Titel: Hilt, über die Beziehungen zwischen der Zusammensetzung und den technischen Eigenschaften der Steinkohlen.
Autor: Hilt, Carl
Fundstelle: 1873, Band 208, Nr. XCIX. (S. 424–434)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj208/ar208099

XCIX. Die Beziehungen zwischen der Zusammensetzung und den technischen Eigenschaften der Steinkohlen; von Carl Hilt.

Vorgetragen in der Sitzung des Aachener Bezirksvereines vom 12. Februar 1873. – Aus der Zeitschrift des Vereines deutscher Ingenieure, 1873, Bd. XVII S. 193.

Die Wichtigkeit einer einfachen Methode zur Bestimmung der Eigenschaften und somit der Verwendbarkeit einer Kohlensorte für bestimmte Zwecke liegt so nahe, und das Bedürfniß ist so allgemein empfunden, daß eine nähere Begründung hier überflüssig ist.

Bisher hatte man als einziges Mittel Proben im Großen, welche aber viele Umstände und Kosten verursachen, Zeit erfordern und stets ungenau bleiben, weil man nicht ohne Weiteres die für die Verbrennung erforderlichen resp. günstigsten Bedingungen herstellen kann und namentlich viel zu sehr von den Arbeitern dabei abhängt.

Für die Beurtheilung einer bestimmten Kohlensorte ist es nöthig zu kennen:

1) das mechanische Verhalten (Stückreichthum, Beimischung von Steinen etc.)

2) die auf der chemischen Zusammensetzung beruhenden Eigenschaften.

Erstere ist zwar sehr wichtig, aber mehr für den Werth der Kohlensorten von sonst gleichen Eigenschaften als für die Beurtheilung der Verwendbarkeit im gegebenen Falle entscheidend; letztere läßt sich nach den bisher üblichen Methoden aus der Analyse nicht mit Sicherheit entnehmen. Dabei ist die chemische Untersuchung schwierig, kostspielig, wird leicht ungenau und ist jedenfalls thatsächlich in der Praxis wenig benutzt.

Als wichtig wird gewöhnlich angesehen der Gehalt an Kohlenstoff, Wasserstoff und Sauerstoff. Die Aschenbestimmung hat Wichtigkeit für die Werthbeurtheilung, nicht aber für die Classification der Kohlen; die in geringer Menge vorhandenen Bestandtheile, Schwefel, Phosphor, Stickstoff zu kennen, kann in vielen Fällen sehr wichtig seyn, für die Classification der Kohle sind sie ohne Bedeutung.

Nach der bisher gebräuchlichsten Methode bestimmt man das Verhältniß obiger drei Bestandtheile, Kohlenstoff, Wasserstoff, Sauerstoff zu einander in der aschenfreien Substanz. Meistens trennt man den Wasserstoff in disponiblen und gebundenen, indem man auf je 8 Theile Sauerstoff |425| 1 Theil Wasserstoff rechnet, das Verhältniß wie dieselben im Wasser verbunden sind.

Auf 1000 Theile Kohlenstoff kommen 5 bis 30 Theile gebundener Wasserstoff und 15 bis 55 Theile freier Wasserstoff. Man hat versucht, nach diesen Verhältnißzahlen eine Classification vorzunehmen und diese in Uebereinstimmung zu bringen mit den bekannten technischen Eigenschaften, und so unterscheiden Geinitz, Fleck und Hartig 131)

Theile Wasserstoff.
gebunden: disponibel:
1. Anthracit- und Sinterkohle 5 bis 20 20 bis 40
2. Backkohle 5 „ 20 40 „ 55
3. Gas- und Sandkohle 20 „ 30 20 „ 40
4. „ „ Backkohle 20 „ 30 40 „ 55.

Indessen ganz abgesehen davon, daß eine Classification, welche principiell Anthracit und Sinterkohle nicht zu trennen vermag, wenig Werth hat, stimmt auch die Erfahrung gar nicht mit dieser Classification, wornach z.B. die anthracitische Kohle des Flötzes Furth im Wurmrevier noch zur Backkohle, die Backkohle von Eschweiler zur anthracitischen und Sinterkohle gehören, und die Kohle der Grube Anna die magerste des ganzen Aachener Beckens wäre, während sie eine gute Backkohle und unstreitig die gasreichste, bisher aufgeschlossene Kohle des Aachener Bezirkes ist. Solche Widersprüche machen die Theorie ganz werthlos.

Dieselbe sagt im Grunde genommen fast dasselbe, wie die ältere in Scheerer's Metallurgie enthaltene Theorie, wornach im Durchschnitt enthalten:

Kohlenstoff Wasserstoff Sauerstoff
1. der Anthracit 95 3 2
2. die Backkohle 87 5 8
3. die Sinterkohle 83 5 12
4. die Sandkohle 77 5 18.

Es findet nur der Unterschied statt, daß hier unter Sinterkohle das verstanden ist, was Geinitz etc. Back- und Gaskohle nennen, während die Sinterkohle von Geinitz wohl als Uebergang von Anthracit in Backkohle ganz weggelassen ist, wie ja auch Geinitz etc. sie nicht vom Anthracit trennen. Man sieht auf den ersten Blick, daß hiernach die so verschiedenen Eigenschaften fast ausschließlich auf den wechselnden Gehalt |426| an Sauerstoff zurückgeführt werden, und hierin liegt in sofern etwas Richtiges, als in der That durch das Alter der Kohle der Sauerstoffgehalt derselben bedingt ist, und mit dem Alter in der Regel auch die übrigen Eigenschaften im Zusammenhange stehen.

Es wird gut seyn, diesen Satz näher nachzuweisen, was nur an der Hand der Erfahrung geschehen kann.

Schicken wir zunächst voraus die mittlere Zusammensetzung:132)

Kohlenstoff Wasserstoff Sauerstoff
1. des Holzes 50 6 44
2. des Torfes 59 6 35
3. der Braunkohle 64 6 30.

Hieran schließt sich an zunächst die junge stark flammende Kohle von Saarbrücken,133) und zwar in ganz genauer Reihenfolge vom Hangenden zum Liegenden:

Sauerstoff
1. auf dem hangenden Flötzzug 19,39
2. „ „ mittleren obere Abtheil 19,86
3. „ „ untere Abtheil 17,11
4. „ „ liegenden 13,2.

Dabei zeigt sich dasselbe Gesetz auch bei kleineren Gruppen. Es ergeben z.B. auf Grube Heinitz:

Sauerstoff
die 7 hangenden Flötze 13,90
die 7 mittleren „ 13,68
die 7 liegenden „ 13,50

Wie in den allgemeinen Eigenschaften, so steht auch im Sauerstoffverhältniß der Saarbrücker Kohle sehr nahe die von Oberschlesien mit 14 Proc. bis herunter zu 6 Proc. Sauerstoff134), so daß hier ein tieferes Niveau mit vertreten ist. Ganz ebenso ist das Verhalten zu Niederschlesien und Sachsen, nur daß die dortigen Kohlen der Saarbrücker noch näher stehen. Noch reicher ist die Entwickelung in Westphalen, wo die hangendsten Flötze (z.B. Gaskohle von Nordstern) mit 17 Proc. der mittleren Partie von Saarbrücken gleich stehen, während nach dem Liegenden hin durch alle Uebergänge der Sauerstoff bis auf 3 bis 4 Proc. sinkt, z.B. auf den Flötzen Sonnenstein, Hitzberg und Hagenscheidt.135)

|427|

Dagegen sind im Aachener Bezirke nur die älteren sauerstoffarmen Flötze entwickelt, wobei aber das Gesetz ebenso scharf hervortritt.

Es ergeben im Wurmrevier:

die 10 liegendsten Flötze 5,66 O + N oder rund 4,5 O,
die 9 hangenderen „ 5,70 4,7 „
die 3 „ „ 6,87 5,8 „
in Gemeinschaft;
Flötze von Anna 8,77
in der Eschweiler Mulde:
die liegenden Außenwerke 3,45
die Binnenwerke 5,68

Bei der Benutzung der Sauerstoffbestimmungen zur Classification der Flötze darf man eines nicht übersehen. Man darf nicht einzelne Analysen mit einander vergleichen, sondern man muß die Durchschnitte von mehreren Analysen ganz nahe zusammenliegender Flötze oder auch desselben Flötzes nehmen. Beobachtet man diese Vorsicht, so erleidet die Regel, soweit meine Beobachtung reicht, keine einzige Ausnahme; während sich beim Herausgreifen einzelner Analysen die merkwürdigsten Anomalien zeigen. Der Grund ist mir nicht ganz klar. Vielleicht sind es wirkliche Schwankungen im Sauerstoffgehalte; wahrscheinlicher aber ist es mir, daß die Bestimmmungen nicht so genau sind, und daß annähernd richtige Zahlen sich nur aus größeren Durchschnitten ergeben. Es mag dieß daran liegen, daß der Sauerstoff wohl immer nur aus dem Verluste bestimmt wird, weßhalb sich darin die Fehler summiren. Da namentlich der Aschengehalt großen Schwankungen unterliegt, so sind insbesondere dann Differenzen unvermeidlich, wenn zu den verschiedenen Bestimmungen verschiedene Portionen der Substanz verwendet werden. In den Durchschnitten verschwinden einzelne größere Fehler, und namentlich heben sich positive und negative Fehler auf.

Im Allgemeinen dürfte wohl bezüglich des Zusammenhanges des Sauerstoffgehaltes mit den Eigenschaften der Kohlen Folgendes als feststehend angenommen werden können:

1. bei 17 Proc. und mehr O gasreiche Sandkohle,
2. 14 bis 17 Sinterkohle,
3. 10 14 Backkohle,
4. 7 10 Backkohle,
5. 3 7 Sinterkohle, Anthracit.
|428|

Bei 1., 2. und 3. ist die Classification also nach dem Sauerstoffgehalt allein ziemlich sicher; sie wird schon unsicher bei 4., und hört gänzlich auf bei 5., wo doch die Sache die größte Wichtigkeit hat, denn es ist für den Techniker gewiß von Bedeutung, Backkohle, Sinterkohle und Anthracit unterscheiden zu können. Daß aber diese Unterscheidung nach der Elementaranalyse überhaupt ebensowohl wie nach dem Sauerstoffgehalt allein bei den alten sauerstoffarmen Kohlen unmöglich ist, beweisen am besten die Kohlen des Aachener Bezirkes, wo bei gleicher Elementarzusammensetzung von

91 bis 92 Proc. Kohlenstoff,
4 4,5 Wasserstoff,
3,8 5 Sauerstoff

alle Abstufungen zwischen der magersten Anthracitkohle und der besten Backkohle von Centrum vorkommen, wie dieß bereits früher von Herrn v. Dechen 136) nach den Untersuchungen von Karsten hervorgehoben, und durch die neuen Analysen bestätigt wurde, welche auf meine Veranlassung von Hrn. Dr. Muck zu Bochum ausgeführt worden. So wichtig die Kenntniß des Sauerstoffgehaltes in vielen Fällen seyn kann, so wenig genügt dieselbe hiernach in sehr vielen anderen Fällen. Nimmt man dazu die Schwierigkeit und Unsicherheit der Bestimmung, wenigstens für eine einzelne Probe, so wird man es nicht auffallend finden, wenn in der Regel seitens des Technikers sehr wenig Werth darauf gelegt wird, ebenso wie auf die chemische Analyse überhaupt.

Aber sollte das Problem in der That unlösbar seyn, durch einen einfachen Versuch im Kleinen die Eigenschaften der Kohle mit solcher Sicherheit zu erkennen, daß man hiernach eine genaue Classification vornehmen kann?

Ein Punkt scheint mir bisher nicht genügend beachtet worden zu seyn. Die Gase, welche die Kohle bei der trockenen Destillation liefert, enthalten als wesentliche Bestandtheile nicht nur Wasserstoff und Sauerstoff, sondern daneben in wechselnder Menge Kohlenstoff. Es ist gleichgültig, wie dieser Kohlenstoff in der festen Kohle enthalten ist. Bei der Verbrennung tritt er in Verbindung mit Wasserstoff und Sauerstoff in den die Flamme bildenden flüchtigen Producten, welche wir kurzweg das Bitumen der Kohle nennen wollen, auf, und es ist eine bekannte Thatsache, daß die technisch wichtigen Eigenschaften der Kohle eben vorzugsweise von dem Verhältnisse der flüchtigen Destillationsproducte zu |429| den als Kohks zurückbleibenden und erst bei höherer Temperatur verbrennenden festen Bestandtheilen abhängen.

Bei einer streng wissenschaftlichen Behandlung der Frage müßte darauf Rücksicht genommen werden, daß diese festen Bestandtheile neben Kohlenstoff und Asche noch Wasserstoff (1 bis 2 Proc.) und (2 bis 6 Proc.) Sauerstoff enthalten.137) Indessen scheint dieß für die technische Beurtheilung von geringer Bedeutung zu seyn, denn nach meinen Versuchen gibt die Zahl, welche das Verhältniß aller flüchtigen Bestandtheile zu dem aschenfreien bei 100 Proc. getrockneten Kohks angibt, einen ganz ausreichenden und dabei sehr leicht und sicher zu bestimmenden Maaßstab für die technisch wichtige Constitution der Kohle. Wichtig ist dabei allerdings, daß die Verkohkung der zu vergleichenden Proben unter gleichen Verhältnissen vorgenommen wird; aber die Vergleichung einer großen Zahl von Proben, welche zu sehr verschiedener Zeit und von sehr verschiedenen Chemikern gemacht wurden, hat mir gezeigt, daß die Schwankungen sich in mäßigen Grenzen halten, und daß das Gesetz in fast allen Fällen klar und bestimmt hervortritt.

Stellen wir einmal nach diesen Versuchen die Reihe der Aachener Kohle auf, so ergibt sich Folgendes:

A. Wurmrevier:

Bitumen Kohks
1. Anthracitische Kohle des Wurmreviers 1 : 11,4
2. Sinterkohle der Grube Gemeinschaft 1 : 7,8
3. Backkohle der Grube Maria 1 : 4,1*
4. Backkohle der Grube Anna 1 : 3,8**

B. Eschweiler Revier:

Bitumen Kohks
5. Sinterkohle der Außenwerke 1 : 7,9
6. Backkohle von Centrum 1
1
:
:
5,6 (Brix)
4,5 (Karsten).

Von diesen Kohlen haben 1, 2 und 6 dieselbe chemische Elementarzusammensetzung, dagegen liefert 2 etwa ein und ein halb Mal und |430| 6 reichlich doppelt so viele flüchtige Bestandtheile, namentlich Kohlenwasserstoffe als 1, und deßhalb ist Nr. 2 eine Sinterkohle, Nr. 6 eine Backkohle.

Stellen wir nach derselben Methode die Reihe für Saarbrücken, so ergibt sich Folgendes:

A. Backende Gaskohle des liegenden Flötzzuges:

Bitumen Kohks
1. Grube Dudweiler 1 : 1,8
2. Sulzbach 1 : 1,8
3. Altenwald 1 : 1,65
4. Heinitz 1 : 1,63
5. Dechen 1 : 1,5
6. König 1 : 1,4 (Uebergang in Sinterkohle).

B. Gasreiche Sinterkohle (untere Partie des mittleren Flötzzuges):

7. Grube Friedrichsthal 1 : 1,36
8. Stangenmühle 1 : 1,23 (Uebergang in Sandkohle).

C. Gasreiche Sandkohle (obere Partie des mittleren und hangender Flötzzug):

9. Grube Gerhard 1 : 1,22
10. Dilsburg 1 : 1,20
11. Kronprinz 1 : 1,19.

Man sieht hieraus die gänzliche Verschiedenheit der Saarkohle von der Aachener Kohle. Die gasärmste Kohle an der Saar (die Backkohle von Dudweiler) enthält mehr als doppelt so viele flüchtige Bestandtheile als die gasreichste Kohle des Aachener Beckens, nämlich die der Grube Anna. Die sogenannte magere Saarkohle (7 bis 11 der Reihe) ist von der ächten anthracitischen Magerkohle dadurch sehr gut unterschieden, daß sie zehnmal so viele flüchtige Stoffe enthält als diese. Sie hat die Backfähigkeit durch Ueberschuß von Bitumen verloren, respective dieselbe nie besessen.

Gehen wir nach Westphalen, so finden wir, der großen Entwickelung des dortigen Steinkohlengebirges entsprechend, eine sehr vollständige Reihe, welche alle Schattirungen umfaßt.

|431|

I. Alte anthracitische Sandkohle:138)

Bitumen Kohks
1. Flötz Kuhlenbergsbank 1 : 15
2. „ Sandbank 1 : 14,3
Durch alle Uebergänge bis 1 : 11,1.

II. Alte Sinterkohle:

1. Knappschaft und Vogelsang 1 : 9,0
Adler 1 : 8,0
Siebenplaneten 1 : 7,0
Durch alle Uebergänge bis 1 : 6,3.

III. Backkohle:

Schmierfuß 1 : 6,2
Hagner 1 : 5,4
Haberbank 1 : 5,0
Herrenbank 1 : 4,6
Röttgersbank 1 : 3,7
Gottvertrau 1 : 2,9
Louise Tiefban 1 : 2,75.

IV. Backende Gaskohle:

Grube Anna
Zollverein
Hiervon fehlen mir die Analysen, doch müssen dieselben
sich hier einschieben.

V. Gasreiche Sinterkohle:

Nordstern 5 1 : 1,8
3 1 : 1,64
2 1 : 1,61
1 1 : 1,59
0 1 : 1,45.

Es fehlt hier bisher nur die gasreiche Sandkohle, welche indessen in den hangenderen Flötzen sicher ebenfalls vorhanden ist.

In dem Becken von Oberschlesien fallen die von Grundmann |432| analysirten Kohlen zwischen die Verhältnißzahlen 1 : 2,7 und 1 : 1,6, was mit den bekannten Eigenschaften der dortigen Kohle sehr gut stimmt. Nach den vorstehend angegebenen Beispielen dürfte es nicht zweifelhaft seyn, daß aus der sehr leicht und rasch zu machenden Kohks- und Aschenprobe einer bestimmten Kohle deren Classification in allen Fällen leicht zu bewirken ist. In Folgendem will ich den Versuch machen, so weit es nach dem mir bisher zugänglichen nicht sehr umfangreichen Material139) möglich war, eine Scala aufzustellen:

zwischen
1. Magere anthracitische Kohle 1 : 20 und 1 : 9
2. Gasarme (alte) Sinterkohle 1 : 9 1 : 5,5
3. Backkohle 1 : 5,5 1 : 2,0
4. Backende Gaskohle 1 : 2,0 1 : 1,5
5. Gasreiche (junge Sinterkohle 1 : 1,5 1 : 1,25
6. „ Sandkohle 1 : 1,25 1 : 1,11

Obgleich diese Scala schon um zwei Arten reicher ist als die gewöhnliche, welche die Kohlen 2 und 5, und vielfach selbst 1 und 6 zusammen wirft, so genügt dieselbe doch noch nicht, und müßte insbesondere die Backkohle (Nr. 3) noch weiter eingetheilt werden.

Einen guten Ueberblick über die Abstufungen gewährt es auch, wenn man die Bitumengehalte in Procenten, auf 100 Proc. aschenfreie Kohks berechnet, vergleicht. Man erhält dann:

Bitumen
1. Magere anthracitische Kohle 5 bis 10 Proc.
2. Gasarme (alte) Sinterkohle 10 „ 15,5 „
3. Backkohle 15,5 „ 33,3 „
4. Backende Gaskohle 33,3 „ 40 „
5. Gasreiche (junge) Sinterkohle 40 „ 44,4 „
6. „ Sandkohle 44,4 „ 48 „

Hieraus geht ohne Weiteres hervor, daß in der Classe 3 (Backkohle) Kohlen enthalten sind, welche um 18 Proc. im Gasgehalte verschieden seyn können, während sonst die Kohlen derselben Classe sich nur um 4 bis 6 Proc. unterscheiden.

Betrachtet man die Eigenschaften der zu den einzelnen Classen gehörenden Kohlen, so ist Folgendes zu bemerken: Es bedarf die anthracitische Kohle

|433|

1) lebhaften Zuges, gibt wenig, nicht leuchtende Flamme, keinen Ruß, und dient als Hausbrand, Ziegelkohle, für Schachtöfen aller Art, und unter besonderen Verhältnissen zur Dampfkesselheizung.

2) die alte Sinterkohle eignet sich zu denselben Zwecken wie 1), ist daneben vorzugsweise Dampfkesselkohle und kann bei guten Einrichtungen, namentlich vermischt mit gasreicheren Sorten, verkohkt werden. (Hierzu gehört die berühmte smokeless steam coal von Cardiff.)

3) die Backkohle zeigt zwischen 15,5 und 20 Proc. Gasgehalt, sie ist die eigentliche Schmiede- und Kohkskohle. Zwischen 20 und 33 Proc. folgen dann die vielen Nüancirungen der gasreicheren Backkohle, der eigentlichen zu fast allen Zwecken verwendbaren Industriekohle. Dieselbe liefert noch sehr gute Kohks, ist zu allen Flammofenfeuerungen verwendbar und hat nur den Nachtheil beginnender Rußbildung und raschen Erlöschens, namentlich im Stubenofen.

Die Gaskohle (Nr. 4) ist nicht weniger anwendbar und liefert zudem das meiste und beste Leuchtgas. Hier aber fängt der Grus schon an, an Werth zu verlieren, weil das Kohksausbringen gering ist, und die Kohks selbst porös sind.

Nr. 5 und 6 liefern die eigentlichen Kohlen zu Flammofenfeuerungen, um so mehr, da sie meist stückreich brechen. Der Grus wird zum Theil schon schwer zu verwerthen. Seine Hauptanwendung ist zur Dampfkesselfeuerung, wobei er aber sehr stark raucht.

Man sieht hieraus, wie man nach unserer Bestimmungsmethode ein ganz klares und genaues Anhalten für die technische Verwerthbarkeit der Kohle erhält. Aber die Methode scheint in der That noch mehr zu leisten, indem sie mit äußerster Schärfe die kleinsten Unterschiede zweier Kohlensorten angibt. Ich habe z.B. zwei Versuchsreihen für unsere mageren Flötze machen lassen; die eine von Hrn. Dr. Muck in Bochum umfaßt 18 Proben verschiedener Flötze und liefert als Durchschnitt das Verhältniß 1 : 11,4, die andere, von Hrn. Dr. Classen hier ausgeführt, umfaßt 12 Proben und liefert genau dasselbe Verhältniß 1 : 11,4. Stelle ich die 9 liegenderen Flötze der ersten Reihe zusammen, so erhalte ich 1 : 11,6 und für die 9 hangenderen 1 : 11,2. Verfahre ich ebenso bei der zweiten Reihe, so erhalte ich für die 6 liegenderen 1 : 11,6 und für die 6 hangenderen 1 : 11,1.

Ja es scheint die Uebereinstimmung so weit zu gehen, daß für dieselbe Grube sich ganz genau die Reihenfolge der Flötze vom Hangenden zum Liegenden aus diesem einfachen Versuche erkennen läßt, während auf demselben Flötze Verschiedenheiten vorzukommen scheinen je nach der mehr oder minder starken Bedeckung durch jüngere Schichten, wie sie |434| vielfach im Fortstreichen sich einstellt. Indessen müssen die Versuche noch verallgemeinert und vervielfacht werden, bevor man es als festgestellt bezeichnen kann, daß in der That die aufeinander folgenden Flötze derselben Grube eine ununterbrochene Reihe bilden, wie dieß z.B. der Fall ist auf unserer Grube Teut, wo die vier untersuchten Flötze folgende Reihe geben:

Merl 1 : 12,1
Klein-Athwerk 1 : 11,8
Groß-Athwerk 1 : 11,8
Rauschenwerk 1 : 10,4,

ferner zu Nordstern in Westphalen, wo die fünf Flötze in regelmäßiger Folge die Verhältnißzahlen 1,45, 1,59, 1,61, 1,64 und 1,80 ergeben.

Zu solchen recht zahlreichen Versuchen, überhaupt zu genauen Beobachtungen in allen Revieren anzuregen, das soll die Hauptaufgabe dieser Abhandlung seyn.

|425|

„Die Steinkohlen Deutschlands und anderer Länder,“ München 1865.

|426|

Aus dem angeführten Werke von Geinitz etc.

|426|

Vergl. Gasch, „Zeitschrift für Berg-, Hütten- und Salinenwesen,“ Bd. XVI und XVIII.

|426|

Vergl. Grundmann, „Zeitschrift etc.,“ Bd. IX und X und Geinitz a. a. O.

|426|

Vergl. Geinitz a. a. O.

|428|

„Geographisch-geognostische Uebersicht des Regierungsbezirkes Aachen.“

|429|

Dieß hat schon Grundmann nachgewiesen (a. a. O.) und bestätigen es neuere Untersuchungen vollkommen.

|429|

Diese Zahl ergibt sich als Durchschnitt von 16 Kohksproben, während das hangendste Flötz das Verhältniß 1 : 3,1 hat.

|429|

Diese Zahl ergibt sich als Durchschnitt von 4 Kohksproben, unter der Annahme daß der nicht bestimmte Aschengehalt nur 2 bis 3 Proc. beträgt, was bei der Auswahl reiner Stücke zu der Probe zutrifft. Jedenfalls müßten diese Versuche wiederholt werden.

|431|

Alle diese Zahlen beruhen auf den alten Karsten'schen Analysen, welche, wie es scheint, bei schwacher Hitze angestellt wurden und daher etwas weniger Gas ergaben. Aus den Karsten'schen Versuchen ergab sich z.B. für die anthracitische Kohle des Wurmreviers zum Theil das Verhältniß 1 : 18, während die neueren Versuche nicht unter 1 : 14 ergeben haben, in ersterem Falle haben wir 5 1/2 Proc., im zweiten 7 Proc. flüchtige Bestandtheile, was immerhin keine große Verschiedenheit ist.

|432|

Die meisten neueren Untersuchungen haben die so wichtige Kohksbestimmung ganz übersehen, so alle bei Geinitz, Fleck und Hartig mitgetheilten.

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