einem Stück aus einer doppelten Lage von mit flüssigem Gummi getränktem, stark gewebtem Zeuge angefertigt. Zwischen den beiden Lagen des Zeuges befindet sich eine Zwischenlage von sehr dünnen Gummiplatten, aus dem reinsten Para-Gummi gefertigt und von größter Elasticität, welche das Durchdringen von Wasser absolut unmöglich machen. Der Halstheil, durch welchen der Taucher in den Anzug hineinsteigt, ist ein Kragen aus sehr starkem, aber auch sehr elastischem Kautschuk, welcher zwischen die beiden Theile des Helms, wie weiter unten beschrieben, eingeschroben wird und hermetisch an diesen anschließt. Vor den Handgelenken hat der Anzug gleichfalls Manschetten aus Kautschuk, die dicht am Handgelenk anliegend, außerdem noch durch Gummiarmbänder wasserdicht angepreßt werden.

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Bei großer Kälte empfiehlt es sich, den Taucher mit Handschuhen, aus Kautschuk gefertigt, zu bekleiden, damit die Kälte nicht seine Hände starr und ungefügig zur Arbeit macht. Die Handschuhe werden alsdann gleichfalls durch das Armband hermetisch um das Handgelenk angeschlossen.

Der Helm, welchen wir seit einigen Jahren an Stelle der Maske ausschließlich in Gebrauch genommen haben, aus Gründen, welche wir auf Seite 260 näher angeben, hat die hier folgende äußere Form.

Textabbildung Bd. 208, S. 249

Er besteht aus 2 Theilen, dem Kragen oder Achselstück und dem eigentlichen Helm. Beide Theile sind aus Kupferblech geschmiedet, im Innern verzinnt und werden mit einander durch Kautschukliderungen und drei Schrauben verbunden. Das Achselstück des Helms wird über dem Anzug getragen und der Kragen des Anzuges durch drei in demselben befindliche Löcher auf die mit einem Schraubengewinde versehenen Bolzen des kupfernen Achselstücks aufgezogen und alsdann der Kopfhelm, der |250| mit seinem unteren Theile genau auf diese Bolzen paßt, auf das Achselstück gesetzt. Auf diese Weise befindet sich alsdann der Kautschukkragen des Anzuges zwischen dem kupfernen Achselstücke und dem Helm und vermittelst dreier, auf die Bolzen aufzuschraubender Muttern wird diese Verbindung hermetisch gemacht.

Im Kopfstück des Helms befinden sich vier starke Glasfenster, von denen das vordere größere ausgeschroben werden kann. Seitwärts mündet in den Helm und an diesen angeschraubt, der von dem Regulator kommende Athmungsschlauch und setzt sich im Innern des Helms fort bis zum Munde des Tauchers, wo er in das oben beschriebene Mundstück endigt. – Ferner befindet sich am Helm ein Hahn, vermittelst dessen etwaige, im Helm oder im Anzug zu viel befindliche Luft entlassen werden kann.

Zum Unterziehen unter den Anzug geben wir einen Anzug, aus starker Wolle gewirkt, bei, bestehend aus Strümpfen, Hose, Jacke und Mütze.

5. Die Bleischuhe und Gewichte.

An den Füßen trägt der Taucher Schuhe von weichem, starkem Rindsleder, mit Schnallen und Riemen zu befestigen.

Textabbildung Bd. 208, S. 250

Die Schuhe sind aufgenietet auf Sohlen von Blei im Gewicht von 10 Kil.

Da dieses Gewicht jedoch nicht genügt, um den Taucher auf einigermaßen große Tiefen unter Wasser zu halten, so trägt er außerdem zwei Gewichte von Blei. Eines, in Herzform, wird vorn auf der Brust an zwei an dem kupfernen Kragen des Helms befindlichen Knöpfen angehängt, siehe Figur des Helms, das andere, in rechtwinkliger Form, auf seinen Rücken an dem Regulator befestigt, wie bei diesem beschrieben. Mit diesen Gewichten kann er bis auf 30 Meter Tiefe tauchen.

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6. Der Nasenverschluß und das Messer.

Textabbildung Bd. 208, S. 251

Der Nasenverschluß findet eigentlich nur seine Anwendung beim Tauchen ohne Anzug und vielleicht in einzelnen Fällen beim Einüben neuer Taucher, um sie an das Ein- und Ausathmen durch den Mund allein zu gewöhnen. Der Nasenverschluß ist von Kupfer; zwei kleine Gummikissen werden seitwärts an die Nase angeschraubt, bis sie luftdicht schließen und dann das Ganze mittelst zweier Bändchen um den Kopf festgebunden.

Der Taucher trägt um seinen Leib einen ledernen Riemen, an welchem eine messingne Oese hängt, zum Durchführen des Schlauches zum Regulator bestimmt und ferner ein Messer, welches in einer bronzenen Scheide vermittelst Leder-Liderungen wasserdicht eingeschraubt ist. Das Messer soll ihm das Mittel bieten, sich am Grunde des Meeres von Kraut und Seegewächsen befreien zu können, welche vielleicht seiner freien Bewegung hinderlich werden.

Die Thätigkeit des Apparates.

Unsere Luftpumpe unterscheidet sich von den sonst Gebräuchlichen einmal dadurch, daß sie feststehende Kolben und bewegliche Cylinder hat, anstatt der sonst üblichen beweglichen Kolben und feststehenden Cylinder. Es wird dadurch ermöglicht, fortwährend Wasser auf den Kolben stehend zu erhalten, wodurch ein hydraulischer Verschluß erzielt wird, der das Entweichen von stark comprimirter Luft, welches bei den anderen Luftpumpen so leicht eintritt, unmöglich macht. Gleichzeitig schützt das Wasser die Luft vor dem Erwärmen und dem Taucher wird nur kalte, frische Lüft zugeführt. Ferner haben wir an Stelle des früheren, oberen, hutförmigen Theils der Cylinder ein kleines Gehäuse angebracht, in dem sich das Ventil befindet. Dieses Gehäuse hat den großen Vortheil, daß man mit Leichtigkeit jeden Augenblick das Ventil untersuchen und reinigen kann, was bei der früheren Pumpe nur durch das umständliche Abschrauben des ganzen oberen Theiles der Cylinder möglich war.

Von der Luftpumpe wird die Luft, deren erforderliche Menge durch das Manometer zu messen ist, durch die Schläuche in das Reservoir des Regulators geführt und die Thätigkeit des Regulators tritt nun folgendermaßen ein: sobald der Druck der in dem Reservoir befindlichen Luft |252| gegen das Ventil und unter die Kautschukkappe der Luftkammer stärker ist, wie der durch die äußere Luft oder den Wasserdruck auf die Kautschukkappe ausgeübte Druck, so wird sich das Ventil gegen die Luftkammer schließen und der auf dem Ventil ruhende Schaft den Deckel der Kautschukkappe heben. Umgekehrt wird sich das Ventil öffnen, sobald der äußere Druck auf die Kautschukkappe größer ist, als der Luftdruck im Reservoir. Der Tiefe des Tauchers entsprechend, ist demnach der Druck der im Reservoir befindlichen Luft, nach Angabe des Manometers, zu reguliren. Befindet sich der Taucher zehn Meter tief und der Zeiger des Manometers zeigt auf zehn, so ist der Druck der im Reservoir befindlichen und unter die Kautschukkappe wirkenden Luft genau gleich demjenigen Druck, welcher von der über der Kautschukkappe befindlichen Wassersäule von 10 Meter Höhe auf die Kautschukkappe ausgeübt wird und entspricht genau der Luftspannung, welcher seiner Tiefe entsprechend, für den Taucher erforderlich ist, um mit gleicher Regelmäßigkeit und Leichtigkeit zu athmen, wie in freier Luft. Sind nun die Drucke, wie eben beispielsweise angegeben, einander gleich und entzieht der Taucher durch seinen Athmungsschlauch das zu seiner Athmung erforderliche Quantum Luft aus der Luftkammer, so entsteht in dieser eine Luftverdünnung und dadurch eine Störung der Gleichmäßigkeit der Drucke; der Druck in der Luftkammer wird nicht mehr im Stande seyn, dem Wasserdrucke das Gleichgewicht zu erhalten, sondern dieser wird den Deckel der Kautschukkappe niederdrücken. Da der auf dem Ventile ruhende Schaft mit dem Deckel fest verbunden ist, so wird auch der Schaft sich mit der Kautschukkappe senken; der untere Theil desselben wird das Ventil niederdrücken und es gegen das Reservoir öffnen. Aus dem Reservoir wird alsdann sofort so viel Luft wieder unter die Kautschukkappe in die Luftkammer strömen, wie der Taucher aus derselben entnommen hat und bis die Gleichmäßigkeit der Drucke wieder hergestellt ist. Dieses Oeffnen und Schließen des Ventils wiederholt sich bei jedem Athemzuge, der Taucher wird aber nie mehr oder weniger Luft oder Luft von größerer oder geringerer Spannung erhalten, als wie er selber durch seine Lunge einathmet und wie für seine Tiefe erforderlich ist. In dieser absoluten Gleichmäßigkeit, welche für ein leichtes und ungestörtes Athmen durchaus nothwendig, liegt der Hauptvorzug unserer Apparate gegen die Englischen, sogenannten Scaphander-Apparate, auf welche wir weiterhin noch näher zurückkommen. Die Ausathmung bewirkt der Taucher, wie schon bei der Beschreibung erwähnt, durch dasselbe Rohr, wie seine Einathmung. Die von ihm in das Rohr zurückgeblasene Luft wird durch das Athmungsventil entweichen, welches sich nun öffnen wird, wenn der Druck |253| von innen größer ist, wie der des umgebenden Wassers, umgekehrt aber wird es sich schließen, wenn der Druck des umgebenden Wassers den Druck von innen überwiegt.

Die Aufstellung und Herrichtung des Apparates zum Gebrauch.

1. Die Pumpe.

Vor dem Gebrauche der Pumpe fülle man die Becher derselben mit reinem Wasser und lasse dieß indem man die Hähne der Becher öffnet und einige Pumpenschläge thut, auf die Kolben fallen, um das Leder derselben anzufeuchten. Ist das Leder sehr trocken, so muß das Wasser eine Stunde auf demselben stehen bleiben und sollte es dennoch Luft entweichen lassen, so drücke man es mit den Fingern etwas breiter auseinander, bis es hermetisch schließt.

Will man sich überzeugen, ob die Pumpe gehörig Luft gibt, so schließe man mit der Hand die Röhrenmündungen an den Pumpenkörpern, auf welche der Gabelschlauch geschraubt wird, und pumpe. Ist die Pumpe dicht, so muß die Luft, welche nun in den oberen Theil des Pumpenkörpers dringt, sobald man die Hand fortnimmt, mit Geräusch entweichen.

Erhitzt sich die Pumpe während der Arbeit, so gieße man Wasser in die Becher und lasse es wie oben auf die Kolben fallen.

2. Schläuche.

Ist die Pumpe in Ordnung, so schraube man den Gabelschlauch auf den Schraubenansatz der Pumpe, setze das Manometer auf die Gabel und schraube an dieselbe den Luftzuführungsschlauch.

Gebraucht man neue Schläuche, so muß man sich vergewissern, daß dieselben nicht verstopft sind oder Schwefelstaub, Talg genannt, enthalten, welcher sich bei der Fabrication in denselben ansammelt. Dieser Talg, welcher heftige Hustenanfälle verursacht, muß unbedingt entfernt werden. Dieses geschieht am leichtesten, indem man pumpt und das Schlauchmundstück einige Augenblicke mit der Hand geschlossen hält und alsdann plötzlich öffnet, so daß der Luftdruck den Talg ausbläst.

Ist der Schlauch gereinigt, so schraube man ihn an den Regulator, indem man ihn durch die am Gürtel des Messers befindliche Oese hindurchleitet.

3. Regulator.

Man untersuche das Ventil sorgfältig und reinige es, wenn nöthig, mit trockenem Leinen, schraube die einzelnen Theile gehörig zusammen und dann das Ventil selbst in den Regulator.

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Alsdann setze man die Gummikappe auf den Schaft des Ventils und befestige sie vermittelst der Schraube und der Kautschukringe, den unteren Theil derselben ziehe man über den Hals der Luftkammer und schließe ihn mit dem Preßringe hermetisch an.

Durch Blasen und Saugen in das Athmungsrohr an der Luftkammer überzeuge man sich, daß die Kappe gut befestigt ist. Der leiseste Hauch muß sie steigen und fallen lassen, wie auch das Ausathmungsventil, welches sich auf der Metallröhre an der Luftkammer befindet, durch den geringsten Hauch in diese Röhre sich öffnen muß.

Sind auf diese Weise die Ventile in Ordnung gebracht, so schraube man den Deckel über die Luftkammer.

Der Athmungsschlauch ist mit Leinen umlegt und an beiden Enden mit einer Schraubenmutter versehen. Man schraube das eine Ende auf die Metallröhre am Regulator, das andere auf die am Helm.

4. Bekleidung des Tauchers.

Der Taucheranzug hat an der Halsöffnung einen Gummikragen; durch diesen Kragen steigt der Taucher in den Anzug und zwar mit den Beinen zuerst, läßt sich dann denselben durch einen Gehülfen über den Körper ziehen, wobei er die Arme hoch hält, steckt diese nachdem durch die Aermel und legt die Armbänder zum Verschluß an. – Die Kopfbedeckung des Tauchers, der Helm, besteht aus dem Kragen und dem eigentlichen Helm von Kupfer, welcher mit vier Fenstern versehen ist. – Um den Helm an den Anzug zu befestigen, setzt man den kupfernen Kragen auf die Schultern des Tauchers, nachdem man, um einen etwaigen Druck zu verhindern, das beigegebene Kissen darunter gelegt hat und knöpft die drei Löcher des Gummikragens auf die drei Knöpfe resp. Schrauben des kupfernen Kragens. Jetzt setzt man den Helm, nachdem man das vordere Glas herausgenommen, dem Taucher über den Kopf, die Löcher im unteren Rande passen genau auf die Schrauben des Kragens; durch Anziehen der Schraubenmuttern wird nun der Helm auf den Kragen gepreßt und so ein hermetischer Verschluß zwischen Helm und Anzug hergestellt.

Die mit Bleisohlen versehenen Schuhe werden um die Fußgelenke des Tauchers fest verschnürt.

Der so bekleidete Taucher nimmt den Regulator auf den Rücken und befestigt ihn vermittelst der Riemen. – Man schraubt den Athmungsschlauch an den Helm und legt dem Taucher die zwei Bleie an, wovon das herzförmige auf seiner Brust an den Haken am Helmkragen, das andere an den Haken am unteren Theile des Regulators aufgehängt wird.

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Textabbildung Bd. 208, S. 255

Jetzt lasse man die Leute anfangen zu pumpen und schraube das aus dem Helm genommene vordere Glas ein.

Der Taucher versuche, ohne sich in irgend welcher Weise anzustrengen und ohne die Lippen zu öffnen, durch das Mundstück, welches im Inneren des Helms sitzt, und nicht durch die Nase, Athem einzuholen und auszublasen, was ihm ohne Schwierigkeit und ohne die geringste Unbequemlichkeit gelingen wird. – Hat sich der Taucher hiervon überzeugt, so kann man ihn mit der größten Sicherheit in jede Wassertiefe schicken, nur achte man darauf, daß während des Pumpens das Manometer einen solchen Druck anzeigt, daß der Zeiger desselben nie unter diejenige Zahl sinkt, welche mit der Tiefe des Wassers, worin sich der Taucher befindet, gleich ist.

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Das Innehalten der hier angegebenen Reihenfolge in der Herrichtung des Apparates ist anzuempfehlen, weil auf diese Weise der Taucher am wenigsten angestrengt wird. Nach Beendigung der Arbeit verfahre man in umgekehrter Reihenfolge, indem man damit beginnt, das Vorderfenster am Helm auszuschrauben, dann die Bleigewichte abzunehmen etc.

Nach einigen Uebungen wird die Fertigstellung des Apparates zur Benutzung nicht länger wie 5 Minuten in Anspruch nehmen.

Das Tauchen ohne Anzug und Helm.

Geübte Taucher können zumal in der wärmeren Jahreszeit, auch nackt, d.h. ohne Taucher-Anzug und Helm tauchen.

Textabbildung Bd. 208, S. 256

Der Taucher nimmt |257| alsdann nur den Regulator auf den Rücken, das Mundstück des Athmungsrohres in den Mund und befestigt die Schuhe an seinen Füßen. Er muß beim Nackttauchen jedoch ganz besondere Obacht darauf geben, daß das Mundstück der Größe seines Mundes entsprechend, hermetisch schließt und geben wir aus diesem Grunde jedem vollständigen Apparate mehrere Mundverschlüsse von verschiedener Größe bei. Beim Nackttauchen ist alsdann auch der Nasenverschluß unentbehrlich. Das Tauchen ohne Anzug ist jedoch nur solchen Tauchern anzurathen, die im Tauchen mit Anzug vollständig eingeübt und erfahren sind und auch dann ist es nothwendig, daß sich der Taucher vorab an die Wirkung des Wassers auf seinen Körper gewöhnt, welche ihm sonst leicht das Athmen erschweren kann. Er stelle sich zuerst ohne den Apparat einige Zeit bis an den Hals in's Wasser und dann mit dem Apparat und gewöhne sich an das Athmen durch den Regulator. Er tauche dann probeweise einigemale mit dem Kopf unter und gewöhne sich so ganz allmählich an die größere Tiefe.

Beim Nackttauchen im Seewasser können bei einzelnen Tauchern die Angenlider etwas geröthet werden; es verliert sich dieses jedoch bald und das Seewasser übt einen stärkenden Einfluß auf die Augen.

Um das Eindringen des Wassers in die Ohren zu verhindern, verstopfe man dieselben durch in Oel getränkte Watte.

Das Einüben und Ausbilden des Tauchers.

Man beginne immer damit, daß man den Taucher den Anzug an- und ausziehen läßt und ihm den Helm aufsetzt. Man schraube aus dem Helm das vordere Glasfenster heraus, gebe ihm den Regulator auf den Rücken, verbinde diesen mit dem Helm und der Pumpe und lasse ihn alsdann die ersten Versuche machen, sich an das Athmen durch den Mund allein vermittelst des Regulators zu gewöhnen. Um dieses Gewöhnen zu erleichtern, thut man gut, bei der ersten Instruction die Nase durch den Nasenklemmer zu schließen. Er wird dann alsbald das Ein- und Ausathmen durch den Mund allein gewohnt werden und in dem Anzuge mit der gleichen Ruhe und Sicherheit athmen, wie in freier Luft. Falls sich in dem Munde des Tauchers viel Speichel ansammelt, so kann er denselben, wenn er ihn nicht herunterschlucken kann, ausspucken, indem er das Mundstück auf einen Augenblick aus dem Mund stößt. Dieses Ausstoßen des Mundstücks, sowie das Wiederergreifen |258| desselben mit den Lippen und Zähnen hat der Taucher zu versuchen und zu üben.

Nach einigen Uebungen wird er auch ohne Nasenverschluß athmen und kann ihm alsdann gezeigt werden, wie er durch Ausblasen von Luft durch die Nase in den Helm und Anzug den letzteren mit Luft füllen und sich dadurch im Wasser an die Oberfläche heben kann, sobald er genügend Luft eingeblasen hat, daß er leichter wie das Wasser ist. Er lerne den Ausströmungshahn am Helm öffnen, um die eingeblasene Luft wieder zu entlassen, um dadurch, wenn unter Wasser, niederzusinken. Er öffne den Hahn unter Wasser natürlich nur dann, wenn der Druck der im Anzuge befindlichen Luft den Druck des Wassers auf den Anzug übertrifft, da sonst durch das Oeffnen des Hahnes Wasser in den Helm und Anzug strömt. Man lasse den Taucher sich mit dem vollständigen Apparate setzen, in die Kniee, vornüber und hintenüber legen, kurz, alle Bewegungen machen, die unter Wasser bei Ausführung irgend welcher Arbeiten vorkommen können, damit er sehe, daß ihm keine Lage seine sichere Athmung stören kann. Der Taucher kann durch eine ihm am Arm befestigte Leine mit den an der Pumpe beschäftigten Leuten in der Weise im Verkehr bleiben, daß er durch gewisse, von ihm der Leine zu gebenden Rucke, über deren Bedeutung er sich vorher mit den pumpenden Leuten verständigt, denselben etwaige Wünsche mittheilt, z.B. durch 1 Ruck anzeigt, daß er vor oder tiefer zu gehen wünscht, so daß ihm der nöthige Schlauch nachgelassen werde, durch 2 Rucke, daß er zurückzugehen wünscht u.s.w. Durch an dieser Leine angebrachte Merkmale, vielleicht in gewissen Zwischenräumen angebrachte Knoten, kann man auch gleichzeitig in sicherster Weise feststellen, in welcher Tiefe sich der Taucher befindet, um darnach stärker oder schwächer zu pumpen.

Alle diese Uebungen lasse man den Taucher in der Luft vollständig sicher lernen, bevor man ihn unter Wasser schickt; denn je größer ihm das Gefühl seiner Sicherheit und seines Zutrauens zum Apparate gemacht werden kann, desto sicherer und ruhiger wird er sich unter Wasser begeben.

Bei der ersten Lection unter Wasser lasse man den Taucher nie tiefer als höchstens 4 Meter gehen, sorge dafür, daß die Leitern zum Hinab- und Heraufsteigen recht bequem für den Taucher angebracht sind und lasse ihn die ersten Bewegungen unter Wasser möglichst so ausführen, daß der Instructeur ihn beobachten kann. Das erste Hinabsteigen und Heraufkommen geschehe recht langsam, damit der Taucher sich an die Verminderung oder Vermehrung des Wasserdruckes gewöhne. Er übe vor den Augen des Instructeurs das Knieen, Sitzen und Liegen im |259| Wasser, sowie das Hantieren mit Werkzeugen. Er lerne sich durch das Aufblasen und Entleeren des Anzuges im Wasser heben und senken und zwar möglichst langsam, da durch zu schnelles Emporkommen oder Niedergehen und den dadurch veränderten Druck des Wassers leicht Ohrenschmerzen hervorgerufen werden. Man lasse den Taucher bei den ersten Lectionen nie zu lange unter Wasser (höchstens 10 Minuten) und sage ihm, daß er bei der geringsten Unbequemlichkeit, die er fühlt, sofort an die Oberfläche kommt, wo man das Glasfenster aus dem Helm ausschraubt, um sich besser mit ihm unterhalten zu können. Wir legen darauf ganz besonderen Nachdruck, daß das Niedersteigen und Heraufkommen recht langsam geschehe und je größer die Tiefen werden, desto langsamer steige der Taucher und mache während des Steigens Pausen, um sich an den veränderten Druck zu gewöhnen. Das Außerachtlassen dieser Vorschrift kann dem Tauchenden sehr gefährlich werden. Bei größeren Tiefen steige oder sinke er nicht mehr wie 3 Meter in der Minute. Bis auf einer Tiefe von 20–25 Meter kann jeder Mensch von gewöhnlicher Constitution mit unserem Apparate ohne alle Beschwerde tauchen; Tiefen von 30–40 Meter erfordern schon einen recht geübten, an den Druck des Wassers gewöhnten Taucher.

Nach den ersten Hebungen lasse man den Tauchenden nicht länger, wie circa 1/2 Stunde zur Zeit unter Wasser, nach längerer Gewöhnung wird der Taucher auch längere Zeit unter Wasser bleiben können; unsere geübten Tauchermeister vermögen 3–4 Stunden ununterbrochen in großen Tiefen sich ohne jede Beschwerde aufzuhalten und jede Arbeit auszuführen.

Wir sind stetig in der Lage, bestens geübte und geschulte Tauchermeister zum Zweck des Unterrichtenssowohl, als auch zur Ausführung jeder Arbeit zur Verfügung zu stellen.

Das Instandhalten des Apparates und seiner Bestandtheile.

Die Pumpe ist, wie jede gewöhnliche Luftpumpe, nach jedesmaligem Gebrauch gut zu reinigen, zumal ihre Klappen und das Ventil gehörig zu trocknen und rein zu machen, wenn sie längere Zeit außer Thätigkeit kommt. Die äußeren Theile sind durch häufiges Putzen oder am besten durch einen geeigneten Anstrich vor Oxydation zu schützen. Wenn die Pumpe längere Zeit nicht benutzt worden ist, so wird die Leder-Manchette trocken und daher der Kolben undicht. Durch Aufguß von Wasser, welches man einige Zeit darauf stehen läßt, ist dem bald abgeholfen.

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Das Instandhalten der Schläuche erfordert keine besondere Sorgfalt; nur dürfen sie nicht zu schnell oder in der Sonne getrocknet werden; dieses gilt überhaupt für alle Kautschuk-Gegenstände. Das An- und Abschrauben der Schläuche geschehe immer mit dem Schraubenschlüssel und achte man auf gehöriges Reinhalten und Putzen der bronzenen Schraubenverbindungen.

Der Instandhaltung des Regulators wende man die größte, besondere Sorgfalt zu. Nach jedesmaligem Gebrauch nehme man ihn ganz auseinander, putze das Ventil, den Ventilschaft und alle Verschraubungen mit reinem, trockenen Leinen in sauberster Weise. Etwaiges im Reservoir angesammeltes Wasser gieße man durch das Gewindeloch des Ventils aus. Sollte die Kautschukkappe der Luftkammer einmal gerissen seyn, so thut man besser, sich nicht auf ein Flicken derselben einzulassen, sondern die von uns dem Apparat beigegebene Reservekappe in Benutzung zu nehmen.

Der Taucher-Anzug kann bei der Arbeit verletzt werden und flickt man das Loch, indem man unter dasselbe ein Stück des dem Apparat beigegebenen präparirten Zeuges mittelst der Gummiauflösung klebt, alsdann auf das Loch ein Blatt des gleichfalls beigegebenen Platten-Gummis und über diesem wieder ein größeres Stück des Zeuges klebt. Die Manchetten und der Kragen sind an den Anzug genäht und über die Nähte ein Kautschukring und Binde geklebt. Sollten die Manchetten oder der Kragen reißen, so befestige man die neuen in gleicher Weise. Nach jedesmaligem Gebrauch kehre man den Anzug um und lasse ihn langsam trocknen. Ist er in Seewasser gebraucht worden, so spüle man ihn nach jedem Gebrauch in Süßwasser aus, da er sonst leicht von dem Salzwasser hart wird.

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In früheren Jahren verfertigten wir außer dem Helm auch noch Masken als Kopfbekleidung für den Taucher. Sämmtliche Erfahrungen der letzten Jahre haben uns jedoch veranlaßt, die Maske gänzlich aufzugeben und zwar aus dem Grunde, weil der Taucher bei der Maske das ganze Gewicht derselben mit seinem Kopfe zu tragen hatte und außerdem auf seinem Kopf noch ein Gewicht von 6 Kilo befestigt wurde. Kopfschmerzen mannichfachster Art haben hieraus resultirt. Dann war der Taucher mit der Maske verhindert oder doch wenigstens sehr gehindert, sich vorn- oder hintenüber zu biegen, indem die Maske dicht vor sein Gesicht, oder ganz nach vorn rutschte und er jedesmal nach solcher Bewegung gezwungen war, sie mit den Händen wieder in die richtige |261| Lage zu bringen. Die Freiheit für Kopfbewegung war hierdurch sehr eingeschränkt, während er bei dem Helm nach allen Seiten vollständig freie Bewegung des Kopfes hat, von keiner Lage seines Körpers die Freiheit des Kopfes irgendwie abhängig ist und er das Gewicht auf seinen Schultern trägt, ein Tragen, welches jedem Arbeiter gewöhnt und bequem seyn wird. Unsere sämmtlichen Taucher haben nach einigen Uebungen mit dem Helm gern sofort die Maske aufgegeben und den Helm bei sämmtlichen Arbeiten vorgezogen.

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Wir halten es zum Schluß für unsere Pflicht, darauf aufmerksam zu machen, daß seit einigen Jahren von verschiedenen Fabriken in Deutschland ebenfalls Taucherapparate angefertigt werden, welche sich sämmtlich des Schmuckes des Namens unserer Fabrik bedienen, um sich auf Kosten desselben Eingang zu verschaffen. Die meisten dieser Fabricate, welche sich alle System-Rouquayrol-Denayrouze nennen, werden in großen Maschinenbau-Fabriken angefertigt, welche als Nebenzweig ihrer Fabrication die Anfertigung von Taucherapparaten betreiben, indem sie, ohne jede eigentliche Kenntniß der Technik des Tauchens, unsere Apparate, zum Theil in sehr mangelhafter Weise nachahmen. Wir würden es nicht für nöthig halten, auf diese Nachahmung hinzuweisen, wenn nicht der Name unserer Fabrik und unseres Systems zum Deckmantel für diese Fabricate benutzt, und sogar bei einigen derselben in höchst allgemeinen Ausdrücken von „neu angebrachten und bei den Original-Apparaten nicht vorhandenen“ Verbesserungen gesprochen würde, welche sich nur auf Einrichtungen beziehen, welche wir sämmtlich seit langen Jahren angebracht haben. Daß sich im Laufe der Zeit kleine Verbesserungen und Aenderungen an dem einen oder anderen Theile des Apparates als empfehlenswerth herausstellten, erkennen wir gewiß gern an, da wir selbst solche Erfahrungen sofort anwenden, ohne daß wir glauben, es nöthig zu haben, darauf besonders aufmerksam zu machen. Sämmtliche von uns zur Ablieferung gebrachte Apparate sind immer mit allen neuesten Verbesserungen versehen, welche sich als wesentlich und im Gebrauch bewährt beweisen und bei dem vielseitigen, stetigen Gebrauch unserer Apparate in den verschiedensten Industriezweigen kommen wir gewiß schnell und sicher zur richtigen Erkenntniß des Werthes und der Nothwendigkeit solcher Aenderungen.

Unsere Fabrik verfertigt seit 10 Jahren ausschließlich Taucherapparate und Rettungsapparate für Bergwerke, auf demselben Athmungsprincip begründet und glauben wir, behaupten zu dürfen, daß uns auf dem Gebiete dieser Fabrication die größte Erfahrung zur Seite steht.

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Wir haben den guten, anerkannten Ruf unserer Erfindung, wie auch die Interessen aller derjenigen, welche Taucherapparate verwenden, durch das hier Gesagte vor denjenigen Nachahmungen schützen wollen, welche sich die Bezeichnung „System-Rouquayrol-Denayrouze“ beilegen. Die Original-Apparate Rouquayrol-Denayrouze sind nur durch uns allein zu beziehen und tragen zur Erkenntniß an ihren einzelnen Bestandtheilen den Namen unserer Firma und Fabrik.

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In Verbindung mit unserem Apparate empfehlen wir für Fälle, wo trübes Wasser oder Dunkelheit das Arbeiten ohne Licht nicht erlaubt, unsere unterseeische Lampe, welche in jeder Wassertiefe mit intensiverem Licht, wie oberhalb des Wassers, ruhig und sicher brennt. Beschreibung und Zeichnung derselben steht jederzeit zu Diensten.

Denselben wurde die einzig ertheilte goldene Medaille der internationalen Ausstellung zu Paris 1867, sowie die goldene Medaille der Ausstellung zu Lyon 1872, und die silberne Medaille der Gesellschaft für Bergwerks-Industrie zu St. Etienne verliehen. Anm. d. Red.

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