Titel: Ueber Schwefelkies-Röstung; von Friedrich Bode.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1873, Band 208/Miszelle 3 (S. 75–77)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj208/mi208mi01_3
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Ueber Schwefelkies-Röstung; von Friedrich Bode.13)

Im Jahrgang 1872 der Zeitschrift des Vereines deutscher Ingenieure, Bd. XVI S. 505 (daraus im polytechn. Journal Bd. CCVI S. 274), behauptet Hr. R. Hasenclever von der Kritik welche ich in meinem Schriftchen „Beiträge zur Theorie und Praxis der Schwefelsäurefabrication“ seinem Plattenofen (beschrieben im polytechn. Journal, 1871, Bd. CXCIX S. 284) zum Rösten von Schwefelkies habe angedeihen lassen, sie sey „nur persönlich und zu wenig sachlich.“ Da für diese Behauptung kein Beweis erbracht ist, so kann ich dem Verf. lediglich versichern, daß es mir nur um die Sache zu thun gewesen.

Auch findet Hr. Hasenclever, daß ich mich mit der Construction seines Plattenofens nicht genau genug bekannt gemacht habe. Nicht nur habe ich aber die Construction dieses Ofens von Solchen mir mehrfach beschreiben lassen, welche mit demselben gearbeitet, ihn ausgeführt und seiner Entstehung von den ersten Anfängen an beigewohnt haben, sondern ich glaube auch, die Beschreibung des Hrn. Hasenclever selbst (am oben angegebenen Orte) nicht ohne Erfolg studirt zu haben, die in lichtvoller und erschöpfender Darstellung meines Erachtens Nichts zu wünschen übrig läßt.

Sodann hat Hr. Dr. Grüneberg im Cölner Bezirksvereine einen Vortrag unter obigem Titel gehalten (Zeitschrift des Vereines deutscher Ingenieure, 1872, Bd. XVI S. 542), aus welchem hervorgeht, daß ich von ihm noch nicht richtig verstanden bin. Hr. Dr. Grüneberg hatte in einem früheren Vortrage (in derselben Zeitschrift Bd. XV S. 342) dem Gerstenhöfer'schen Schüttofen den Vorwurf gemacht, daß man die zu röstenden Erze pulvern müsse, worauf ich erwiderte, daß man mit gleichem Rechte an den gewöhnlichen Kilns tadeln könne, daß man Stücke rösten müsse. Diese Antwort findet Hr. Dr. Grüneberg nicht hinreichend, da jede mechanische Arbeit Kraft, also Kohlen, Löhne etc. verursacht. Hiermit wird aber doch nur der frühere Vorwurf wiederholt, und um nicht weiteren Mißverständnissen ausgesetzt zu seyn, sey es gestattet, mich durch zwei Beispiele klar zu machen.

Eine Schwefelkiesgrube, die man auf den ersten Blick vielleicht einen Steinbruch nennen würde, gewinnt ein Gestein mit 10 bis 12 Procent eingesprengtem Schwefelkies (nicht Schwefel). Da man einen solchen Schwefelkies (wenn es erlaubt ist, das gewonnene Gestein so zu nennen) nicht direct verarbeiten kann, Versuche und Berechnungen aber ausgewiesen haben, daß man einen brauchbaren, genügend schwefelreichen Schlieg durch Pochen und Waschen des Gesteines erhalten kann, so liegt der gesammte Schwefelkies in Pulverform vor, wie er in Schüttöfen sofort verbrannt werden könnte. Der Consument von solchen Schliegen hat zwar vorläufig vielleicht die beste Absicht, dieselben in einem Apparat zu verbrennen, in welchem die Verbrennung von klarem Kies bedingt ist durch die Verbrennung von Stuffwerk; aber es stellt sich heraus, daß das Stuffwerk zu einem Preise zu haben ist, der sich höher stellt als derjenige der Schliege. Es bleibt hier also nur die Anwendung von Schüttöfen übrig, und der Schwefelsäurefabrikant, der in solchem Falle an den Kilus auszusetzen hätte, daß man nur Stücke darin verbrennen kann, thut genau dasselbe, wie Hr. Dr. Grüneberg, welcher am Schüttofen zu moniren hat, daß das Pulvern der Erze Unkosten verursache.

In einem anderen Falle setze man voraus, daß man es mit einem Kiesvorkommen zu thun hat, in welchem man das Mineral wie Sand in klarem Zustande mit der Schaufel wegnehmen kann, und Stücke fast gar nicht vertreten sind. Auch hier sey der Bezug von Stuffwerk von einem anderen Fundorte wegen des höheren Preises der Stücke ausgeschlossen. Hier ist ebenfalls wieder der Schüttofen am Platze. Selbst wenn man den direct aus der Grube kommenden klaren Kies etwas nachmahlen müßte, um im Interesse der besseren Abröstung im Schüttofen ein egaleres oder feineres Korn zu erhalten, so liegt es doch auf der Hand, daß sich hiergegen erst dann etwas einwenden ließe, wenn die mit diesem Mahlen verbundenen Kosten so hoch wären, daß mit Rücksicht darauf doch der Bezug von theurerem Stückkies zur ausschließlichen Verwendung, oder meinetwegen zur Unterlage für eine damit combinirte Verbrennung klarer, ungemahlener Kiese rathsamer wäre.

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Ich bemerke, daß die beiden angeführten Beispiele nicht erdacht, sondern der Wirklichkeit entlehnt sind und sich noch weiter vermehren lassen. Auch sey nicht verschwiegen, daß gerade in neuester Zeit große Fabriken in Massenproduction von Schwefelsäure, wo man die Gerstenhöfer'schen und Hasenclever'schen Apparate durch den Augenschein kennen gelernt hatte, sich zur Schliegverbrennung der Schüttofen bedienen, obschon es ihnen nicht an Stuffkiesöfen fehlt, die als Helfer für Hasenclever'sche Plattenöfen dienen könnten.

Ich möchte des Weiteren nicht darüber discutiren, ob die Kosten für Zerkleinern von Kiesabfällen zum Zwecke der Anwendung im Gerstenhöfer'schen Ofen 1 bis 1 1/2 Sgr. betragen; sie können ohne Zweifel in gewissen Fällen noch höher seyn, sind aber vielfach bei richtig angeordneten Apparaten wesentlich niedriger.

Wenn zuletzt Hr. Dr. Grüneberg darauf aufmerksam macht, daß sich die Hasenclever-Helbig'schen Oefen immer mehr einbürgern, dagegen die Gerstenhöfer'schen Schüttöfen an vielen Stellen wieder außer Betrieb gesetzt sind, so ist dabei zu bedenken, daß erstens der Gerstenhöfer'sche Ofen eine Periode von 10 Jahren hinter sich hat, in welcher mancher vortreffliche Apparat durch veränderte Verhältnisse zum Ausrangiren kommt, und daß unter den „vielen Stellen,“ welche Hr. Dr. Grüneberg namentlich anführt – es sind deren sechs – nicht weniger als zwei sich befinden, wo der Schüttofen nach Aussage von Gerstenhöfer überhaupt niemals ein geführt gewesen ist und wieder an ferneren zwei Orten der Ofen versuchsweise zur Blenderöstung errichtet wurde, von welcher der Erfinder von Anfang an der Ansicht war, daß sie für die Zinkdestillation genügend im Schüttofen nicht zu bewerkstelligen ist.

Freiberg in Sachsen, im November 1872.

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Vom Verfasser als Separatabdruck aus der Zeitschrift des Vereines deutscher Ingenieure, 1873, Bd. XVII S. 29, eingesandt.

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