Titel: Brokatfarben und ihre Anwendung auf Gyps, Glas etc.; von W. Schelhaß.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1873, Band 208/Miszelle 16 (S. 158–159)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj208/mi208mi02_16
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Brokatfarben und ihre Anwendung auf Gyps, Glas etc.; von W. Schelhaß.

In München findet man seit einiger Zeit in den Schaufenstern der Kunsthandlungen Gegenstände aus Gyps geformt, welche durch ihr schönes silberähnliches Aussehen als etwas Neues große Aufmerksamkeit erregen.

Da es den Anschein hat, daß diese Art des Ueberziehens für Decorations- und Luxusgegenstände eine weitere Verbreitung findet, so dürfte es vielen von Interesse seyn, Einiges über deren Herstellung zu erfahren.

Mit der Fabrication von mit silberähnlichem Ueberzug versehenen Gypsgegenständen beschäftigte sich zuerst ein Etablissement in der Nähe von Paris, welches aber während des Aufstandes der Commune vollständig zerstört wurde.

Durch einen hiesigen Industriellen kam ich in den Besitz eines in dieser Fabrik dargestellten Christus aus Gyps. Nach der damit angestellten Untersuchung fand ich, daß dieser silberähnliche Ueberzug aus fein zertheilten ungefärbten Glimmerblättchen, sogenannter Brocate (Krystallfarben, Glimmerbronze) besteht, welche schon länger als Ersatz für Bronzefarben bei vielen Fabricaten Anwendung gefunden haben, und welche bekanntlich von Rotter in Amberg (jetzt Firma Louis Wilm in Regensburg) in der vollkommensten und schönsten Weise hergestellt werden. Diese Glimmerbronze war mittelst eines durchsichtigen Bindemittels auf dem Christus aus Gyps befestigt und war nichts Anderes als Collodium.

Nach weiteren angestellten Versuchen fand ich nun, daß ein derartiger silberähnlicher Ueberzug auf folgende Weise hergestellt werden kann: Die durch Auskochen mit Salzsäure oder durch Glühen vollständig rein weiß erhaltenen Glimmerblättchen werden ausgewaschen, getrocknet, durch Mahlen, Sieben und Schlämmen sehr fein zertheilt, mit verdünntem Collodium angerührt und wie eine Farbe mittelst eines weichen Pinsels mehrmals aufgetragen. Die auf diese Weise behandelten Gegenstände besitzen einen Silberglanz und bieten gegenüber den mit Metall-Bronzefarben überzogenen den Vortheil, sich gegen schwefelhaltige Ausdünstungen indiffert zu verhalten, sowie sie von Schmutz und Staub, ohne Schaden zu leiden, leicht durch Abwaschen gereinigt werden können.

Es dürfte sich daher diese Behandlung für Gegenstände als Verzierung empfehlen, welche aus billigem Material hergestellt, ohne bedeutende Kosten ein schönes und dauerhaftes Ansehen erhalten sollen; diese Verzierung läßt sich um so leichter herstellen, da Collodium auf Gyps, Glas, Holz, Pappe, Porzellan und Metall fest haftet und Brocatfarben in allen Farben billig zu haben sind. (Bayerisches Industrie- und Gewerbeblatt, 1873 S. 127.)

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