Titel: Ueber Schmieröle, besonders Harzöl.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1873, Band 208/Miszelle 8 (S. 236–237)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj208/mi208mi03_8
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Ueber Schmieröle, besonders Harzöl.

Hr. Fabrikdirector B. Hoffmann (z. Z. in Köpfen bei Weißenfels) bespricht in einer von ihm herausgegebenen Schrift: „Die Fabrication der Harzproducte,“ Pancsowa, 1872, Verlag von C. Wittigschlager, u.a. auch die Maschinenöle.

Das Vulcanöl, sagt er, hat sich nicht lange bewährt. Es ist das Destillat des virginischen Petroleums, welches fast am Ende übergeht und ein specifisches Gewicht von 0,870 bis 0,890 zeigt. Dasselbe wird in einem Bleibottich in der Wärme mit 6 Proc. rauchender Schwefelsäure gesäuert, vom Satz abgezogen und bis zur vollständigen Entfernung der Säure mit Wasser gewaschen. Dann mischt man es mit 5 Proc. Rüböl. Es wird auch auf die Weise gewonnen, daß man die Oele welche bei der Petroleum-Destillation nach den Beleuchtungsölen (bis 0,860 spec. Gewicht) übergehen, gesondert auffängt, bis sie, auf kaltes Metall getröpfelt, erstarren, und ihnen 5 Proc. rohes Rüböl zumischt. Ein anderes Schmieröl aus Petroleum ist das Opalöl. Dieses Oel vom specifischen Gewicht 0,850 bis 0,870 wird wie Vulcanöl gesäuert und mit 10 Proc. Rüböl gemischt.

Für Maschinentheile welche sich mit großer Schnelligkeit bewegen, wie Eisenbahnachsen, Spindeln etc., können Schmieröle aus Petroleum nicht angewendet werden. Für sie eignet sich das Harzöl, besonders gereinigt, bei weitem besser. Sein starker Geruch, sowie die Eigenschaft, in der Wärme Harz abzusetzen, werden durch Reinigung beseitigt. Diese Reinigung des rohen Harzöles geschieht in folgender Weise: 100 Pfd. wasserfreies dickes Harzöl werden in einem Kessel bis zum Dünnflüssigwerden erhitzt. Darauf wird das Feuer entfernt, und es werden allmählich unter beständigem Umrühren 3 Pfd. rauchende Schwefelsäure hineingetröpfelt. Nach halbstündigem Mischen läßt man das Oel 12 Stunden lang ruhig stehen und zieht es darauf mittelst eines Hebers vom Satz in einen hölzernen Bottich ab. Dann wäscht man es mit heißem Wasser, zieht es nach 12stündigem Absetzenlassen ab und wiederholt das Waschen so lange, bis das Wasser ganz entsäuert abfließt. Das Wasser wird dabei zuerst ohne Mischen heiß dem Oele beigegeben, so lange es noch milchig abfließt. Nach mehrtägigem Absetzen erhält man ein dunkelgelbes, schwach riechendes Harzöl ohne blauen Schimmer. Dieses Oel eignet sich, mit Olivenöl oder Rüböl gemischt, vorzüglich zum Schmieren schwerer Maschinentheile.

Um es ganz geruchlos und hellgelb zu erhalten, verfährt man folgendermaßen: Das erwähnte dunkelgelbe Harzöl wird in eine Flasche oder in einen Ballon gefüllt, und auf 100 Pfd. Harzöl 1 Pfd. Wasser zugegeben. Das Ganze wird gut umgeschüttelt, und nach und nach 8 Pfd. Salzsäure, verdünnt mit 10 Pfd. Wasser, hinzugemischt. Dazu gibt man 1 Pfd. Mennige und 5 Pfd. verdünnte Salzsäure, und schüttelt häufig, durcheinander. Nach einigen Tagen zieht man das Oel ab, wäscht es mit Wasser, bis es vollkommen säurefrei abfließt, und setzt es circa 8 Tage lang in einer Flasche dem Sonnenlichte aus. Hierdurch wird es vollständig lichtgelb.

Das gelbe Harzöl gibt, mit 1/3 Rüb- oder Olivenöl versetzt, ein vorzügliches Schmieröl für alle Maschinentheile. Es harzt nicht im mindesten. Man kann es auch mit Petroleum mischen, z.B. 2 Theile gelbes Harzöl mit 1/3 Th. Rüböl und 1/3 Th. gereinigtem Blauöl oder 1 Th. gelbes Harzöl mit 1/3 Th. gereinigtem Blauöl und 1/4 Th. Ricinusöl. Mit Rüböl vermischt, kommt es als Verfälschungsmittel für Olivenöl in den Handel.

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