Titel: Ueber Ozonwasser; von Dr. Behrens in Kiel.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1873, Band 208/Miszelle 7 (S. 78–79)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj208/mi208mi01_7

Ueber Ozonwasser; von Dr. Behrens in Kiel.

Eine Probe des von Krebs, Kroll u. Comp. in Berlin fabricirten „Ozonwassers“ , die mir von dem Medicinalrathe Prof. Bockendahl in Originalverpackung übergaben wurde, hat mir Gelegenheit gegeben, die bisherigen Angaben über dieses Fabricat dahin zu berichtigen, daß dasselbe eine stark verdünnte Lösung von unterchloriger Säure in Wasser darstellt. Es führte schon der Geruch und Geschmack des Präparates auf die Vermuthung, daß selbiges Unterchlorigsäure oder ein unterchlorigsaures Salz enthalte; zur Prüfung dieser Vermuthung wurde einem Theil desselben salpetersaures Silber zugesetzt: es erfolgte sehr schwache Trübung, die beim Erwärmen unter schwacher Gasentwickelung sich so sehr verstärkte, daß die Flüssigkeit weiß und in zolldicker Schicht undurchsichtig wurde. Der abgesetzte Niederschlag war in Ammoniak leicht löslich.

Zu einem anderen Theile des sogenannten Ozonwassers wurde chlorfreie Salzsäure gethan nebst einigen Goldblättchen; dieselben wurden binnen einer halben Stunde gelöst.'

Endlich wurde ein Theil der zu untersuchenden Flüssigkeit in einer wohlpolirten, sorgfältig gereinigten Platinschale abgedampft. Das Platin erschien hiernach, so weit es von der Flüssigkeit benetzt gewesen war, matt und es blieb ein sehr geringer, bräunlicher, in Wasser löslicher Rückstand, der auf blankem Zink dunkelgraue Flecke machte und weder Calcium noch Magnesium, aber Natrium in höchst unbedeutender Menge enthielt. Zu weiterer Untersuchung reichte die Quantität desselben nicht aus, indessen ist wohl kaum noch daran zu zweifeln, daß derselbe zum größten Theil aus Platinchlorid bestanden hat, gebildet durch das bei der Umsetzung von Unterchlorigsäure zu Chlorsäure freiwerdende Chlor. Die Behandlung des „Ozonwassers“ mit Schwefelwasserstoff liefert einen geringen Schwefelniederschlag, somit enthält das fragliche |79| Präparat, wenn wir den höchst unbedeutenden Natriumgehalt als Verunreinigung ansehen, nur Wasser und unterchlorige Säure, so daß man vermuthen darf, es sey dasselbe durch Destillation dargestellt.

Nach den Angaben welche bisher über das „Ozonwasser“ gemacht sind, scheint es, als ob es noch niemals auf Unterchlorigsäure geprüft worden sey, möglicherweise kommen auch unter dieser Bezeichnung aus derselben Fabrik Präparate von ganz ungleicher Zusammensetzung in den Handel; jedenfalls ergeben die obigen Versuche, die mit gleichem Erfolge von dem Assistenten des hiesigen Universitäts-Laboratorium?, Hrn. Dr. O. Jacobsen wiederholt worden sind, daß die Bezeichnung des fraglichen Fabricates als „Ozonwasser“ eine durchaus willkürliche und unrichtige ist. (Wittstein's pharmaceutische Vierteljahresschrift, 1873, Bd. XXII S. 230.)

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