Titel: Ueber die Farbe der Zwanzig-Mark-Stücke.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1873, Band 208/Miszelle 2 (S. 75)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj208/mi208mi01_2

Ueber die Farbe der Zwanzig-Mark-Stücke.

Auf eine gestellte Frage bezüglich des Grundes der verschiedenen Färbung der Zwanzig-Mark-Stücke hat der königl. sächsische Münzwardein Hr. P. F. Göldner in Dresden nachfolgende Antwort ertheilt.

„Der Grund davon, daß die Farbe der Zwanzig-Mark-Stücke eine so verschiedene ist, liegt in den variirenden Beiz- oder Färbungsmanipulationen der einzelnen Münzstätten. Man ging besonders früher davon aus, eine Goldmünze, wenn auch legirt, müsse das Ansehen einer Feingoldmünze, z.B. des Ducaten, haben, müsse ähnlich den Goldschmucksachen gefärbt werden. Ein jeder Goldwaaren-, wie Geldfabrikant hat es nun aber in der Hand, das Aeußere seiner Fabricate – je nach der Mode oder auf hohen Wunsch – durch eine gewählte Herstellungsmodalität ganz ohne oder unter Anwendung von mehr oder weniger eines Beizverfahrens, und zwar auf erstere Weise naturfarben, d.h. bezüglich unserer Reichsgoldmünzen genau von der Farbe welche eine 0,9 Feingold- mit 0,1 Kupferlegirung besitzt, oder auf die zweite Manier in mehr oder weniger bronzeähnelnder, messing- bis sogar ducatengoldgelber Farbe erscheinen zu lassen.

Die Erstlingsproducte der 1872er deutschen Goldansmünzung fielen zumeist von messing- bis goldgelber Farbe aus, genau in der Art, wie unsere frühere geringe Goldausmünzung von Kronen etc. gewesen war. Meines Wissens hat Sachsen, nach dem Vorgange Englands und theilweise auch Frankreichs und Belgiens, zuerst in Deutschland begonnen, das sowohl für eine Goldausmünzung im Allgemeinen vortheilhafte, als auch für das Publicum überhaupt so praktische englische Fabricationsverfahren ohne Beize einzuführen.

Wenn ich nicht irre, arbeiten seil Mitte des vorigen Jahres die Münzstätten Berlin, München, Stuttgart und Darmstadt ebenfalls nach ähnlichem Verfahren behufs der Darstellung von ungefärbten, naturfarbenen Goldmünzen. Je mehr und mehr die Goldwährung bei den Münzfragen der meisten Länder die Oberhand zu erlangen scheint, wird ohne Zweifel und hoffentlich recht bald die Goldausmünzung allerorts nach dem Augenmerk hin eingerichtet und betrieben werden, daß sämmtliche Goldmünzen ein und dasselbe Legirungsverhältniß, sowie als ungeheizte Waare ebenfalls ein und dieselbe Farbennüance besitzen, welche letztere trotz der Abnutzung im Verkehr, da sie nicht bloß als Hauch auf der Oberfläche vorhanden ist, auch fort und fort unverändert bleiben wird.

Deutschland mußte natürlich, schon wegen der Unmöglichkeit der Concentration der Ausmünzung an einem Orte, bei seinem Uebergange Zur Goldwährung dasselbe Stadium, wenn auch in kürzerer Zeit, durchlaufen, an welchem alle übrigen Länder mit Goldausmünzung im Großen laborirt haben, wie denn schon kleinere Beutel mit z.B. Zwanzig-Francs-Stücken in den meisten Fällen eine wahre Musterkarte von verschieden gefärbten dergl. Münzen nicht allein verschiedener Länder, sondern auch eines und desselben Landes, aber verschiedener Jahrgänge aufweisen. (Deutsche Industriezeitung, 1873, Nr. 5.)

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