Titel: Die Flammen comprimirter Gase.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1873, Band 208/Miszelle 8 (S. 155–156)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj208/mi208mi02_8

Die Flammen comprimirter Gase.

Läßt man, nach einer Mittheilung von F. Benevides aus einem Behälter mit comprimirtem Leuchtgase, dasselbe bei nur wenig geöffnetem Hahne austreten und entzündet dasselbe, so zeigt die Flamme eine größere Helligkeit als die Flammen der Straßenlaternen, deren Gasdruck nur um einige Centimeter Wassersäule den Druck der Atmosphäre übertrifft. Oeffnet man den Hahn weiter, dann nimmt die Geschwindigkeit des Ausfließens zu, Luft wird mitgerissen und mischt sich mit dem Gase, die Verbrennung wird lebhafter, die Helligkeit der Flamme wird kleiner, oder verschwindet, und die Temperatur steigt bedeutend; es entsteht eine Wirkung wie bei dem Bunsen'schen Brenner.

Wenn der Druck und die Geschwindigkeit, wie die Menge des ausströmenden Gases groß sind dann fängt die Flamme nicht an der Mündung des Brenners an, sondern in einer bestimmten Entfernung von derselben. Es bleibt ein dunkler Raum, dessen Dimensionen vom Druck und der Geschwindigkeit des Gases abhängen. Bei einem Drucke von 2 Atmosphären war der dunkle Raum fast 4 Centimeter lang, die |156| Flamme hatte eine Länge von 4 Decimeter, am Beginn eine Breite von 3 Centimeter, am Ende eine von 1 Decimeter. Die Temperatur des dunklen Raumes ist sehr niedrig; ein Thermometer steigt in demselben nur sehr langsam, wahrscheinlich nur durch Strahlung von der Flamme her.

Bringt man in den dunklen Raum einen Metalldraht, berührt mit demselben die Flamme und führt ihn dann wieder in den dunklen Raum, so folgt die Flamme dem Drahte, und man kann den dunklen Raum ganz zum Verschwinden bringen; er stellt sich jedoch wieder her, wenn man den Draht entfernt. Durch Annähern einer brennenden Kerze an den dunklen Raum überzeugt man sich von der Aspiration, die er auf die Umgebung ausübt.

Ist der Brenner sehr eng und die Ausflußgeschwindigkeit des Gases sehr groß, dann ist ein Verbrennen nicht möglich, die Flamme verlischt.

Das Spectrum der Flammen des comprimirten Gases ist discontinuirlich und zeigt 5 helle Linien. Ist die Ausflußgeschwindigkeit des Gases klein, so erscheint ein Helles continuirliches Spectrum. Im ersten Falle findet eine vollkommenere Verbrennung des Gases statt, während im letzteren mehr unverbrannte Kohle glüht.

Diese Beobachtungen will Benevides bei der Straßenbeleuchtung in Städten mit bedeutenden Niveauverschiedenheiten verwerthet wissen. Die Flammen der hoch gelegenen Stadttheile (in Lissabon kommen derartige Unterschiede von 100 Met. vor) nähern sich denen des comprimirten Gases, da hier die Ausflußgeschwindigkeit am größten ist. Ihre Temperatur wird somit sehr hoch seyn, und wenn man gleichen Lichteffect erzielen will, wie in den niederen Stadttheilen, welche von demselben Gasometer versehen werden, muß man die Hähne weniger weit öffnen. (Annales de Chimie et de Physique, 4. série, t. XXVIII, März 1873; Naturforscher Nr. 16.)

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