Titel: Eine Schwefelkohlenstoff-Dampfmaschine.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1873, Band 208/Miszelle 1 (S. 233–234)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj208/mi208mi03_1

Eine Schwefelkohlenstoff-Dampfmaschine.

Amerikanische Blätter berichten über eine neuerdings dort in Anwendung gebrachte Methode, die Wärme des bereits in einer Dampfmaschine benutzten Dampfes noch weiter für den Maschinenbetrieb nutzbar zu machen, und zwar in der Art, daß z.B. durch die Wärme des aus einer 20pferdigen gewöhnlichen Dampfmaschine abziehenden Dampfes eine zweite Dampfmaschine von 20 Pferdekraft betrieben werden kann; ja noch mehr, daß die zweite Maschine, die ihre Wärme vom abziehenden Dampfe erhält, sogar noch bedeutend stärker als die erste seyn kann, indem man in einem anderen Falle durch den abziehenden Dampf aus einer 11pferdigen Maschine eine solche von mindestens 18 Pferdekräften betrieb, so daß demnach ein Gewinn von circa 166 Procent erzielt wurde. Dieses wunderbar erscheinende Resultat wurde dadurch erreicht, daß der aus der ersten Maschine entweichende Wasserdampf auf einen Oberflächencondensator geführt wird, dessen Röhren mit einer leicht verdampfbaren Flüssigkeit, die hauptsächlich aus Schwefelkohlenstoff besteht, umgeben sind. Die Wärme des abgehenden Wasserdampfes ist ausreichend, erwähnte Flüssigkeit sehr schnell in Dampf von 3 bis 4 Atmosphären Ueberdruck zu verwandeln, so daß mit diesem secundären Dampfe eine zweite gleichstarke oder sogar stärkere Maschine als die erste, betrieben werden kann. Der aus der letzteren entweichende Schwefelkohlenstoffdampf wird in einer eisernen Spirale, über welche mittelst eines Ventilators Luft geblasen wird, welche einen feinen Wasserregen mit sich führt, condensirt, und der condensirte Schwefelkohlenstoff zurück nach dem Verdampfungsapparate, der durch den zuerst genannten Oberflächencondensator gebildet wird, gepumpt. Es soll auf diese Weise der Verlust an Schwefelkohlenstoff sehr gering seyn und in zehn Stunden nicht mehr als ungefähr 1,5 Procent betragen. Im angegebenen Falle sind im Ganzen 35 Gallonen Schwefelkohlenstoff-Flüssigkeit zur Füllung des Verdampfungsapparates nothwendig, |234| wovon in 10 Stunden eine halbe Gallone im Werthe von einem halben Dollar verloren geht. – Neu ist die Anwendung des Schwefelkohlenstoffes zum Maschinenbetrieb keineswegs. (Oesterreichische Zeitschrift für Berg- und Hüttenwesen 1873 Nr. 19.)

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