Titel: Ueber sogenannte vulcanische Bausteine.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1873, Band 208/Miszelle 4 (S. 77)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj208/mi208mi01_4

Ueber sogenannte vulcanische Bausteine.

Seit fast 10 Jahren hat N. Schröder in Kreuznach künstliche, sogenannte vulcanische Bausteine aus Steinkohlenschlacke und Asche unter Anwendung von hydraulischem Kalke und anderen bindenden Stoffen hergestellt; nach dem englischen Patente verwendet er z.B. auf 100 Centner Kohlenasche oder Kohlenschlacke 16 Centner hydraulischen Kalk und 1 Centner Portland-Cement, welche Masse in einem Mahlwerk zusammengearbeitet und dann in Formen gepreßt wird. Von den so erzeugten Steinen wird angegeben, daß sie der Witterung sehr gut widerstehen, bei verhältnißmäßiger Leichtigkeit eine sehr bedeutende Festigkeit besitzen etc., während die Herstellungskosten niedrig seyen. Nach einer Mittheilung des Hrn. Schröder in der deutschen Töpfer- und Ziegler Zeitung sind in Sulzbach, Herne und anderen Orten aus solchen Steinen große massive Wohnhäuser gebaut worden, und man hat sie zu den Gewölben von zwei Kirchen verwendet, einer in Dudweiler und einer in Quierscheid, dann in der neuen Caserne zu Saarlouis, zu Kellergewölben bis zu 20 Fuß Spannweite, zum inneren Ausbau der neuen Bahnhofsgebäude in Wiesbaden und zu vielen anderen Bauten in Wiesbaden, Frankfurt, Mainz etc. Zum Bauen von Eiskellern auf dem Boden, sowie zum Ausmauern von Brunnen gibt es nach Schröder kein besseres und billigeres Material. Zum Bauen von Laboratorien und Pulvermagazinen werden die Steine als unersetzlich bezeichnet, da die Bauten durchaus trocken seyen, durch Reibung kein Feuer entstehen könne, und bei einer etwaigen Explosion diese leichten Steine keinen so großen Schaden anrichten können, wie die Bruchsteine. Es sind u.a. Fabriken mit Dampfkraft in Betrieb in Hagen, Langendreer, Herne, Dortmund, Fabriken mit Pferdegang in Dudweiler, Stuttgart, Metz, Ars a. d. Mosel und Mülhausen (im Elsaß). Auch in Hannover ist jetzt eine Fabrik von sogenannten vulcanischen Bausteinen von Jul. Kircher gegründet worden. Zur Anlage einer solchen Fabrik mit Pferdebetrieb ist ein Grundstück von etwa 1 Morgen erforderlich und dieselbe kostet mit Ausschluß des Grundstückes etwa 600 Thaler. Zwei Monate nach der Errichtung der Fabrik, welche nur circa 4 Wochen dauert, können schon Steine verkauft werden. (Deutsche Industriezeitung, 1873, Nr. 1.)

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