Titel: Bestimmung der Filtrationswirkung der Knochenkohle in der Zuckerfabrication; von Dr. K. Stammer.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1873, Band 208/Miszelle 2 (S. 317–318)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj208/mi208mi04_2

Bestimmung der Filtrationswirkung der Knochenkohle in der Zuckerfabrication; von Dr. K. Stammer.

Dr. Stammer versuchte die Wirkung der Knochenkohle bei der Filtration durch directe Wägung der absorbirten Stoffe zu ermitteln. Die Untersuchung geschah durch wiederholtes Auskochen der betreffenden Spodium-Durchschnittsproben vor und nach dem Gebrauch mit größeren Mengen ammoniakalischen Wassers – gewöhnlich wurden 100 Grm. der Kohle 15 Mal mit je 300 Kub. Cent. ammoniakhaltigen Wassers |318| gekocht, im Allgemeinen so oft, als die Auslaugeflüssigkeit noch irgend eine Färbung zeigte –, Verdampfen der vereinigten Flüssigkeiten auf dem Wasserbade, Trocknen bis zum constanten Gewicht und schließliches Einäschern.

Nach Abschlag des im gewogenen Extracte zurückgehaltenen Ammoniaks (aus dem angewendeten Ammoniakwasser), des aus der Knochenkohle gelösten phosphorsauren Kalkes und des absorbirten Zuckers wurde gefunden, daß in der Dünnsaftkohle im Mittel 0,54 Proc. organische und 0,07 Proc. mineralische Stoffe, in der Dicksaftkohle 1,15 Proc. organische und 0,046 Proc. mineralische Stoffe aus dem Safte absorbirt wurden (bezogen auf trockene Kohle). Umgerechnet auf das Rübengewicht, wurden auf dem Dünn- und Dicksaftfilter im Ganzen 0,17 Proc. desselben Nichtzucker zurückgehalten.

Es wurden nämlich verbraucht auf 475 Zucker-Rüben:

1 Filter oder 6300 Pfd. Kohle für Dünnsaft
4/7 „ „ 3600 „ „ „ Dicksaft.

Diese absorbirten nach obiger Ermittelung:

organische Stoffe unorganische Stoffe
aus dem Dünnsaft 34,0 Pfd. 4,4 Pfd.
aus dem Dicksaft 41,5 Pfd. 1,6 Pfd.
–––––––––––––– ––––––––––––––––
zusammen 75,5 Pfd. 6,0 Pfd.

oder im Ganzen 81,5 Pfd. Nichtzucker oder 0,17 Proc. vom Rübengewicht.90)

Diese auf den ersten Blick niedrigeren Zahlen gewinnen eine ganz andere Bedeutung, wenn man sie mit dem im Safte noch vorhandenen Nichtzucker vergleicht. In diesem Falle ergibt sich, daß diese 0,17 Proc. fast 9 Proc. des im Rübensafte oder 12,5 Proc. des im geschiedenen und saturirten Safte enthaltenen Nichtzuckers betragen, und daß somit in dem betreffenden Beispiel durch Filtration ein Achtel der nach der Scheidung und Saturation im Safte verbliebenen fremden Stoffe entfernt wurde.

Außerdem ist aus den mitgetheilten Zahlen ersichtlich, daß bei der Dicksaftfiltration unverhältnißmäßig mehr organische als mineralische Stoffe aus dem Safte absorbirt werden. (Im Auszuge aus der Zeitschrift des Vereins für Rübenzucker-Industrie im Zollverein, Bd. 22 S. 914, durch Zeitschrift für Zuckerindustrie.)

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Bemerkt muß hier werden, daß die untersuchten Filter ein Dicksaftfilter und zwei Dünnsaftfilter waren, und daß nach der Dicksaftfiltration der Dicksaft mit Dünnsaft heraus gedrückt, und letzterer ebenso wie bei der Dünnsaftfiltration mit kaltem Wasser ausgesüßt wurde.

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