Titel: Ueber Opiumcultur in Deutschland
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1873, Band 208/Miszelle 13 (S. 80)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj208/mi208mi01_13

Ueber Opiumcultur in Deutschland

theilt Dr. G. Merck im „Neuen Jahrbuch“ seine praktischen Erfahrungen in Hinsicht auf die in neuerer Zeit besonders lebhaft ventilirte Frage mit: ob es möglich sey, Opium in Europa und speciell in Deutschland zu cultiviren, und uns in Bezug auf diese werthvolle Drogue vom Orient unabhängig zu machen. Bekanntlich wird in Württemberg der Mohn der Gewinnung des Samens wegen in großen Mengen angebaut, und die Versuche zur Gewinnung von Opium haben dort auch ganz erfreuliche Resultate geliefert, namentlich in Bezug auf die Qualität des gewonnenen Opiums. Daß die europäischen klimatischen und Bodenverhältnisse der Erzielung eines morphiumreichen Opiums kein Hinderniß darbieten, ist auch durch viele andere Versuche in Deutschland und Frankreich dargethan worden. Es fragt sich nur, ob es immer gelingen würde, ein gleich gutes Product zu erhalten, und zwar in solcher Menge, daß die Kosten des Sammelns gedeckt würden. Merck's eigene Erfahrungen waren nicht der Art, ihm die Opiumcultur in Europa als lebensfähig erscheinen zu lassen. Er bepflanzte circa 1/2 Morgen mit Mohn und erhielt wohl 2 1/2 Pfd. eines gut aussehenden, kräftig riechenden Productes, aber von so geringem Morphiumgehalte (kaum 2 Proc.), daß es für den Gebrauch der Apotheker und für Fabricationszwecke beinahe werthlos war. Er hält dafür, daß wenigstens seine Gegend – Darmstadt, Bergstraße – für die Opiumcultur nicht geeignet ist. Wie sehr die Qualität des Opiums von den Bodenverhältnissen abhängig ist, scheint ihm auch daraus hervorzugehen, daß das in Aegypten gezogene Opium, welchem doch die günstigen klimatischen Bedingungen zur Seite stehen, nie den Gehalt des türkischen Productes erreicht. (Der praktische Techniker, 1. Jahrg. S. 500.)

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