Titel: Ueber Zinkgießerei.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1873, Band 208, Nr. LXXXIV. (S. 338–341)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj208/ar208084

LXXXIV. Ueber Zinkgießerei.

Wenn irgend eine der vielen Industrien, welche jetzt in Berlin betrieben werden, darauf Anspruch machen kann, als ein ächtes Berliner Erzeugniß angesehen zu werden, so ist es die Zinkgießerei, denn in Berlin sind die ersten Anfänge dieser Industrie nur als Versuche gemacht worden und in Berlin findet heute die größte Ausnutzung dieses Materiales auf dem Felde derjenigen Benutzung, welche die rohesten Anfänge überschreitet, statt.

Lange blieb Zink, obgleich man seine Verwendung in Messing und in ähnlichen Compositionen schon im Alterthum kannte, für sich allein unbenutzt, und nur in engen Grenzen bewegte sich in Folge dessen die Production dieses so reichlich vorkommenden Materiales. Noch im Anfang dieses Jahrhunderts wurden in Europa kaum 4000 Centner Zink erzeugt, während heut die Gesammtproduction auf mindestens 2,500,000 Centner veranschlagt werden kann. Es muß dieß auffallen, da sich Zink wegen seiner leichten Schmelzbarkeit und wegen seiner relativ großen Luftbeständigkeit sehr gut zur Anfertigung von allerhand Gegenständen zu eignen scheint, aber die Sprödigkeit des Metalles setzte der Bearbeitung eine enge Grenzen. Erst als im Jahr 1805 in Sheffield die Entdeckung gemacht wurde, daß das Zink, wenn es bis 100° Cels. erhitzt wird, seine Sprödigkeit verliert, fing man an, das Metall als solches zu verwenden, und zwar zuerst als Dachplatten, was man jedoch, da sie in Folge der fehlerhaften Befestigungen sich als unhaltbar erwiesen, bald wieder aufgab, und erst neuerdings wieder aufgenommen |339| hat. Lange Zeit hindurch fertigte man eigentlich nur feste große Stücke, Gewichtsstücke und dergl. aus Zink an. Diese Verwendung genügte indeß nicht, um die Massen Zink, welche in Schlesien producirt werden konnten, zu bewältigen, und der Verein für Beförderung des Gewerbfleißes in Preußen stellte im Jahre 1826 die Auffindung einer Anwendung des Zinkes, durch welche eine wesentliche und gemeinnützige Vermehrung des Verbrauches veranlaßt wurde, als Preisaufgabe.

Diese Preisaufgabe wurde in Berlin gelöst. Der Oberbergrath Krieger fand zuerst, daß es möglich sey Zink nicht nur in Platten und compacten Massen, sondern auch in Hohlstücken zu gießen, und er fertigte für seinen Haushalt aus diesem Material eine Menge von Geräthschaften, ohne jedoch der Sache selbst eine größere Ausdehnung zu geben. Dagegen griff ein ihm bekannter Besitzer einer Fabrik feiner Eisengußwaaren, Geiß, welcher sich gerade nach einem passenden Material zum Gießen großer Architekturstücke umsah, diese Idee auf. Er hatte in dem Zink ein Material gefunden, welches bei einer niedrigen Temperatur schmilzt, und sich in Folge dessen selbst in feuchte Sandformen gießen läßt, welches nach dem Guß sich leicht bearbeiten und welches vor Allem – was für die Herstellung größerer Stücke sehr wichtig ist – sich gut löthen läßt. Geiß, dessen Fabrik heute noch in Berlin besteht, machte nun eifrig Versuche. Da sich sowohl Beuth als auch Schinkel für die Sache interessirten, so fing man sehr bald in Berlin an, Architekturstücke, Säulen, Capitäle Architrave, Dachverzierungen und Aehnliches – aus Zink zu verwenden. Damit war dem Zinkguß die Bahn gebrochen; in Berlin sowohl wie auch in anderen großen Städten entstanden schnell Zinkgießereien, der Preis des Zinkes, welcher auf 2 Thaler gesunken war, hob sich schnell auf 6 Thaler, und während, wie schon oben erwähnt, im Jahre 1808 in ganz Europa nicht 4000 Centner Zink producirt wurden, stieg bis 1858 die Production in Europa auf 1,200,000 Centner; im Jahre 1861 producirte Preußen allein 1,070,000 Centner Zink, und jetzt kann man die Zinkproduction in Europa auf rund 2 1/2 Millionen Centner annehmen.

Dieses schnelle Steigen der Production, welches nicht von einem abermaligen Sinken des Preises begleitet war, beweist, daß sich die Anwendung des Zinkes als Gußmaterial für Gegenstände des allgemeinen Verbrauches bewährt hat, und es läßt sich schon aus diesen Zahlen annehmen, daß die Verwendung nicht auf die Architektur beschränkt blieb. Dieß ist richtig; sobald man die leichte Verwendbarkeit des Zinkes als Gußmaterial erkannt hatte, benutzte man es auch bald zu anderen Gegenständen, so z.B. zu Kronleuchtern u. dergl., wo es als Ersatz der |340| theuren Bronze treffliche Dienste leistete, eine Benutzung, um deren Einführung in Berlin sich ganz besonders Spinn verdient gemacht hat; dann erfand Devaranne die Benutzung desselben zu dem Theaterschmucke, eine Anwendung, welche sich auf die Benutzung der Eigenschaft des polirten Zinkes, das Licht sehr reichlich zurückzuwerfen, gründet. Schließlich aber wurde Zink auch zum Nachgießen größerer Statuen, welche so zu sehr billigen Preisen hergestellt werden konnten, benutzt. Diese Art der Verwendung hat Geiß gleich zu Anfang cultivirt, recht praktisch wurde sie aber erst, als Hossauer darauf kam, die Zinkstatuen auf galvanischem Wege mit einer dünnen Kupferschicht zu überziehen, wodurch sie nach kurzer Zeit das Ansehen von Bronzestatuen erhalten. Diese Art der Verwendung ist heut noch sehr gewöhnlich, da sie auch weniger reichen Leuten die Erwerbung guter plastischer Kunstwerke gestattet, und wird sie, außer in der Geiß'schen Zinkgießerei in Berlin, hauptsächlich noch von Lippold cultivirt.

Es wird jetzt also gar vielerlei von Zink gefertigt; Leuchter und selbst noch kleinere Gegenstände, Kronen und Wandleuchter, Statuen, große Architekturstücke, ganze Denkmäler, ja Stücke von 30 bis 40 Fuß Höhe und oft von 10 Centner Gewicht werden aus diesem Metall gefertigt. Und alle diese Gegenstände können in ein und derselben Fabrik gefertigt werden, da eigentlich die Arbeit bei allen ganz genau dieselbe ist. Es fällt nämlich in einer Zinkgießerei augenblicklich auf, daß wir gar keine großartigen Einrichtungen sehen; wir haben auf dem Hof vielleicht eine dem Original an Größe gleich kommende Nachbildung der Amazone von Kieß oder ein Grabmonument, welches 20 Fuß hoch ist, gesehen, und nun treten wir in die Fabrik und finden ganz kleine Schmelzöfen, kleine Tiegel und schließlich auch nur kleine Räumlichkeiten zum Gießen. Die Erklärung hierfür liegt in der leichten Löthbarkeit des Zinkes; alle, auch die kunstvollsten Gegenstände, werden in kleinen Stücken, die höchstens jedes 10 Pfund wiegen, gegossen und dann zusammengelöthet. Für alle solche Sachen werden nur die Modellstücke aufbewahrt; wird ein Abguß bestellt, so werden die Formen schnell in feinem Formsand abgedrückt, die einzelnen Stücke gegossen, zusammengelöthet und nur die Löthstellen nachgearbeitet. In Folge dieser geringen Einrichtungen, welche eine solche Gießerei erfordert, ist ihre Zahl in Berlin auch nicht unbedeutend; es gibt deren einige fünfzig, doch sind die meisten derselben nicht allein Gießereien für Gegenstände, welche ausschließlich aus Zink dargestellt werden. Bei sehr vielen greift der Zinkguß in einander mit dem Bronzeguß; es sind dieß die Fabriken für Lampen und Erleuchtungsgegenstände, sowie für jene billigen Nippes, |341| welche in vielen Haushaltungen die ächten Bronzegegenstände ersetzen. Nehmen wir die Zinkgießereien im engeren Sinne, d.h. solche, deren Haupterzeugnisse in Architekturstücken, in Nachbildungen von plastischen Kunstwerken und Aehnlichem bestehen, so dürften in denselben ungefähr 300 Arbeiter beschäftigt seyn, und behauptet Berlin, wo diese Industrie entstanden und wirklich von kunstverständiger Hand sorgsam gepflegt wurde, auf diesem Felde noch immer den ersten Platz. (Berggeist.)

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