Titel: Neues Verfahren der Stahlfabrication.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1873, Band 208/Miszelle 5 (S. 154–155)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj208/mi208mi02_5

Neues Verfahren der Stahlfabrication.

In den Vereinigten Staaten zieht ein neuer Proceß, Stahl zu fabriciren, die Aufmerksamkeit der Techniker auf sich. Dasselbe wurde von Th. J. Barrow im Jahre 1868 erfunden. Der Erfinder vereinigte sich mit T. B. Scowden, Ingenieur des Louisville- und Portland-Canales, und beide bildeten in Louisville eine Compagnie zur Ausführung des neuen Verfahrens. Nach zweijährigen Versuchen wurde die erste Fabrik gebaut, und mit der Fabrication im März v. J. begonnen. Gegenwärtig beschäftigt die Fabrik 40 Arbeiter.

Der Stahl ist hauptsächlich für Werkzeuge, wie Aexte, Hacken, Beile etc., geeignet. Dieselben werden zuerst in gewöhnlicher Weise aus Gußeisen hergestellt, sie kommen dann in rotirende Trommeln, wo sie durch Reibung von den Anhängseln, die sie beim Gießen erhielten, befreit und so gereinigt werden. Nachher werden sie in eiserne Kästen gepackt, die mit einer Schicht Thon zu schließen sind. In diesen Kästen werden sie der Wirkung von Eisenoxyden und anderen Chemikalien, welche das Geheimniß des Erfinders sind, ausgesetzt, wodurch das Eisen entkohlt wird. Man unterwirft die Werkzeuge in den Kästen einem Glühproceß, der 3 bis 6 Tage lang dauert. Nach der Entkohlung und Reinigung ist aus Gußeisen Schmiedeeisen geworden. Dasselbe kann nun in Stahl verwandelt werden, und dieß geschieht auf folgende Weise. Eine Retorte, welche ungefähr 20 Centner Werkzeuge faßt, ist in der Mitte eines großen Ofens angebracht. Die Temperatur wird etwas unter dem Schmelzpunkt des Eisens erhalten. Während die Werkzeuge dieser Temperatur ausgesetzt sind, wird denselben Gasolin und reines Holzkohlengas zugeführt. In Zeit von 8 bis 10 Minuten ist das Eisen in Stahl verwandelt. Die Werkzeuge werden dann aus der Retorte heraus genommen, getempert, geschliffen und polirt.

Nach diesem Proceß soll Stahl auf die rascheste Weise bereitet werden. Die Compagnie |155| schmilzt 30 Centner pro Tag und hofft baldigst mit der Fabrication von Stahlschienen beginnen zu können. (Blätter für Gewerbe, Technik und Industrie, u. F., Bd. VI S. 313.)

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: