Titel: Ueber das Aufziehen von Papier auf das Reißbret; von Ph. Rust.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1873, Band 208/Miszelle 12 (S. 239–240)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj208/mi208mi03_12

Ueber das Aufziehen von Papier auf das Reißbret; von Ph. Rust.

Gewiß Jedem, welcher schon öfter Papier nach der gewöhnlichen Art auf das Reißbret aufgezogen hat, ist zu seinem Verdrusse der Fall vorgekommen, daß sich – besonders bei Anwendung von Mundleim, aber auch bei anderen Klebmitteln – manchmal schon während der Arbeit, d.h. bevor noch sämmtliche vier Seiten ringsherum niedergestrichen warm, öfter, aber gleich nachher, während des Trockenwerdens, einzelne Theile des Randes, ja oft eine ganze Seite des Papierbogens wieder ablösten und nachträglich geklebt werden mußten.

Als Folge hiervon entsteht nicht selten eine oder mehrere Falten, nach dem völligen Trocknen immer aber eine ungleiche Spannung des Papieres an verschiedenen Stellen, welche ihrerseits wieder, wenn auf das Papier eine acurate Zeichnung nach dem Maaßstabe angefertigt wurde, den Uebelstand nach sich zieht, daß nach dem Wiederablösen des Papieres vom Reißbret sich Ungenauigkeiten in den Maaßen ergeben.

Dieser Uebelstand des Wiederablösens des Papieres während oder nach dem Aufziehen läßt sich auf nachstehende Weise vollständig beseitigen:

Man nimmt einen Bogen starken, d.h. etwas dicken und nicht harten, sondern schwammigen Pappendeckels – für häufigen Gebrauch besser noch ein Blatt groben Filzes – etwas kleiner, wie der aufzuziehende Papierbogen, so daß dieser ringsherum circa 1 1/2 bis 2 Centimeter darüber vorsteht, legt Pappendeckel oder Filz in reines Wasser, läßt ihn darin weichen, bis er völlig durchdrungen ist, nimmt ihn dann heraus und läßt ihn ablaufen, bis am unteren Rande keine Tropfen mehr zum Vorschein |240| kommen. In Ermangelung beider kann man sich auch eines starken, etwas breiten in Wasser geweichten und dann schwach ausgerungenen Handtuches, welches man auf die bezeichnete Größe zusammenlegt, bedienen.

Ist nun der aufzuziehende, gehörig angefeuchtete Bogen in der erforderlichen Lage auf das Reißbret gebracht und mit einem weichen, nur wenig nassen Schwamme von der Mitte aus gegen die Kanten, ohne Anwendung starken Druckes eben gestrichen, so daß sich keine großen Falten mehr zeigen, so legt man den feuchten Pappendeckel, Filz oder Tuch sofort darauf, so daß das Papier ringsum gleichmäßig breit vorsteht und kann nun das Aufkleben in aller Gemüthsruhe vornehmen.

Man versieht zu dem Ende wie gewöhnlich einen Rand um den anderen auf der unteren Seite mit dem Klebmittel – Mundleim, Gummilösung oder Buchbinderkleister – und streicht ihn nach Auflegen eines Blattes Schreibpapier mit dem Falzbein oder dem Fingernagel nieder. Die feuchte Decke bleibt liegen, bis der geklebte Rand ringsum völlig trocken geworden und es wird nach deren Hinwegnahme nie ein Ablösen des Randes vorkommen und nach dem Trocknen das Papier stets ohne Falten sich zeigen, sowie möglichst gleichmäßig gespannt seyn.

Auf diese Weise verfährt man im Wesentlichen auch, wenn, wie dieß bei Einzeichnung eines genauen Nachtrages u. dgl. häufig vorkommt, ein Katasterblatt nach dem Muttermaaße aufgezogen werden soll.

Wenn nämlich das Blatt, wie oben angegeben, gehörig befeuchtet – aber nicht auseinander gestrichen – auf das Reißbret gebracht und mit der feuchten Decke versehen ist, so bestreicht man die untere Seite des Randes am besten mit einer starken Lösung von arabischem Gummi, welche nicht so schnell trocknet, einige Zeit lang schlüpfrig bleibt und das Hin- und Herschieben des Randes auf dem Reißbret gestattet. Man streicht nur ganz leise mit den Spitzen der Finger – nicht mit dem Nagel oder Falzbein – den Rand provisorisch nieder und legt sofort das Muttermaaß an, zuerst das für die Diagonalen, dann das für die Seiten, benutzt auch ein gutes Lineal, um zu bewirken, daß die Seiten gerade werden. Mit Ziehen und Schieben an dem, wie bemerkt noch beweglichen Rande bringt man nun die Sache so in die Ordnung, daß Maaß und Lineal stimmen. Nun erst streicht man den Rand unter aufgelegtem Papier, wie oben bemerkt, mit dem Falzbein definitiv nieder und nimmt die feuchte Decke erst weg, wenn dieser vollkommen trocken ist.

Um Ungenauigkeiten nach dem Trocknen zu verhüten, darf selbstverständlich zwischen dem eigentlichen Ende der Zeichnung, d.h. der Umfassungslinie und dem aufzuklebenden Rande nur ein ganz kleiner Zwischenraum bleiben.

Die hiebei nöthige und sonst noch zu anderem Gebrauche nützliche Gummilösung läßt sich in einem verkorkten Fläschchen längere Zeit aufbewahren, ohne zu schimmeln, wenn man ihr eine kleine Portion, circa 1/10 bis 1/8 des Volumens Weingeist zusetzt, welcher sich, obgleich arabisches Gummi in Weingeist unlöslich ist, doch in dieser geringen Quantität ganz gut, ohne daß eine Ausscheidung stattfindet, mit der Gummilösung vermischen läßt. (Bayerisches Industrie- und Gewerbeblatt, 1873 S. 101.)

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