Titel: Ueber den Einfluß des Hüttenrauches bei den fiscalischen Hüttenwerken zu Freiberg auf die Vegetation der benachbarten Grundstücke und die Gesundheit der Hausthiere.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1873, Band 208/Miszelle 6 (S. 235–236)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj208/mi208mi03_6

Ueber den Einfluß des Hüttenrauches bei den fiscalischen Hüttenwerken zu Freiberg auf die Vegetation der benachbarten Grundstücke und die Gesundheit der Hausthiere.

In seinem Gutachten über obigen Gegenstand sagt am Schlusse Dr. M. Freitag, Professor an der landwirthschaftlichen Akademie zu Poppelsdorf bei Bonn:

1) Die schweflige Säure, die Schwefelsäure, die arsenische Säure und die Zinksalze können unter ungünstigen Bedingungen auch noch bei den heutigen Condensationseinrichtungen der Vegetation der benachbarten Grundstücke einen stets sichtbaren Schaden in der Weise zufügen, daß sie, bei hinreichender Concentration auf den schwach bethauten Blättern ausgefällt, beim Verdunsten des Wassers die befallenen Organe corrodiren und genau in den Zustand versetzen, in welchen sie beim Erlöschen der Vegetation von selbst kommen. Diese Beschädigungen lassen sich stets schon durch den Augenschein und bei der chemischen Analyse durch Bestimmung der aus dem Hüttenrauche stammenden Stoffe constatiren.

2) Von einer Vergiftung des Bodens oder der ganzen Pflanze kann hierbei unter keinen Umständen die Rede seyn.

3) Die Annahme einer unsichtbaren Beschädigung der Vegetation durch die Hüttendämpfe und eines darauf basirten Schadensersatzes ist unstatthaft und unzweckmäßig, denn sie widerspricht dem Grundprincipe aller exacten Forschung und gibt der urtheilslosen Masse Veranlassung, immer neue Ansprüche für angeblich durch die Hütten erlittene Verluste zu erheben.

4) Eine Abnahme in dem Nährwerthe der Futtermittel bei sichtbarer Beschädigung |236| der Blätter kann nur in dem Verluste dieser Blätter und in der verringerten Befähigung der Pflanzen, Kohlensäure zu zersetzen und daraus organische Materie zu produciren, gesucht werden.

5) Die auf den Blättern der Futtergewächse haftenden Metalloxyde und Metallsalze können dem thierischen Organismus in der Weise gefährlich werden, daß dieselben Entzündungen und Anätzungen der Schleimhäute der Verdauungsorgane und unter sehr ungünstigen Bedingungen selbst den Tod veranlassen können.

Diese Thatsache läßt sich aber stets durch die Section und die chemische Analyse sicher feststellen.

6) Der Annahme, nach welcher die in dortiger Gegend unter dem Rindvieh auftretende, sogenannte Säurekrankheit, sowie die Tuberculose durch die Bestandtheile des Freiberger Hüttenrauches erzeugt werden soll, fehlt jede reelle Unterlage und muß derselben auf das bestimmteste widersprochen werden.

Im Jahre 1870 sind auf Halsbrücker Hütte 190922,26 Zollcentner Erze, Gekrätze und andere Schmelzgüter angekauft und daraus erfolgt 2929,91 Ctr. Arsenikalien und 57191,37 Ctr. Schwefelsäure; zur Muldener Hütte aus 332545,56 Ctr. Erzen etc. 16899,01 Ctr. Arsenikalien und 77051,47 Ctr. Schwefelsäure. Summe der gewährten Rauchschaden im Jahre 1870 = 1594 Thlr. 7 Ngr. 7 Pf., im Jahre 1864 über 18000 Thlr. (Jahrbuch für das Berg- und Hüttenwesen im Königreich Sachsen auf das Jahr 1873, S. 3.)

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