Titel: Howard's Heißluft-Maschine.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1873, Band 208/Miszelle 2 (S. 153–154)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj208/mi208mi02_2

Howard's Heißluft-Maschine.

Dieselbe ist eine Erfindung von C. C. Leawitt in Amerika und soll die bekannten Uebelstände von Maschinen dieser Art nicht haben, indem ein verhältnißmäßig hoher Arbeitsdruck erzielt wird, ohne größere Erhitzung der Maschine, durch Erhitzen der Luft bei constantem Volumen und durch automatische Unterhaltung der Feuerung. Die Maschine hat ihre Feuerbüchse in dem Cylinder selbst und die Verbrennungsproducte werden zur Bewegung des Kolbens benutzt.

Bei einer kleinen Maschine von 0,15 Meter Durchmesser, gleicher Hubhöhe und 150 Umdrehungen zeigte sich der Kohlenverbrauch zu 0,567 Kilogrm. per Stunde. Die Maschine entwickelte 0,27 effective Pferdekräfte und der Brennstoffverbrauch betrug daher 2,5 Kil. per Pferdekraft und Stunde. Aus der Luftpumpe führt ein Hauptrohr zur Feuerbüchse und zweigt sich ein zweites ab, welches die gebrauchte Luft aus dem Cylinder in das Ausströmungsrohr führt.

Das Ventil, welches den hierzu gehörenden Behälter öffnet oder schließt, wird durch einen Daumen und eine Treibstange bewegt. Der untere Theil des Kolbens ist mit Speckstein dicht belegt; unter ihm befindet sich die Feuerbüchse. Der Cylinder ist außen von einem Kaltwassermantel umgeben. Eine Welle, die ihre Bewegung von der Kurbelachse erhält, bewirkt die Kohlenzuführung automatisch. Die Kohle liegt in einem halbkugeligen Behälter; ein dem entsprechend gekrümmter Rührer oscillirt um eine Achse und versieht mit Hülfe einer Drahtbürste bei jeder Oscillation eine Art Drehschieber mit Kohle, von wo diese durch einen hin- und hergehenden kleinen Kolben in den Feuerraum geschoben wird.

Wenn die Feuerbüchse voll ist, findet dieser kleine Kolben, dessen Antrieb auch durch die Welle geschieht, Widerstand; dadurch gleitet der Riemen von der Stufenscheibe der kleinen Steuerwelle ab, und so wird die weitere Kohlenzufuhr unterbrochen. Vor dem Einströmventil der Luftpumpe befindet sich ein Drosselventil, welches durch den Regulator auf gewöhnliche Weise regiert wird. Schließt sich die Klappe, so bewirkt dieß ein theilweises Vacuum im Cylinder der Pumpe, welches die Leistung der Maschine vermindert. Da die Kurbel der Luftpumpe und des Arbeitskolbens zu einander unter rechten Winkeln stehen, so befindet sich der Luftpumpenkolben bei beginnendem Niedergange des Arbeitskolbens in der Hälfte seines Hubes aufwärts, indem der Arbeitskolben dem Luftpumpenkolben voraneilt.

Das Ausströmen findet zu Ende des Aufganges statt, und wenn der Arbeitskolben in der Mitte seines Niederganges ist, so beginnt die Luftpumpe vermöge ihres Niederganges ihre kalte Luft auszublasen, und zwar durch dieselbe Oeffnung, durch welche heiße Luft, aus dem Heißluft-Cylinder kommend, ausströmt; durch diesen frischen Luftstrom wird das Ablaßventil stets von Unreinigkeiten wieder befreit, und zugleich abgekühlt. Das Auslaßventil schließt ein wenig vor Ende des Niederganges des Arbeitskolbens, wodurch eine leichte Compression entsteht. Da nun der Pumpenkolben rasch abwärts, der Heißluftkolben langsam aufwärts geht, so wird die Luft durch die Kraft des Schwungrades comprimirt. Steigt dann der Arbeitskolben wieder rasch, so treibt der Pumpenkolben die Luft in den Feuerraum. Die durch die rasche Erhitzung expandirte Luft treibt dann ersteren in die Höhe, und setzt somit das Schwungrad in Bewegung. Das Einlaßventil der Pumpe ist von Messing und mit Leder gedichtet. Das in den Feuerraum führende Ventil ist bloß von Messing. Der Pumpenkolben ist mit dem besten eichengegerbten Leder abgedichtet. Die zur ganzen Steuerung |154| nothwendigen Ventile, außer dem eigentlichen Ausströmventile und der Drosselklappen, sind drei gewöhnliche Klappenventile. Als Dichtungsmittel bewährte sich am besten Speckstein. Die Maschine geht sehr leicht über die todten Punkte, und der Druck währt, bis die Mitte des Hubes erreicht ist, wo er fast 14,000 Kil. auf den Quadratmeter ist: ein bisher nicht erreichtes Resultat. Das allmähliche Anwachsen des Druckes ist dadurch bedingt, daß die Luft ohne Volumveränderung in den heißen Cylinder gelangt, und daher erst dann wirkt, nachdem sie dort eingeschlossen und erhitzt worden ist. (Engineering vom 24. Januar 1873; Zeitschrift des österreichischen Ingenieur- und Architektenvereines, 1873 S. 77.)

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: